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27.04.2015 | Bankstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Vierten Akt überlebt Deutsche Bank nicht

Autor:
Stefanie Burgmaier
2 Min. Lesedauer

Die Beziehung der Deutschen Bank zur Postbank ähnelt einer griechischen Tragödie. Warum das Bankhaus jetzt beim Abgang bleiben muss. Ein Kommentar.

Im ersten Akt 2004 prüfte die Deutsche Bank, während der Vorbereitungen zum Börsengang der Post-Tochter die Postbank zu übernehmen. Sie entschied sich dagegen, weil eine Zwei-Marken-Strategie nur schwer umsetzbar sei. Im zweiten Akt 2010 übernahm die Deutsche Bank die Postbank dann doch. Mit den stetigen Einnahmen der Postbank sollten die Erlöse des volatilen Investmentbankings stabilisiert werden. Von den Problemen einer Zwei-Marken-Strategie war plötzlich keine Rede mehr. Im dritten Akt 2015 trennt sich die Deutsche Bank nun wieder von der Mehrheit der Postbank. So soll Eigenkapital freigesetzt werden, das bislang für die Kredite der Postbank gebunden ist, und der Konzern insgesamt profitabler werden.

Auf der Suche nach Balance

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Bei der Betrachtung dieser Aufführung zeigt sich, dass die Deutsche Bank seit Jahrzehnten um die richtige Balance zwischen Investmentbanking und Privatkundengeschäft ringt. Der Prolog zur Postbank-Tragödie fand bereits im Jahr 2001 statt. Damals wurde nach der gescheiterten Fusion zwischen Deutscher und Dresdner Bank die Deutsche Bank 24 gestartet. Die Privatkundenbank sollte das Geschäft mit den weniger vermögenden Kunden voranbringen. Die Segmentierung der Kunden in zwei Klassen löste eine Protestwelle aus, das separierte Privatkundengeschäft wurde später wieder in die Bank integriert.

Es ist dem Management einer Bank nicht vorzuwerfen, dass es bei veränderten Bedingungen die Strategie überdenkt. Wenn aber innerhalb weniger Jahre von einem Extrem ins andere gefallen wird, ist schon die Frage erlaubt, auf welcher Grundlage eigentlich Unternehmenspläne entwickelt werden. Es bleibt zu hoffen, dass diesmal Vorstand und Aufsichtsrat lange genug nachgedacht und einen dauerhaften Umbau beschlossen haben. Einen vierten Akt, der bei schlichter Fortschreibung der vorangegangenen Postbank-Salti im Jahr 2019 stattfinden würde, dürfte die Deutsche Bank wohl kaum überleben. Und dann hätte Deutschland überhaupt kein Institut mehr, das global zumindest eine kleine Rolle spielt. Das darf nicht passieren.

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