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08.09.2022 | Bankstrategie | Gastbeitrag | Online-Artikel

Green Banking wird weltweit unterschiedlich gelebt

verfasst von: Jonas Ehrenberg

4:30 Min. Lesedauer

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Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Bankenbranche omnipräsent. Seit die EU-Kommission 2019 mit dem Green Deal Europas Weg zur Klimaneutralität verkündet hat, ist der Bereich Sustainable Finance in Bewegung. Weltweit gibt es Green-Banking-Inititativen, die Orientierung bieten können.

Bisher bleiben Regularien trotz kommunizierten Handlungswillens der Europäischen Union (EU) eher vage und es mehren sich Zweifel am nachhaltigen Anspruch - spätestens seit Erdgas und Atomkraft als "ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeit" gemäß EU-Taxonomie gelten. Um den Status Quo der EU global einzuordnen, werden nachfolgend ausgewählte regulatorische Ansätze in außereuropäischen Währungsräumen sowie privatwirtschaftliche Vorstöße in Richtung eines grünen Finanzsystems betrachtet. Dabei fällt auf: Ein tiefgreifendes Regularium scheint es auch außerhalb Europas kaum zu geben. Einige Staaten formulieren jedoch stringentere Anforderungen.

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China hat viele Richtlinien für Green Finance

So untermauert China zum Beispiel seine Dekarbonisierungspläne mit einer Vielzahl von Richtlinien. Wobei allerdings die Verbindlichkeit aus externer Sicht schwierig zu beurteilen und die Vergleichbarkeit mit der EU nur bedingt möglich ist. Grundsätzlich unterliegen chinesische Banken jedoch umfassenden Reporting-Auflagen, Umwelt- und Klimarisiken müssen in Stresstests einbezogen sowie ESG-Risikomanagement-Systeme stetig weiterentwickelt werden. 

Neue Regularien werden oft in Pilot-Regionen verprobt. Je nach ökonomischen Gegebenheiten liegen die Schwerpunkte zum Beispiel auf grünen Retail-Produkten oder auf KMU-Finanzierung. Der chinesische Ansatz folgt dabei einem sogenannten Reward-&-Penalty-System. So vergibt die Zentralbank Kredite mit vergünstigtem Zinssatz an Banken, sofern diese die Mittel zur Finanzierung grüner Projekte verwenden. Zudem werden Finanzinstitute bei der Ausgabe von Green Bonds teils direkt subventioniert. 

Demgegenüber stehen Sanktionen: Banken müssen die Umwelt-Performance ihrer Kreditantragsteller bewerten - mit sinkendem ESG-Score steigt der Zinssatz. Sind die Umweltverstöße zu verheerend, kann der Kredit gänzlich verweigert werden. Die Strategie scheint aufzugehen. Obwohl von staatlicher Seite ausgegebene Zahlen kritisch hinterfragt werden sollten, ist eines unstrittig: Die Volumina grüner Anleihen und Kredite sind in den letzten Jahren signifikant gestiegen.

Grüne Finanz-Initiativen in Bangladesch und Chile

In Bangladesch schreibt die Zentralbank seit 2016 vor, dass mindestens fünf Prozent der von ihr ausgegebenen Kreditsumme in grüne und 20 Prozent in nachhaltige Finanzierungen fließen müssen. Verstöße resultieren in einer Verschlechterung des aufsichtsbehördlichen und des Nachhaltigkeitsratings. Darüber hinaus setzt die Zentralbank (nicht-)finanzielle Anreize für die Entwicklung grüner oder sozialer Finanzinstrumente und publiziert die Top 10 der nachhaltigsten Banken auf ihrer Website. 2020 wurde außerdem die Sustainable Finance Policy verabschiedet, welche eine Taxonomie für verpflichtende ESG-Reportings beinhaltet.

In Chile war 2021 ein Drittel der ausstehenden Staatsanleihen den "Green, Social & Sustainability"-Kriterien der Climate Bond Initiative zuordenbar, womit es gegenwärtig das einzige Land ist, das Staatsanleihen aller drei Kategorien vorweisen kann. Zudem emittierte Chile 2022 die weltweit erste Staatsanleihe in Form eines Sustainability-Linked Bonds (SLB), also einer Anleihe, deren Kupon an die Erreichung definierter Nachhaltigkeits-KPIs gekoppelt ist. Basierend auf einem SLB-Framework beziehen sich die KPIs auf die Reduktion der absoluten CO2-Emission sowie den Ausbau erneuerbarer Energien. Investorenseitig besteht ein großes Interesse an derartigen Instrumenten. Die Emission war vierfach überzeichnet. 

Grüne Online-Banken bieten Ideen

Über regulatorische Initiativen hinaus lohnt auch ein internationaler Blick auf die Vorstöße privatwirtschaftlicher Institute. In den vergangenen Jahren gab es regen Zulauf im Markt nachhaltigkeitsorientierter Online-Banken - sowohl in den USA (etwa Aspiration oder Ando) als auch in der EU (Tomorrow in Deutschland, Banx in Belgien oder Flowe in Italien). Dabei liegt der Fokus meist auf Payment-Produkten für Privatkunden mit konsequent grüner Ausrichtung. 

So garantiert Ando, Kundeneinlagen ausschließlich zur Finanzierung von Projekten zu nutzen, die den Klimawandel aktiv bekämpfen, indem sie als Green Loans beispielsweise in erneuerbare Energien fließen. Über das Impact Center wird die Mittelverwendung offengelegt, jede Zahlung mit der Debit Card veranlasst zudem die Pflanzung eines Baumes. Neben Giro- und Sparkonto bietet Ando gemeinsam mit Partnern nach eigenen Angaben die weltweit ersten nachhaltigen Versicherungsprodukte an. 

Skandinavische Universalbanken als Vorreiter

Auch einige Universalbanken haben sich dem Thema ESG verschrieben. Hier lässt sich mit der Cultura Bank (Norwegen), der Eko Banken (Schweden) und der Merkur Andelskasse (Dänemark) eine Vorreiterrolle skandinavischer Institute erkennen, in Deutschland ist die GLS Bank zu nennen. 

Die Eko Banken bietet zum Beispiel ein breites grünes Produktspektrum. Angesichts der gegenwärtigen Energiekrise zeigt das sogenannte Support-Konto, dessen Einlagen genutzt werden, um Versorgungsunternehmen Zinsnachlässe einzuräumen, einen innovativen Lösungsansatz. Transparenz steht generell im Vordergrund: Alle finanzierten Projekte der Bank sind online einsehbar. Außerdem wird Kunden der privaten Baufinanzierung ein Nachhaltigkeitsrabatt auf grüne Bauvorhaben gewährt. 

Ausschluss von klimaschädlichem Geschäft

Ein solcher Zinsvorteil scheint sich auch bei klassischen Universalbanken durchzusetzen, wie die kürzliche Einführung ähnlicher Produkte bei der Commerzbank und der ING verdeutlicht. Andere Banken verfolgen eine Strategie des Ausschlusses von klimaschädlichem Geschäft. Die Bank Australia beispielsweise hat kürzlich verkündet, ab 2025 keine Neukredite für Autos mit Verbrennungsmotoren zu vergeben.

Eine frühzeitige Diffusion grüner Finanzprodukte in den Massenmarkt erscheint aus mindestens zwei Gründen sinnvoll: Erstens ist zu erwarten, dass die regulatorischen Stellschrauben in den kommenden Jahren angezogen werden. Zweitens bleibt die kundenseitig steigende Nachfrage nach grünen Bankprodukten aller Voraussicht nach ungebrochen.

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