Skip to main content
main-content

12.03.2020 | Bankstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Zahl der Banken in Deutschland sinkt

Autor:
Barbara Bocks
3 Min. Lesedauer

Aktuell kämpfen viele Institute mit hohen regulatorischen Anforderungen und geringer Profitabilität. Daher setzen viele Geldhäuser auf Fusionen. Vor allem die Genossenschaftsbanken sind hier besonders aktiv.

Die Zahl aller Kreditinstitute in Deutschland ist im Jahr 2019 um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Das geht aus einer Analyse von Barkow Consulting von Februar hervor. Damit hat sich der Konsolidierungstrend im Vergleich zum Jahr 2018 in Höhe von 2,9 Prozent leicht erhöht. Verantwortlich dafür sind in der Regel Fusionen Ohne sie und die damit verbundenen Synergien haben Deutschlands Kreditinstitute mittelfristig nur geringe Chancen, ihre Eigenkapitalkosten zu verdienen, heißt es in einer Bain & Company-Studie von Dezember 2019. "Damit die deutschen Banken den Rückstand auf ihre europäischen Konkurrenten wettmachen können, bedarf es darüber hinaus einer breit angelegten Konsolidierung auf nationaler sowie auf EU-Ebene", heißt es in der Analyse weiter.

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Konsolidierung als Antwort auf steigenden Ertrags- und Kostendruck im Bankgeschäft?

Deutsche Banken beklagen seit vielen Jahren den steigenden Ertrags- und Kostendruck und das daraus resultierende hohe Verhältnis von Kosten zu Erträgen. Damit verbunden ist eine relativ niedrige Eigenkapitalrendite.

Genossen funsionieren am häufigsten

Die Genossenschaftsbanken gehen in Bezug auf ihre Zusammenschlüsse in Deutschland mit gutem Beispiel voran. Ihre Anzahl hat laut der Barkow-Analyse in den Jahren 2017, 2018 und 2019 gegenüber dem Vorjahr mehr abgenommen als die der Sparkassen und Privatbanken. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch die Bain-Studie. Laut dieser fanden 80 Prozent der Fusionen in der deutschen Bankenbranche im Jahr 2018 im genossenschaftlichen Sektor statt. Seit dem Jahr 2008 sank die Zahl der Kreditgenossenschaften der Analyse zufolge um 321 beziehungsweise gut ein Viertel auf nunmehr 878 Volks- und Raiffeisenbanken.

Das liegt vor allem an deren Größe. "Die einzelne Genossenschaftsbank ist im Durchschnitt deutlich kleiner als die durchschnittliche Sparkasse. So gab es im Jahr 2018 eine Genossenschaftsbank mit weniger als 20 Millionen Euro an Einlagen und weniger als zehn Millionen Euro Kreditvolumen. Die kleinste Sparkasse war im selben Jahr mehr als fünfmal so groß", sagt Peter Barkow, Geschäftsführer des Beratungshauses, gegenüber springerprofessional.de. Gleichzeitig sieht er bei Genossenschaftsbanken weniger Konsolidierungshürden als bei Sparkassen. Für letztere sei häufig ein langwierigerer politischer Einigungsprozess für Fusionen notwendig.

"Auch Privatbanken sind in Deutschland relativ stark zersplittert und unterliegen daher einem starken Konsolidierungsdruck", so Barkow. Strukturell oder langfristig werde auch ihre Anzahl weiter abnehmen. Kurzfristig könne es aber durch den Sonderfaktor Brexit durchaus eine steigende Anzahl privater Institute geben, da ausländische Banken eine Banklizenz in der EU anstreben.

Fusionsdruck wird ansteigen

Perspektivisch wird in den kommenden fünf Jahren der Konsolidierungsdruck auch bei den Genossenschaftsbanken weiter steigen. "Sie verfügen über ein zu großes Filialnetz, das immer weniger in Anspruch genommen wird und die Regulierungskosten sind insbesondere für kleine Institute viel zu hoch", so Barkow weiter. Auf der anderen Seite leiden sie überproportional unter den niedrigen Zinsen. 

Die Anzahl der Sparkassen wird aus Barkows Sicht in den kommenden fünf Jahren ebenfalls weiter abnehmen. Wie stark der Rückgang ausfallen wird, hängt laut Barkow von vielen Einzelfaktoren ab. "Aktuell verfügen beide Institutsgruppen noch über erhebliche Rücklagen, so dass sie auch rückläufige Erträge eine Zeit lang aussitzen können", so Barkow weiter.

Das ist gut zu wissen, denn Fusionen sind für Institute oftmals ein Kraftakt. "Nach einer Fusion ist das Management für viele Jahre damit beschäftigt, die Integration auf operativer Ebene umzusetzen", sagt Tobias Berg, Associate Professor an der Frankfurt School of Finance & Management, im Bankmagazin-Artikel "Großbanken bringen Finanzsektor in Aufruhr" von Autor Francois Baumgartner. Damit bleibt aus Sicht von Berg weniger Zeit übrig, neue Geschäftsfelder sowie innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. "Ein weiterer und im Prinzip dauerhaft bestehender Nachteil einer Fusion ist die Zunahme an Komplexität", so der Experte. Diese resultiere aus den unterschiedlichen Geschäftsmodellen und Kundengruppen, die zusammengeführt werden müssten.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

06.11.2019 | Bankstrategie | Nachricht | Onlineartikel

DZ Bank vollendet Fusion

Premium Partner

    Bildnachweise