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02.08.2021 | Bankstrategie | Infografik | Onlineartikel

Deutsche Banken haben das Zeug für mehr Profitabilität

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
4:30 Min. Lesedauer

Die Banken in Deutschland kämpfen schon lange mit zu hohen Kosten und wirtschaften oft nicht profitabel genug. Um für die hiesige Wirtschaft ein starker Partner zu bleiben, brauchen die Institute einen ambitionierten Erneuerungskurs, so ein aktueller Report.

Schalten die klassischen Institute in Deutschland nicht einen Gang hoch, drohen ihnen laut des aktuellen McKinsey-Reports "Deutschlands Banken zurück im Spiel" anhaltende Marktanteilsverluste. Die Folge sind sinkende Ergebnisse und eine Eigenkapitalrendite nach Steuern (Return on Equity, RoE) die bis 2030 gegen null Prozent tendieren könnte. Um die deutsche Wirtschaft, die in einem grundlegenden technologischen Umbruch steckt, weiterhin als Partner zu unterstützen, müssen sich auch die Geldhäuser transformieren, fordert Max Flötotto, Senior Partner und Leiter der deutschen Banking Practice bei McKinsey. Auch zwei von drei Bankentscheidern halten eine radikale Veränderung in der deutschen Bankenlandschaft für notwendig, zeigte eine weitere McKinsey-Erhebung vom Januar und Februar 2021. 

Banken brauchen mehr Digitalisierung und Kundenorientierung

"Sieben bis acht Prozent Eigenkapitalrendite nach Steuern sind ambitioniert, aber durchaus erreichbar, wie die Wertentwicklung von Banken in anderen Märkten und die der besten Institute in Deutschland zeigt. Eine Performance auf diesem Niveau würde ein positives Signal an die besten Talente senden, dem Bankensektor helfen, seine Bedeutung zu wahren, und neue Investoren anlocken", erklärt Flötotto.

Mit einem ambitionierten Erneuerungskurs könne sich das operative Ergebnis des deutschen Bankensektors sogar bis 2030 um 30 bis 40 Milliarden Euro verbessern. Mehr Digitalisierung, eine starke Kundenorientierung und der Fokus auf Investitionen im ESG-Bereich (Environmental, Social, Governance) seien die wichtigsten Zutaten für das Erfolgsrezept.

Deutsche Banken sind attraktiv

Die Ausgangslage für die deutsche Bankenbranche halten die Studienautoren für passabel. Die Finanzbranche erwirtschaftet pro Jahr Erträge von mehr als 150 Milliarden Euro. Zudem stehen rund 65 Prozent der inländischen Vermögenswerte in den Bankbilanzen. Im globalen Durchschnitt sind es weniger als 50 Prozent. Und auch für Verbraucher seien deutsche Banken attraktiv. Denn sie zahlen in Großbritannien oder Frankreich für alltägliche Bankservices im Schnitt mehr als doppelt so viel wie in Deutschland. In Italien und Spanien sind es fast dreimal so viel. 

Auch das durchschnittliche Rating deutscher Banken liegt laut Report im Jahr 2021 bei A+, wobei 75 Prozent der Institute besser als A- bewertet werden. Im europäischen Schnitt haben die Institute ein Rating von A, wobei allerdings 25 Prozent der Geldhäuser unterhalb eines BBB-Ratings liegen. Auch die Covid-19-Pandemie haben deutsche Banken gut überstanden: So waren zum Beispiel 79 Prozent der Privatkunden mit den digitalen Kanälen ihrer Bank zufrieden. 

Dennoch sind die Erträge der Finanzunternehmen laut Analyse seit 2010 um acht Prozent auf 119 Milliarden Euro gesunken, während das BIP um 35 Prozent wuchs. Zeitgleich kletterten die operativen Kosten im vergangenen Jahrzehnt um knapp zehn Prozent und liegen damit rund 50 Prozent über dem Durchschnitt aller europäischen Banken.  

Fünf Strategische Ansätze sollen Erträge steigern

"Optimistisch stimmt uns, dass viele Branchenführer um den Veränderungsbedarf wissen und den ehrgeizigen Plan haben, ihre Institute auf einen neuen Weg zu führen", betont Philipp Koch, Co-Autor und Senior Partner bei McKinsey. Der Report definiert fünf strategische Ansätze, um dieses Ziel zu erreichen: 

  1. Reaktionsschnellere Geschäftsstrategien: Banken sollten ihren Business-Mix neu bewerten und sich auf Geschäftsfelder fokussieren, die Erfolg versprechen. Dies können Banking-as-a-Service-Lösungen in Form von Bundle-Angeboten oder eine zentrale Position in einem neuen Finanz-Ökosystem sein. Allerdings erfordere letzteres, das Geschäftsmodell und die Interaktion mit den Kunden zu überdenken, viele Ressourcen zu investieren und höhere Risiken einzugehen.
  2. Technologiegestütztes Customer Engagement: Die rund 300 Kontaktpunkte zwischen Kunde und Institut pro Jahr machen das Banking "so kundennah wie soziale Medien und Technologieunternehmen". Diese gilt es intensiver zu nutzen. Helfen können unter anderem eine moderne Datenanalyse, mit der sich zum Beispiel die Kundenfrequenz in Filialen und die Konversionsrate um 15 Prozent verbessern lässt. 
  3. Neue Geschäftsfelder: Rund 200 Partnerschaften zwischen deutschen Banken und Fintechs zählt der Report. Doch diese seien aus Sicht der Institute nicht immer systematisch aufgesetzt. Die Lösung sind von Banken geführte und von Fintechs aufgebaute Plattformen, insbesondere im wachsenden Geschäftsfeld der Firmenkundenkredite. Banken, die dieses Segment in den vergangenen Jahren priorisiert haben, hat das häufig ein über dem Marktdurchschnitt liegendes Wachstum beschert.
  4. Wirklich digitale Betriebsmodelle: Prozesse sollten in Zukunft komplett digital sein, um Sollbruchstellen zu vermeiden. Sie erleichtern zudem, neue Anbieter flexibler in die Wertschöpfungskette einzubinden - etwa im Bereich Kapitalbeschaffung. Auch standardisierte und zentralisierte Funktionen wie Personal und Finanzen, der Einsatz von Standard-Software-as-a-Service und die Digitalisierung von Anfragen und Berichten mache Banken profitabler.
  5. Neu definierter Purpose mit ESG: Bei der Steigerung der Erträge wird laut Report die Umstellung auf eine nachhaltige Wirtschaft eine zentrale Rolle spielen. So werden Erträge über alle Banksegmente hinweg bis 2030 einen ESG-Bezug von 25 bis 40 Prozent haben. Die Finanzierung von Klimainfrastruktur oder öffentlichem Wohnungsbau könne zum Beispiel zusätzliche Erträge von drei bis vier Prozent bringen. "Banken können und sollten zum Finanzierer der Klimaneutralität werden", meint Flötotto.

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