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19.09.2019 | Bankstrategie | Nachricht | Onlineartikel

Sparkassen in Hessen und Thüringen erwarten Gewinneinbruch

Autor:
Jan F. Wagner
2 Min. Lesedauer

Für das laufende Jahr rechnen die Sparkassen in Hessen und Thüringen wegen der dauerhaft niedrigen Zinsen mit einem Rückgang des Vorsteuergewinns. Die Institute sehen die EZB in der Verantwortung und fordern eine Zinswende. 

Wie der Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen für seine 49 Sparkassen mitteilte, dürfte das Betriebsergebnis vor Bewertung in 2019 rund 844 Millionen Euro betragen und damit 13 Prozent weniger als in 2018. Darüber hinaus soll für dieses Jahr der Zinsüberschuss mit 2,06 Milliarden Euro etwa vier Prozent weniger ausfallen als für 2018. Obwohl der Provisionsüberschuss um rund drei Prozent höher liegen soll – nämlich auf 800 Millionen Euro – gibt es einen kleinen Anstieg bei den Personal- und Sachkosten. Dies führe am Ende zu einem kleineren Betriebsergebnis, so der Verband.

EZB muss Zinswende einleiten

"Es wird Zeit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) endlich die Zinswende einleitet. Ihre ultraexpansive Geldpolitik belastet vor allem Banken, die wie die Sparkassen vom Zinsgeschäft leben", sagte Verbandspräsident Gerhard Grandke auf einer Pressekonferenz in Gotha. Er sagte weiter, er habe sich gewundert, dass Bafin-Präsident Felix Hufeld den deutschen Banken empfohlen hätte, ihren Provisionsüberschuss erheblich zu steigern. "Der Wert wird bei uns nie die Marke von 60 Prozent plus X der US-Investmentbanken erreichen, die der Bafin-Präsident gerade lobend hervorgehoben hat." 

Grandke ergänzte: "Und ich sehe auch keinen Grund, warum wir unser Geschäftsmodell aufgeben sollten. Unsere Geschäftszahlen im ersten Halbjahr 2019 zeigen: Es gibt überhaupt keine Anzeichen dafür, dass unsere Finanzdienstleistungen von unseren Kunden nicht mehr nachgefragt werden." Vielmehr müsse die EZB endlich die Zinswende einleiten, da die ultralockere Geldpolitik der Zentralbank längst an ihre Grenze gestoßen sei.

Kreditzuwachs im ersten Halbjahr

Die Sparkassen in Hessen und Thüringen sind tatsächlich gut ins Jahr gestartet. Für das erste Halbjahr wiesen die Institute leichte Zuwächse bei der Kreditvergabe an Privatpersonen und mittelständische Unternehmen aus. Ende Juni machten diese Kunden alleine 90 Prozent des gesamten Kreditvolumens von 76,8 Milliarden Euro aus. Auch bei den Einlagen sowie bei ihrer Bilanzsumme verzeichneten die Sparkassen kleinere Zuwächse mit 0,9 Prozent beziehungsweise 1,5 Prozent.

Schließlich konnten die Institute im ersten Halbjahr ihre Eigenmittel um 2,4 Prozent auf rund 13,1 Milliarden Euro erhöhen. Die Kernkapitalquote wurde mit 18,9 Prozent angegeben, was weit über dem gesetzlichen Minimum liegt. Dazu Grandke: "Das zeigt, das wir kapitalmäßig sehr solide unterwegs und für die auch in Zukunft erwartende rückläufige Ertragsentwicklung gut gewappnet sind."

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