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19.03.2020 | Bankstrategie | Nachricht | Onlineartikel

Sparkassen sehen sich als Krisenpartner für Unternehmen

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3 Min. Lesedauer

2019 machten die Sparkassen das schwindende Zinsergebnis teilweise durch den Provisionsüberschuss wett. Das dürfte ihnen 2020 nicht gelingen. Dafür wollen sich die Institute als verlässlicher Partner krisengebeutelter Unternehmen profilieren.

"Die Institute haben das vergangenen Jahr mit einem Jahresergebnis nach Steuern in Höhe von 1,8 Milliarden Euro abgeschlossen", erläutert Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), anlässlich der virtuellen Bilanz-Pressekonferenz seiner Gruppe. Mit einer Kernkapitalquote von 16,0 Prozent und einer Gesamtkapitalquote von 17,3 Prozent wiesen die Sparkassen insgesamt "sehr solide Werte auf", betonte der DSGV-Chef.

Plus bei Unternehmenskrediten

Da die Sparkassen Geschäftsverbindungen zu rund zwei Dritteln der deutschen Unternehmen unterhielten, komme in der aktuellen Krisensituation der Gruppe eine besondere Bedeutung zu, so Schleweis. Im vergangenen Jahr stiegen die Neuzusagen für Kredite an Unternehmen und Selbständige um 4,1 Milliarden auf 93,3 Milliarden Euro. Damit kletterte der Bestand an Firmenkrediten um insgesamt 24,1 Milliarden auf 443,8 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 5,7 Prozent. 

Ein Großteil der mittelständischen Unternehmen habe kurzfristig verfügbare Mittel, die als Puffer in der Krise dienen können, so Schleweis. Insgesamt verwahren Sparkassen 148,3 Milliarden Euro für diese Kunden, davon 120 Milliarden Euro als Sichteinlagen. Zudem wollen sich die Sparkassen darauf konzentrieren, das von der Bundesregierung aufgelegte Programm für Liquiditäts- und Kredithilfen flächendeckend in Deutschland umzusetzen.

Kredite für privaten Wohnungsbau legen kräftig zu

2019 legte auch das Kreditneugeschäft mit Privatkunden zu. Die Sparkassen-Gruppe verzeichnete ein Neugeschäft in Höhe von 69,9 Milliarden Euro. Kredite in Höhe von 59 Milliarden Euro vergaben die Institute für den privaten Wohnungsbau. Das ist eine Steigerung um 17,3 Prozent. Damit liege der Marktanteil der Sparkassen in diesem Sektor bei 35,2 Prozent. "Wir erwarten, dass diese dynamische Entwicklung nach Corona-bedingten Störungen unvermindert anhalten wird", prognostiziert Schleweis. 

Auch die Einlagen der Privatkunden stiegen 2019 um 37,2 Milliarden auf 780,6 Milliarden Euro und damit um fünf Prozent. Aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsniveaus erfolgten die Mittelzuflüsse fast ausschließlich in Sichteinlagen.

Provisionsüberschuss wirkt Zinsergebnis entgegen

Doch trotz eines deutlich gestiegenen Kredit- und Einlagengeschäfts haben die Sparkassen 2019 weniger verdient. So ging das Zinsergebnis um 557 Millionen auf 20,2 Milliarden Euro zurück. "Das ist ein Minus von 2,7 Prozent und der niedrigste Wert der vergangenen 15 Jahre", so Schleweis. Die Steigerung des Provisionsüberschusses um 429 Millionen Euro konnte das zum Teil kompensieren. Doch das werde sich in den nächsten Jahren "sicher nicht mehr fortsetzen lassen". Dabei seien die jüngsten Entwicklungen rund um Corona noch gar nicht berücksichtigt.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen hat die Gruppe viele Filialen derzeit geschlossen. Dennoch hätten die Sparkassen ihre Kräfte neu eingeteilt, um auch bei zeitweisen Ausfällen von Mitarbeitern handlungsfähig zu bleiben.

Umsetzung der Sparkassen-Zentralbank ruht

Vorerst auf Eis gelegt hat die Gruppe die Schaffung eines Sparkassen-Zentralinstituts. Hierfür war als erster Schritt die engere Verzahnung von Deka und Helaba vorgesehen. "Vor wenigen Tagen haben die Landesobleute und damit die Vertreter der deutschen Sparkassenvorstände das ausgearbeitete Zielbild beraten. Der nächste Schritt wäre jetzt die Entscheidung der Anteilseigner von Deka und Helaba über eine vertiefte Prüfung", so Schleweis. 

Allerdings habe man sich entschieden, dieses Projekt "mit Blick auf die aktuellen Handlungsnotwendigkeiten" der Institute und der Entscheidungsträger vorläufig auszusetzen. "Wir werden den Prozess unverändert wiederaufnehmen, sobald Corona besiegt ist."

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