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21.07.2014 | Bankstrategie | Interview | Onlineartikel

"Es geht um das positive Bezahl-Erlebnis für Konsumenten"

Autor:
Stefanie Hüthig

Arne Pache, Mastercard, im Interview über den Vorstoß seines Unternehmens beim kontaktlosen Bezahlen, über NFC und die Rolle von Banken und Sparkassen beim Zahlungsverkehr.

Springer für Professionals: Ihr Unternehmen hat Mitte Juli mitgeteilt, bis 2018 bei allen deutschen Händlern, die Mastercard und Maestro akzeptieren, standardmäßig das kontaktlose Bezahlen einführen zu wollen. Warum die Eile?

Arne Pache: Nicht erst seit heute bereitet sich der Handel auf das kontaktlose Bezahlen vor. Nicht nur einzelne Händler, sondern viele nationale Ketten haben ihre Filialen oder Tankstellen bereits komplett ausgerüstet. Ebenfalls sind nahezu alle Terminalhersteller dazu übergegangen, Bezahlterminals standardmäßig mit der kontaktlosen Schnittstelle auszustatten. Doch wir sehen, dass sich die Aktivitäten noch weiter verstärken. Insofern kann man nicht von Eile sprechen. Wir haben also lediglich eine existierende Marktentwicklung genutzt und in einen zeitlichen Rahmen gesetzt, um den Verbrauchern verlässlich die komfortabelste Bezahlmöglichkeit zu bieten, von denen nicht zuletzt auch der Handel durch optimierte Prozesse profitiert. Darüber hinaus bringen wir neue Bezahllösungen in den Markt, die beispielsweise mit dem Mobiltelefon funktionieren. Auch hierfür ist es wichtig, dass die entsprechende Infrastruktur beim Händler vorhanden ist. Verbraucher müssen sicher sein können, dass sie überall dort, wo sie es möchten, schnell und einfach kontaktlos bezahlen können. Es geht um das positive Bezahl-Erlebnis für Konsumenten.

Aktuell bewegt sich der Payment-Markt wieder massiv, nachdem es zwischenzeitlich eher ruhig war. Paypal und Orderbird, Anbieter eines iPad-Kassensystems für die Gastronomie, haben eine gemeinsame Meldung herausgegeben. Darin erklären die Unternehmen, nach einer Testphase nun das mobile Bezahlen mit der Paypal-App auf ganz Deutschland auszuweiten. Ist es Zufall, dass Ihr Haus und Paypal/Orderbird am gleichen Tag die Pressemitteilungen herausgegeben haben?

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Natürlich ist dies Zufall, aber es verdeutlicht gleichzeitig, dass die Innovationsgeschwindigkeit im deutschen Zahlungsverkehr zunimmt. Mastercard setzt dabei auf internationale Standards statt auf proprietäre Lösungen. Beispielsweise hat Mastercard als erster weltweit das kontaktlose Bezahlen eingeführt und standardisiert. In vielen europäischen und internationalen Märkten gehören kontaktlose Transaktionen zum täglichen selbstverständlichen Verbraucherverhalten. Und nun wird sich Deutschland dieser Entwicklung anschließen.

Mastercard setzt beim mobilen Bezahlen auf die Near Field Communication, kurz NFC. Was sind die Vorteile und Nachteile dieser Methode?

Im Grunde genommen bietet NFC nur Vorteile, da es ein weltweit etablierter Standard ist, der eine Vielzahl von Anwendungsbereichen ermöglicht. Es ist für uns ein sehr schneller, sicherer und gut etablierter Übertragungskanal. Davon abgesehen geht Bezahlen mit dieser Technologie bequemer, dadurch verbessert sich das Erlebnis. Als Konsequenz werden die Konsumenten hierdurch viel häufiger die Karte oder das Mobiltelefon zum Bezahlen einsetzen anstelle des Bargelds. Die sich auch in Deutschland etablierende NFC-Terminalinfrastruktur ermöglicht es zudem, ohne weitere Veränderungen am Point of Sale neben kontaktlosen Karten auch andere Verbrauchergeräte, wie NFC-fähige Smartphones, für eine Kartentransaktion zu nutzen. Aber auch so genannte „Wearables“, etwa Smartwatches, können künftig von Verbrauchern im Handel für die Zahlung genutzt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass Verbraucher den Umgang mit „kontaktlos“ schon aus vielen anderen Bereichen kennen. So zum Beispiel beim Zugang zum Unternehmen, dem Bezahlen im Kantinen oder am Skilift. Auch wer viel reist, und beispielsweise in London mit der U-Bahn, der „Tube“, unterwegs ist, ist mit kontaktlos vertraut.

Was ist mit anderen Technologien?

Mastercard ist grundsätzlich offen für andere Technologien, beispielsweise Bluetooth Low Emission, kurz BLE, oder auch QR-Codes, und setzt diese in verschiedensten Projekten weltweit ein.

Wo bleiben die deutschen Banken und Sparkassen im umkämpften Bezahlgeschäft?

Für Banken und Sparkassen spielt der Zahlungsverkehr schon heute eine große Rolle. Und er gewinnt insgesamt an Bedeutung. Schließlich ist beispielsweise die Mastercard-Kreditkarte oder die Girocard, mit denen die Kunden der Kreditinstitute bezahlen, ein Produkt, das von den Verbrauchern jeden Tag genutzt und wahrgenommen wird. Aufgrund der neuen Fähigkeiten und Leistungen könnte es auch als Diversifikationsmerkmal zum Wettbewerbsfaktor werden. Für Kreditinstitute ist es angesichts des immer stärker wachsenden Online-Handels aber wichtig, auch hier bestmöglich aufgestellt zu sein und den direkten Kontakt zum Verbraucher zu halten, statt dies überwiegend den Internetunternehmen zu überlassen. Insofern bieten wir unseren Banken und Sparkassen, etwa mit Masterpass, eine digitale Wallet an, die es den Verbrauchern ermöglicht, alle Zahlkarten sicher im Rechenzentrum ihres Finanzinstituts zu speichern, um sicher und komfortabel mit Smartphones oder Tablets, aber natürlich auch am heimischen PC einkaufen zu können.

 

Das Interview führte Stefanie Hüthig.

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