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18.05.2017 | Bankstrategie | Nachricht | Onlineartikel

Deutsche Bank will zurück zu den Wurzeln

Autoren:
Barbara Bocks, Eva-Susanne Krah

Die Deutsche Bank hat zwei harte Jahre hinter sich. Mit der Abarbeitung zahlreicher Rechtsstreitigkeiten und seiner neuen Strategie war das Geldhaus in den vergangenen Monaten mehr als beschäftigt. Doch alles soll besser werden, auch für die Aktionäre.

"Es war ein turbulentes Jahr für die Deutsche Bank", sagte John Cryan, Vorsitzender des Vorstands der Bank, zur Eröffnung der Jahreshauptversammlung am 18. Mai 2017 in Frankfurt am Main, zu der rund 3.600 Aktionäre erschienen waren. Man habe "die Bank sicherer gemacht und risikoreiche Altbestände in unserer Bilanz drastisch reduziert, und das schneller als geplant." Bereits zum Ende vergangenen Jahres hatte die Bank die interne Abbaueinheit NCOU geschlossen. Diese notwendige Verkürzung der Bilanz hatte laut Cryan seit 2012 zu Verlusten von mehr als sieben Milliarden Euro vor Steuern geführt. Dadurch hat die Bank insgesamt 8,5 Milliarden Euro an Kapital freigesetzt.

Auch mit der Kapitalerhöhung von acht Milliarden Euro brutto, konnte das Geldinstitut Anfang April 2017 seine stark ausgedünnte Eigenkapitaldecke ebenfalls wieder auffüllen. Besorgte Diskussionen über Rettungspläne im Herbst 2016 waren damit vom Tisch. Insgesamt musste das Kreditinstitut, 

  • um Rechtsverfahren abzuschließen, 
  • nicht strategische Aktiva zu verkaufen und 
  • die Strukturen der Bank zu vereinfachen, 

5,8 Milliarden Euro aufwenden. Die Genehmigung einer möglichen erneuten Kapitalerhöhung der Bank wurde zur Hauptversammlung in Frankfurt kritisch gesehen. Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, sieht keinen Raum für einen neuen Kapitalrahmen: "Die Zeit der Blankoschecks ist vorbei", sagte er dem "Handelsblatt". 2017 ist für Cryan ein weiteres Jahr des Umbaus für die Bank, "aber unter besseren Vorzeichen" und mit besseren Ertragschancen. Die niedrigen Zinsen würden Banken jedoch weiter belasten. Der Umbau des Privatkundengeschäfts in Deutschland, ein weiterer großer Kostenblock für das Geldhaus, wird laut dem Lenker der Deutschen Bank aber erst 2017 richtig sichtbar werden. Die Kosten der Bank sind laut Cryan 2016 um sechs Prozent auf 24,7 Milliarden Euro zurückgegangen. 

Bis zum Jahr 2018 sollen die Ausgaben auf 22 Milliarden Euro weiter verringert werden. In einem schwierigen Umfeld hat das Geldhaus laut Cryan 2016 dennoch erneut Erträge von 30 Milliarden Euro erzielt. Im ersten Quartal 2017 konnte die Deutsche Bank erstmals wieder einen Gewinnsprung von 236 Millionen auf 575 Millionen Euro nach Steuern ausweisen, wie Springer Professional berichtete. Eine Mindestdividende von 0,19 Euro pro Aktie rückwirkend für die Jahre 2015 und 2016 ist die gute Nachricht für die Aktionäre, die Cryan zur Hauptversammlung mitgebracht hat.

Klares Bekenntnis zum Heimatmarkt

Ähnlich wie etliche andere Institute steckt das Geldhaus mitten in einem Kultur- und Strategiewandel. Dazu gehört unter anderem der Filialabbau, die Verschlankung von Teilen des Bankhauses und der jüngste Schwenk beim Thema Postbank, doch im Konzern verbleibt. Als Begründung sagte John Cryan dazu in der ARD-Sendung "Plusminus extra" zwei Tage vor der Hauptversammlung: "Strategisch sind wir mit der Postbank nie klargekommen. Aber es ist doch völlig sinnlos, zu sagen, dass wir in Deutschland verwurzelt sein wollen und dann die kundenreichere Postbank zu verkaufen, und es bei der eigenen kleineren Filialbank zu belassen." Der Schwerpunkt der neu ausgerichteten Deutschen Bank liegt künftig auf Unternehmenskunden und dem Kapitalmarktgeschäft als integralem Bestandteil, mit insgesamt mehr als 20 Millionen Kunden in Deutschland. 

Vorstände sollen Beitrag leisten

Einige frühere Vorstandsmitglieder sollen nach Aussage von Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, für ihre Management-Fehler in der Vergangenheit geradestehen. "Ich kann Ihnen heute berichten, dass sich der Aufsichtsrat hierzu mit den betroffenen Vorstandsmitgliedern in fortgeschrittenen Gesprächen befindet. Nach Erwartung des Aufsichtsrats wird es in den nächsten Monaten hierzu eine Regelung geben, die einen wesentlichen finanziellen Beitrag der Betroffenen sicherstellt", so Achleitner laut Redetext in der Hauptversammlung. 

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