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03.07.2015 | Bankvertrieb | Im Fokus | Onlineartikel

Das Girokonto reicht nicht mehr

Autor:
Christian Kemper
3 Min. Lesedauer

Retailbanken in Deutschland müssen Neugeschäft machen um ertragreich zu bleiben. Wie klassische Geldhäuser und innovative Spezialisten ihre Finanzdienstleistungen jetzt für Kunden schmackhafter machen.

Banken mit starkem Privatkundengeschäft haben mehr als ein Problem. Die andauernde Niedrigzinsphase lässt ihre Erträge sinken, gleichzeitig steigen die Kosten immer weiter. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte dies noch weitgehend abgefedert werden, ab 2015 soll das nicht mehr möglich sein. „Die Auswirkungen des niedrigen Zinsniveaus werden jetzt erst richtig spürbar“, warnt Stephan Bruhn, Vorstandsmitglied der Frankfurter Sparkasse, auf dem 13. Internationalen Retailbankentag. Vielfach seien die Margen schon bei Null. Speziell im Kreditgeschäft gebe es Institute, die Darlehen zu nicht mehr kostendeckenden Konditionen anbieten, bloß um Neugeschäft zu machen.

Schwache Erlöse erfordern radikale Schritte

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Neben den Minimargen belasten hohe Pensionsrückstellungen die Gewinn- und Verlustrechnung der Frankfurter Sparkasse. Mit rund 70 Filialen im Großraum Frankfurt am Main ist sie die viertgrößte Sparkasse in Deutschland und steht unter enormem Ertragsdruck. Sie wird daher die Zahl ihrer Geschäftsstellen erneut überprüfen müssen, kündigt Bruhn an. „Das tun wir seit zehn Jahren und das wird auch in Zukunft so weiter gehen“, erläutert der Vorstand. Erlösschwache Filialen sollen aber nicht einfach geschlossen werden. „Besser ist es, den Kundenströmen zu folgen“, erklärt er. Wie seine Sparkasse das bewerkstelligen kann, darüber denkt Bruhn derzeit noch nach. Was er aber schon weiß ist, dass „die Lösung in ihrer Umsetzung radikal werden muss“. Bei Standortschließungen müssen die Geldhäuser nicht zwangsläufig Mitarbeiter entlassen. "Umstrukturierung, veränderte Prozesse und Automatisierung könnten reichen", berichtet der Journalist Stefan Terliesner im Bankmagazin (Ausgabe 6/2015).

Partnerschaft von Bank und Kunde

Auch Eva Wunsch-Weber, die Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank, kündigt auf dem Retailbankentag ökonomische Konsequenzen aus der Niedrigzinsphase an. Doch statt eines radikalen Umbruchs setzt die Volksbankerin auf eine permanente Veränderung in ihren Instituten. Die mitgliederstärkste Volksbank in der Bundesrepublik setzt auf ein Lebenspartnerschaftsmodell, um Bestandskunden zu halten und neue Kunden zu gewinnen. Der Grundgedanke: Kunden sollen mit ihrer Bank künftig in einer Netzwerk-Beziehung stehen – „so wie bei Facebook“, beschreibt Wunsch-Weber. Dazu werde ihr Institut zuerst die Schnittstelle zwischen dem Internetauftritt der Frankfurter Volksbank und den Bankberatern optimieren. Am .1 August 2015 steht daher ein Homepage-Relaunch der Frankfurter Volksbank an. „Eine Bank muss heute da sein, wo der Kunde ist“, sagt sie. Und das sei eben im Internet. Gerade in den digital-affinen Altersgruppen zwischen 21 und 40 Jahren könne ihre Volksbank Neukunden gewinnen. Klassische Bankdienstleistungen scheinen dabei aber weniger eine Rolle zu spielen. „Der Glaubenssatz stimmt nicht mehr, dass wer das Girokonto hat, den Kunden hat“, konstatiert sie.

Schluss mit klassischem Banking

Vom Girokonto längst verabschiedet hat sich Christian Polenz, Vorstandsmitglied der Teambank. Mit der Marke easycredit ist sein Institut Kooperationspartner und Lösungsanbieter im Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken. Seit 2007 gibt es kein Girokonto mehr bei easycredit, stattdessen steht das Kreditgeschäft mit Privatkunden im Vordergrund, mit aktuell rund 19 Prozent Marktanteil in Deutschland. „Der Wandel hat sich gelohnt", sagt Polenz. Für ihn ist die einzige Konstante im Bankgeschäft der Kunde. "Seine Perspektive müssen wir einnehmen", rät er. Damit seine Finanzdienstleistungen auch in Zukunft nachgefragt werden, setzt Polenz auf eine "Kunden-orientierte Koexistenz zwischen klassischem Bankgeschäft und Digitalisierung".

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