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12.01.2023 | Bankstrategie | Im Fokus | Online-Artikel

Profitabilität der Banken wackelt

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

4 Min. Lesedauer
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Während der Corona-Krise legten deutsche Banken bei der Profitabilität ordentlich zu - dem Run auf Aktien und einer niedrigeren Risikovorsorge sei Dank. Doch die hohe Inflation, die Zinswende und der andauernde Ukraine-Krieg erfordern weitere Maßnahmen, um profitabel zu wirtschaften.

Im Hinblick auf ihre Profitabilität verzeichneten deutsche Banken und Sparkassen in den Jahren nach der Finanzkrise trotz einer fortschreitenden Straffung des Filialnetzes und deutlich rückläufiger Personalzahlen nur wenig Erfolge. "Seit der Finanz- und der Eurokrise haben alle Institutsgruppen Mühe, ihre Profitabilität aufrecht zu erhalten. Die Banken kämpfen seitdem mit rückläufigen Zinsüberschüssen und nahezu stagnierenden Provisionsüberschüssen. Am deutlichsten war dieser Effekt bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken ersichtlich. Im Immobilienbereich kam es flächendeckend zu Abschreibungsbedarf, der alle Banken stark belastete", beschreiben Andreas Schmidt und Michael Deeken die Lage im vergangenen Jahrzehnt im Buchkapitel "Krise - Begriff und Forschung" (Seite 38). In den Jahren danach habe das Bankwesen in Deutschland, aber auch in Europa einen beispiellosen Wandel vollzogen. 

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Corona brachte die Ertragswende

Die Wende brachten schließlich die beiden Corona-Jahre: Dank einer niedrigeren Risikovorsorge und einem pandemiegetriebenen Boom im Wertpapiergeschäft steigerten die Institute 2021 die Eigenkapitalrendite um 2,1 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent. "Die deutschen Kreditinstitute haben ihre traditionelle Abhängigkeit von zinstragenden Geschäftsfeldern verringert", betont Walter Sinn, Deutschlandchef des Beratungshauses Bain & Company und Mitautor der Studie "Deutschlands Banken 2022: Im Auge des Sturms". Das sei ein sichtbarer Erfolg ihrer Transformation. 

Der Report analysiert zum achten Mal die Bilanz- und GuV-Strukturen der knapp 1.400 deutschen Kreditinstitute. Als Grundlage dienten Zahlen der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie die Datenbanken von Dun & Bradstreet und S&P Global. Neben dem jüngsten Aufwärtstrend geht die Analyse auch auf mögliche Auswirkungen der konjunkturellen Talfahrt, Inflation und Zinswende ein und blickt dabei auf die Renditechancen bis 2026.  

Gefahren für die Profitabilität

Die positive Entwicklung der Profitabilität könnte den Studienautoren zufolge allerdings nur von kurzer Dauer sein: Die hohe Inflation, geopolitische Spannungen und weiterhin gestörten Lieferketten führen zu einer gefährlichen Gemengelage. Steuern Banken nicht gegen, drohe ihnen in den kommenden fünf Jahren ein erneuter Rückgang ihrer Eigenkapitalrendite auf 1,6 bis 1,7 Prozent.

"Die erhofften positiven Effekte der Zinswende werden vorerst ausbleiben", so Bain-Partner Sebastian Thoben. "Während die Banken bereits kurzfristig höhere Finanzierungskosten verkraften müssen, wirken sich die steigenden Zinsen bei den Erträgen erst nach und nach aus." Denn bei vielen Krediten gebe es eine langfristige Zinsbindung.

Sieben bis neun Prozent Rendite machbar

Doch laut einer Modellrechnung der Studienautoren, lassen sich Zins- als auch Provisionserträge steigern und zeitgleich Kosten senken, wenn Banken und Sparkassen ihre Transformation forcieren, Geschäftsmodelle weiterentwickeln und hierzu auch "anorganische Optionen" zu nutzen. "Setzen die Banken in den kommenden fünf Jahren alle Hebel in Bewegung, sind sieben bis neun Prozent Rendite machbar", glaubt Thoben. Erfolgversprechend seien verschiedene Hebel, die Banken nun nutzen sollten: 

  • Ein zügiger Ausbau des ESG-Geschäfts
  • mehr Beyond-Banking-Angebote mit Dienstleistungen – darunter zum Beispiel Buchhaltungsservices - vor allem für Firmenkunden sowie
  • eine systematische Syndizierung und Verbriefung von Firmenkrediten wirken sich positiv auf der Ertragsseite aus und bieten allein bei den großen Banken in Deutschland ein Potenzial von vier Milliarden Euro in Form höherer Zins- und Provisionsüberschüsse.
  • Die Weiterentwicklung und Intensivierung der Effizienzprogramme
  • der gezielte Einsatz von Automatisierung und Digitalisierung
  • sowie eine stärkere Nutzung von Web3-Technologien wie Blockchain oder Smart Contracts sorgen für Entlastung auf der Kostenseite. Durch deren Einsatz unter anderem bei Kreditvergabe, Leasing, Asset Services und im Cash Management lassen sich die Kosten im Firmenkundengeschäft um gut ein Viertel senken. 

Banken fehlen Kapazitäten

Mit der Modernisierung ihrer IT haben Deutschlands Banken laut Bain-Deutschland-Chef Sinn eine gute Basis geschaffen, um solche Technologien zügig und flächendeckend zu verwenden. Allerdings gilt das nicht für alle Institute gleichermaßen, wie Anja Kühner in Bankmagazin-Beitrag "Den Weg in die Zukunft starten" (Ausgabe 1 | 2023) schreibt: 

Während die Erfüllung von Regulatorik eine herausfordernde Pflichterfüllung ist, rutschen strategische und zukunftsgerichtete Aufgaben oft auf der Prioritätenliste nach unten in den Bereich 'nice to have'. Es fehlt vielen Banken und Sparkassen schlichtweg an Kapazitäten - personellen ebenso wie finanziellen. Fast drei von vier Entscheidern von deutschen Banken und Versicherern sind laut Ende November 2022 veröffentlichtem internationalen Business Transformation Index des Technologiedienstleisters Expleo überzeugt: Ohne eine digitale Transformation wird ihr Unternehmen die kommenden fünf Jahre nicht überleben. Sie wünschen sich ein deutlich höheres Tempo bei der Digitalisierung in ihrem Institut."

Partnerschaften als möglicher Lösungsweg

Ein möglicher Lösungsweg liegt Kühner zufolge in Partnerschaften. "Deshalb wird ein kollaboratives Bankenmodell, bei dem sich Finanzinstitute mit kundenorientierten Fintechs über digitale Schienen verbinden, an Raum gewinnen. Das bringt nicht nur ein breiteres Angebot unter dem eigenen Dach. Vielmehr ermöglichen Embedded-Lösungen, die eigene Marke und Präsenz auszudehnen." 

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