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02.04.2020 | Bankstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Kommunen hadern mit digitalen Finanzierungsalternativen

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3:30 Min. Lesedauer

Bislang setzen Städte und Gemeinden bei der Kommunalfinanzierung vor allem auf regionale Institute, Förder- und Landesbanken. Doch Sparzwänge und die wirtschaftlichen Folgen von Corona könnten die digitale Finanzierung stärker in den Fokus rücken. 

Erst 26 Prozent der deutschen Kommunen haben schon einmal einen digitalen Marktplatz benutzt, um ihren Finanzbedarf zu decken. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie "Kommunal-Barometer 2020", für die das Fintech Commnex zusammen mit der TU Darmstadt über 300 Experten aus Kommunen, kommunalen Unternehmen und Finanzinstituten befragt hat. Höchste Priorität bei ihrer Entscheidung haben für die Kämmerer 

  • Transparenz und Unabhängigkeit (90 Prozent),
  • eine Vergleichbarkeit der Angebote (82 Prozent),
  • Datensicherheit (76 Prozent) sowie
  • bessere Konditionen (74 Prozent).

So zeigen sich auch 54 Prozent der Befragten eher nicht oder nicht offen für Finanzierungsalternativen. Das Gros der Gemeinden und kommunalen Unternehmen finanziert vor allem über Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Geschäfts-, Förder- oder Landesbanken. Denn 60 Prozent der Kämmerer legen Wert auf volle Einlagensicherung, 43 Prozent wollen ein deutsches Institut und 29 Prozent zudem noch einen regionalen Finanzierungspartner. Doch nicht nur der übliche Einspardruck bei den Kommunen, sondern auch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie könnten in Zukunft die Kämmerer zum Umdenken bewegen. So versprechen digitale Plattformen für die Kommunalfinanzierung unter anderem schnellere und kostengünstige Prozesse.

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Kommunen halten an etablierten Finanzierungspartnern fest

"Kämmereien sollten alle Möglichkeiten nutzen, um in der kommunalen Finanzierung so viel Transparenz und Vergleichbarkeit wie möglich zu erreichen", betont Dirk Schiereck. Der Professor der TU Darmstadt begleitet die Studie von wissenschaftlicher Seite. Er hält digitale Kreditmarktplätze für eine sinnvolle Ergänzung. So kennen auch 84 Prozent der kommunalen Finanzentscheider entsprechende digitale Plattformen im Netz. Und auch 62 Prozent der befragten Finanzinstitute hat bereits ein- oder mehrmals auf eine Ausschreibung einer Kommune oder eines kommunalen Unternehmens über einen digitalen Marktplatz Angebote abgegeben.

Allerdings setzen solche Finanzierungsprozesse ein entsprechendes digitales Niveau bei der Öffentlichen Hand selbst voraus. Doch bei der Umsetzung kommunaler Digitalisierungsstrategien hapert es, wie eine aktuelle Studie von Roland Berger für die Initiative "Stadt Land Digital" bestätigt. Dieser zufolge stehen 59 Prozent der Kommunen damit noch am Anfang. 34 Prozent sind mit der Umsetzung zumindest weit fortgeschritten. Fast fertig sind nur sieben Prozent und komplett umgesetzt hat noch keine Kommune ihre Digitalisierungsstrategie.

Größe und Struktur erschweren die kommunale Digitalisierung

Die Gründe für dieses Ergebnis liegen unter anderem in Größe, Struktur und Rahmenbedingungen der Gemeinden. Zu diesem Schluss kommt Andreas Lasar im Buchkapitel "Die Herausforderungen der Kommunen im Rahmen der Digitalisierung" (Seite 102 f.). "Es gibt einige wenige Großstädte, viele Klein- und Mittelstädte", führt der Autor aus. "Knapp 86 Prozent der Gemeinden in Deutschland haben weniger als 10.000 Einwohner. Die Kernverwaltungen in diesen kleineren Gemeinden weisen kaum mehr als 20 Mitarbeiter auf." Hier übernehmen wesentliche Aufgaben die Landkreise, denen die nicht kreisfreien Gemeinden räumlich und organisatorisch zugeordnet sind. Hinzu kommen unterschiedliche wirtschaftliche, demografische und soziale Strukturen.

"Dies hat Auswirkungen auf Problemlagen und Handlungsbedarfe, die eine individuelle Vorgehensweise auch im Rahmen der Digitalisierung erfordern. Föderalismus und kommunale Selbstverwaltung führen zu einem komplexen Entscheidungsrahmen", erklärt Lasar. "Es wird angenommen, dass die Digitalisierung in der Verwaltung langfristig die kommunalen Haushalte entlasten wird. Insbesondere wird weniger Personal benötigt mit der Folge, dass auch Sachkosten wie Arbeitsplatzausstattung und Gebäudekosten sinken", erläutert der Autor. Hierfür nötig seien aber Investitionen in die Infrastruktur, die IT-Ausstattung und in die Rekrutierung und Qualifizierung des Personals.

Digital-Know-how der Mitarbeiter noch lückenhaft

Hier zeigen sich laut Commnex-Befragung weitere Defizite: Nur ein Prozent der Befragten gibt dem Know-how der Mitarbeiter in der Finanzverwaltung die Schulnote eins. Eine zwei erhalten 35 Prozent. Mit der Schulnote drei werden 42 Prozent und mit einer vier immerhin 30 Prozent bewertet. So wundert es nicht, dass mit 59 Prozent die meisten Finanzausschreibungen über den Versand einer E-Mail erledigt werden. 33 Prozent der Mitarbeiter schicken hierfür ein Fax und 31 Prozent greifen zum Telefonhörer.  

Allerdings zeigt die aktuelle Krisenlage, wie digital Unternehmen und öffentliche Verwaltung agieren, wenn es erforderlich ist. Dies könnte nicht nur der Wirtschaft, sondern auch den Kommunen sowie den kommunalen Betrieben einen ungeahnten digitalen Schub geben – sowohl im Hinblick auf ihre technologische Infrastruktur als auch auf die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter.

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