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29.11.2016 | Bankstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Komfortzone war gestern, digitaler Wandel ist heute

Autor:
Henning Sander

Mann im Sessel mit Laptop ©   Trueffelpix / FotoliaBanken müssen sich der Herausforderung der Digitalisierung aktiv annehmen. Ein Ausharren oder Aussitzen der Problemfelder reicht nicht, meint Personalexperte Henning Sander.

Der digitale Wandel verändert gleichermaßen Branchen sowie Wertschöpfungsketten und personelle Strukturen in Unternehmen. Die damit einhergehenden technologischen Veränderungen werden vor allem für Kreditinstitute stetig komplexer. Um den höheren Erwartungen ihrer Kunden gerecht zu werden, müssen sie sich dem Wandel stellen. Vor allem im Zahlungsverkehr siedeln sich zunehmend junge Finanzechnologieunternehmen, die Fintechs, an und werden für Banken zur starken Konkurrenz.

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2016 | Buch

Digitalisierung der Finanzindustrie

Grundlagen der Fintech-Evolution

Dieses Buch bespricht eine Transformation im Bankensektor, die ähnlich tiefgreifend ist, wie einst die Industrialisierung in der Produktion physischer Güter.  

Disruptionen der Finanzbranche, die durch die Fintechs angestoßen wurden, rütteln an bewährten Geschäftsmodellen der Banken. Disruptives Denken und das Bewusstsein für die einhergehenden Veränderungen sollten daher der Kern der strategischen Agenda auf den Vorstandsebenen sein und Entscheidungsträger sollten Mut beweisen, um dem Wegbrechen von Umsätzen vorzubeugen. 

Geschäftsmodelle, die heute erfolgreich sind, gerade im Transaktionsbereich, werden künftig nicht mehr alleine von Banken übernommen werden."
Henning Sander, Hager Unternehmensberatung

Schlüsselkompetenzen der Mitarbeiter

Im Spannungsfeld von Regulierung und Innovationen ist die Liste der Aufgaben mit höchster Priorität sehr lang. Dabei sind vor allem die richtigen Mitarbeiter ein wesentlicher Faktor, um die Weichen für den digitalen Erfolg zu stellen. Passende digitale Talente gilt es nicht nur zu finden oder weiterzuentwickeln. Sie benötigen auch die erforderlichen Freiheitsgrade im Unternehmen, um mit Leidenschaft eine Extrameile zu gehen. Für Unternehmen im Finanzsektor ist es unabdingbar, sich technologisches und fachliches Know-how anzueignen und eine Unternehmenskultur zu etablieren, die diese Herausforderungen mitträgt und von der Managementebene konsequent vorgelebt wird.

Digitalisierung am Beispiel der Opel Bank

Ein Beispiel für den Digitalisierungskurs in Unternehmen ist die neue Opel Online Bank. Mit dem vor mehr als einem Jahr gestarteten Einlagengeschäft funktioniert sie überwiegend digital und ohne Filialen, wohingegen das Finanzierungsgeschäft über das Händlernetzwerk abgewickelt wird. Beide Bereiche erfahren durch die Digitalisierung und damit einhergehend einem deutlich veränderten Kundenverhalten und Ansprüchen einen starken Wandel.

Das Internet spielt eine Schlüsselrolle in den Verkaufs- und Serviceprozessen für Fahrzeuge. Die Opel Bank unterstützt die Handelspartner hier aktiv dabei, ihre digitalen Vertriebs- und Marketingkanäle auszubauen und erfolgreich zur Leadgenerierung zu nutzen. Der Endkunde erhält zum Beispiel über Webkalkulatoren schnell und unkompliziert Informationen, die er für seine Kaufentscheidung benötigt. Wie der aktuelle DAT-Report (Deutsche Automobil Treuhand GmbH) zeigt, gehören beim Fahrzeugkauf der Anschaffungspreis beziehungsweise die Rate der Autofinanzierung zu den Top-Kriterien. Durch attraktive Finanzierungs- und Leasingangebote kann die Opel Bank dem Kunden schon ganz am Anfang des Kaufprozesses Finanzierungsalternativen aufzeigen und damit die Entscheidung für ein Fahrzeug erleichtern.

"Die Digitalisierung stellte nicht nur an die Opel Bank als Ganzes, sondern an jeden einzelnen Mitarbeiter neue und erweiterte Anforderungen. Insbesondere eine hohe Lernbereitschaft beim Entdecken und Bewerten der Möglichkeiten und das Umsetzen von Initiativen waren erforderlich", sagt Jörg Ziesche, Senior Director und Prokurist der Opel Bank, unter anderem zuständig für Digitale Transformation.

Die Fähigkeit, effizient mehrere komplexe Themen im Rahmen des digitalen Wandels parallel umzusetzen, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Agile Arbeitsmethoden unterstützen die effiziente Zusammenarbeit und eine permanente Verbesserung. Schlüsselkompetenzen für Mitarbeiter und -teams im Finanzumfeld sind neben

  • bankfachlichen Kenntnissen,
  • hoher Kundenorientierung und
  • kommunikativen Fähigkeiten vor allem
  • ein technisches Grundverständnis und
  • Erfahrungen im Umgang mit Software und digitalen Prozessen in unterschiedlichen Unternehmensgrößen.

​Einige Finanzunternehmen holen sich innovative Freigeister an Bord, um sich den neuen Kundenbedürfnissen zu stellen. Jedoch sollte bedacht werden, dass nicht nur Innovation und Kreativität für eine erfolgreiche Umsetzung digitaler Transformationen im Bankenumfeld erforderlich sind. Gerade in der Finanzwelt gilt es, neben den offensichtlichen Skills auch die regulatorischen Anforderungen im Blick zu behalten und nicht alle bestehenden Prozesse und Lösungen vollständig zu verdrängen. Darüber hinaus müssen auch Querdenker einen angemessenen Grad an Anpassungsfähigkeit mitbringen, um sich in der Bankenumgebung wohlzufühlen. Disruptives Denken ist ein wichtiger Faktor, aber auch kulturelle Rahmenbedingungen haben einen hohen Stellenwert. Eine Herausforderung ist, neben dem hierarchischen Denken und der Beachtung der institutsspezifischen Traditionen auch mit Kommunikationsfähigkeit viele Bereichsebenen von Neuem zu begeistern und zu überzeugen.

Kandidaten im Bankenumfeld sollten zudem die Werte des Unternehmens kennen und die bestehenden Strukturen akzeptieren. Für die Führungsebene ist es vor allen Dingen wichtig zu beachten, dass die digitale Transformation eine grundlegende Veränderung in der Zusammenarbeit bedeutet, sowie einen Wandel in der Führung und die Entwicklung neuer Rollen und Aufgabenbereiche. Transparenz, Kommunikation und der Wille zur Veränderung sind wichtige Faktoren, um nicht neben den Mitarbeitern her zu transformieren. Denn den entscheidenden Unterschied in Unternehmen aller Branchen machen digital agierende Mitarbeiter – damit sind sie der Schlüssel zum Erfolg.

Wo Banken punkten können

Womit können Finanzinstitute gegenüber den Fintechs punkten, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben? Junge Finanztechnologieunternehmen bieten keine vollkommen neuen Produkte und Dienstleistungen an, sondern grenzen sich von klassischen Banken und Finanzdienstleistern dadurch ab, dass sie ihre Angebote und Services mit einer spürbar höheren Kundenorientierung anbieten. Deutsche Bank, Commerzbank, Hypovereinsbank und einige weitere große Institute nutzen Fintechs, um ihre eigene Digitalisierung voranzutreiben. Jedoch sind die Start-ups auch Mitbewerber im Kampf um passende Kandidaten. 

Finanzinstitute können Bewerber häufig mit ihrer Unternehmensmarke sowie der Unternehmensgröße überzeugen. Für viele Kandidaten sind auch eine solide Kundenbasis des Geldinstituts sowie ein vorzeigbares Employer Branding ein Beweggrund, um sich dort zu binden. Besonders Kandidaten, die Wert auf Sicherheit und Stabilität legen, zieht es eher zu einem großen Unternehmen im Bankenumfeld als zu einem Fintech-Start-up, das vielleicht morgen schon wieder vom Markt verdrängt ist.

Jedoch empfiehlt es sich, dass Vorstände sowie Personalabteilungen der Finanzunternehmen bei der Konzeption und Planung von Digitalisierungsstrategien und Projekten auch ihre Unternehmenskultur als Arbeitgeber hinterfragen. Dabei gilt es nicht nur ein Employer-Branding-Projekt oder Einzelmaßnahmen umzusetzen, sondern auch kulturelle Faktoren, beispielsweise flexible Arbeitszeitgestaltung, Home-Office-Regelungen, freier Internetzugang am Arbeitsplatz und viele weitere Rahmenbedingungen zu wandeln.

Fazit: Finanzinstitute müssen von der Produktsicht zur Kundensicht wechseln, denn Digitalisierung bedeutet nicht nur, eine App oder Facebook-Seite einzurichten. Für die erfolgreiche digitale Umsetzung ist es neben der richtigen Strategie auch notwendig, die geeigneten Mitarbeiter mit den passenden Schlüsselkompetenzen an Bord zu haben. Zudem müssen die unternehmerischen Rahmenbedingungen passen. Digitalisierung ist kein Thema, das an IT- oder Forschungs- und Entwicklungsabteilungen delegiert werden kann. Alle Mitarbeiter sind von Veränderungen in den eigenen Verantwortungsbereichen betroffen. Und letztendlich sind es alle engagierten Mitarbeiter eines Unternehmens, die den digitalen Wandel gemeinsam gestalten. 

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