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09.02.2018 | Bankvertrieb | Im Fokus | Onlineartikel

Passive Revolution erreicht den Filialvertrieb

Autor:
Stefan Terliesner

Allen Gegenargumenten zum Trotz wächst der Markt für börsengehandelte Indexfonds stark. Deshalb schließen immer mehr Banken ihren Frieden mit ETFs. Verbundinstitute geraten dadurch jedoch unter Druck.

Früher oder später können Filialbanken vor dem Kürzel ETF nicht mehr die Augen verschließen. Die Deutsche Bank und die Commerzbank setzen offensiv auf Exchange Traded Funds (ETFs) im stationären Vertrieb. Und auch das größte genossenschaftliche Institut, die Deutsche Ärzte- und Apothekerbank (Apobank) ebnet ihrer Klientel den Weg zu ETFs. Die drei Geldhäuser legen ihren Kunden nahe, die preisgünstigen Passivprodukte verstärkt als Baustein in ihrem Kapitalanlageportfolio einzusetzen – gerne in Form einer aktiven Vermögensverwaltung. Und wo Kunden eine Beratung wünschen, verlangen die Institute in der Regel "eine Beratungspauschale, die sich auf den Depotwert bezieht“, hat Oliver Mihm, Vorstandschef der Managementberatung Investors Marketing festgestellt. Auch die Targobank biete solche Modelle mittlerweile an.

All das könnte Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen unter Druck setzen, ihre Filialen für den aktiven Vertrieb börsengehandelter Indexfonds zu öffnen. Ob ein massiver Einsatz von ETFs den Gleichlauf an den Märkten verstärkt und daher ein Risiko für die Finanzstabilität ist, ist ein anderes Thema.

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Die Hinwendung von Filialinstituten zu ETFs überrascht nicht. Erstens müssen fortan die Provisionen der teuren, weil aktiv verwalteten Investmentfonds offengelegt werden, was Bankberater vor Ort gegenüber ihren Kunden zuweilen in Erklärungsnot bringt. Und zweitens entfaltet der ETF-Markt selbst eine starke Anziehungskraft. Medien berichten über den Boom, der weiteres Kapital anlockt. So erreichte das verwaltete Vermögen des europäischen Marktes für diese Anlageklasse Ende 2017 ein Volumen von 635 Milliarden Euro. Laut Angaben von Thomas Meyer zu Drewer, Head of Comstage ETF, einer Tochtergesellschaft der Commerzbank, "entfällt davon ein Anteil von 80 bis 85 Prozent auf institutionelle Investoren. Doch entdecken immer mehr Privatanleger ETF und deren Vorzüge bei der Geldanlage“.

Die nachstehende Grafik zeigt das verwaltete Vermögen des europäischen ETF-Marktes in Milliarden Euro jeweils zum Jahresende

2008200920102011201220132014201520162017
101158212208254288363451516635

Quelle: Lyxor International Asset Management

Mehrere Varianten im Angebot

Inga Krzeczkowska, Leiterin Analytics & Engineering bei der Apobank, wirbt für die Lösung apoVV Smart. Die sei eine aktiv gemanagte Vermögensverwaltung ab 50.000 Euro Anlagesumme, bei der "fast ausschließlich in ETFs investiert wird“. Aus dem großen Universum an verfügbaren ETFs würden diejenigen ausgesucht, die optimal die Asset-Allokation abbilden. Eine andere Variante sei das Apo Multi Asset Mandat, ein global anlegender Dachfonds, der über einen Wertsicherungsmechanismus verfüge und sich aus Aktien- und Anleihe-ETFs zusammensetze.

Die Deutsche Bank bietet nach Angaben einer Sprecherin ETFs in verschiedenen Beratungs- und Dienstleistungsmodellen sowie Produkten an, unter anderem im Rahmen des DB Privat Mandat Aktiv, als ETF-Dachfondsprodukte oder in der digitalen Vermögensverwaltung. Trotz der niedrigen Produktgebühren sei das ETF-Geschäft für die Bank "schon jetzt wirtschaftlich attraktiv. Und durch die steigenden verwalteten Volumina in unseren ETFs steigt die Attraktivität weiter.“ Für Anleger ebenfalls relevante Kriterien seien 

  • eine genaue Indexabbildung, 
  • hohe Liquidität und 
  • eine Produktpalette, mit denen die Anlageziele erreicht werden können.

Kooperation mit Blackrock

Für Aufsehen sorgt derzeit die Commerzbank. Unter dem Namen "IndexInvest" und in Kooperation mit Blackrock baut das Geldhaus sein ETF-Privatkundengeschäft aus. "Bisher gab es ETFs für Kunden mit einem Premiumdepot, das mit einem Pauschalentgelt vergütet wird, im Rahmen der Vermögensverwaltung, sowie beratungsfrei für Selbstentscheider in den Filialen oder online“, erklärt eine Sprecherin des Instituts gegenüber Springer Professional. Neu sei das Angebot mit Blackrock, zu dem der ETF-Anbieter iShares gehört. Die aktiv gemanagten Multi-Asset-Dachfonds gebe es in vier Strategievarianten, die allesamt ausschließlich in ETF und Indexfonds investieren. Die Unterscheidung zwischen ETF und Indexfonds irritiert allerdings. Dazu sagte die Sprecherin: "Es gibt kein fest vorgegebenes Verhältnis von ETFs und Indexfonds“. Derzeit bestehe das Anlageuniversum zu 92 Prozent aus ETFs und zu acht Prozent aus Indexfonds. Blackrock entscheide über die Relation. Ab Februar soll es möglich sein, dass Berater und Kunden die aktuelle Portfoliogewichtung online einsehen können.

Auch bei Robo Advisory-Angeboten werden vielfach ETFs eingesetzt. "Der Einstieg erfolgt hier auf Basis einfacher, standardisierter Fragen unter anderem zur finanziellen Situation, zur Risikoneigung oder zur Laufzeit", erklärt Springer-Autor Jörg Arnold in dem Buchkapitel "Das Kapitalmarktgeschäft in der Digitalisierung" des "Handbuchs Digital Banking" (Seite 272). Hieraus wird dann laut Arnold ein konkreter Vorschlag für die Kapitalanlage ermittelt, der häufig auf ETFs basiert.

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