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31.07.2014 | Bankvertrieb | Im Fokus | Onlineartikel

Was das Gesetz für Honorarberatung bringt

Autor:
Bianca Baulig
2:30 Min. Lesedauer

Zum Stichtag 1. August wird das Honoraranlageberatungsgesetz in Deutschland Realität. Welche Kriterien per Definition echte Honorarberater erfüllen müssen und was die Kreditwirtschaft sagt.

Nun ist es soweit: Das "Gesetz zur Förderung und Regulierung einer Honorarberatung über Finanzinstrumente" ist in Kraft getreten. Damit sind Anlageberater künftig verpflichtet, ihre Kunden bei Beginn des Gesprächs darüber zu informieren, ob die Beratung als Honoraranlageberatung erbracht wird. Ziel des Gesetzes ist es, die Transparenz für den Kunden erhöhen. Er soll bewusst zwischen der Beratung auf Provisions- und Honorarbasis wählen. Im Vorfeld hatte es viele Diskussionen um die Gestaltung des Gesetzes und die Zukunft der Provisionsberatung gegeben.

Zusätzlich hatte sich die europäische Wertpapieraufsicht ESMA kurz vor dem Start mit dem Vorschlag gemeldet, Provisionen nur noch zu erlauben, wenn sie nachweislich dem Wohl des Kunden dienen. Zwischenzeitlich ruderte die ESMA aber in dieser Frage nach Medienberichten etwas zurück.

DK kritisiert Sonderbehandlung

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Während sich Verfechter der Honorarberatung wie die Quirin Bank über die zum 1. August eingetretenen Änderungen freuen, sind andere Akteure der Finanzwirtschaft zurückhaltender. Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK), die die Interessen der großen Bankenverbände in Deutschlandvertritt, begrüßt das Gesetz zwar grundsätzlich. In einer Stellungnahme kritisiert sie jedoch, dass im Gesetz nicht vorgesehen ist, "auch die (freien) Honorar-Finanzanlageberater der Aufsicht der Bafin zu unterstellen". Wie Bankmagazin-Autorin Elke Pohl im Beitrag "Wie viel Kontrolle ist nötig" schreibt, sprechen Kritiker den Gewerbeämtern vor allem die fachliche Kompetenz ab. Ihr Horizont beschränke sich "auf Angelegenheiten ihrer Gemeinden".

Die wichtigsten Vorschriften für Honorarberatung im Überblick
Falls ein Wertpapierdienstleister nicht ausschließlich Honoraranlageberatung erbringt, ist er laut Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) verpflichtet, die Honoraranlageberatung innerhalb der Organisation strikt von der herkömmlichen Anlageberatung zu trennen.
Wird die Anlageberatung nicht als Honoraranlageberatung erbracht, ist der Kunde darüber zu informieren, ob im Zusammenhang mit der Anlageberatung Zuwendungen von Dritten angenommen und behalten werden dürfen.
Der Honoraranlageberater darf sich allein durch den Kunden vergüten lassen. Provisionen oder andere monetäre Zuwendungen dürfen nur ausnahmsweise angenommen werden, wenn das empfohlene Finanzinstrument nicht ohne Zuwendung vom Emittenten oder Anbieter erhältlich ist. Diese Zuwendungen sind aber unverzüglich nach Erhalt und ungemindert an den Kunden zu erstatten.
Der Honoraranlageberater muss seine Empfehlung auf einen hinreichenden Marktüberblick gründen. Zudem muss die Angebotspalette auch hinsichtlich der Anbieter und Emittenten der Finanzinstrumente hinreichend gestreut sein. Das heißt, der Honoraranlageberater darf nicht nur auf eigene Finanzinstrumente, Finanzinstrumente aus seinem Konzern oder von Anbietern oder Emittenten zurückgreifen, die ihm nahestehen. Er muss sich am Markt an einer breiten Produktpalette orientieren, über eine bestehende Nähe ist aufzuklären.
Da es sich bei der Honoraranlageberatung um einen gesetzlich geschützten Begriff handelt, dürfen Institute ihre Dienstleistung nur dann als Honoraranlageberatung bezeichnen, wenn sie bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in das Honorar-Anlageberaterregister eingetragen sind. Anleger können das Register auf der Internetseite der Bafin einsehen.

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