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16.07.2013 | Bankvertrieb | Interview | Onlineartikel

"Nur wer sich fokussiert, wird überleben"

Autor:
Anja Kühner

Lars Thomsen, der Gründer und Chief Futurist von Future Matters aus Zürich, zählt zu den wichtigsten Zukunftsexperten Europas. Mit Springer für Professionals sprach er über Werteorientierung und erklärt, warum neue Wettbewerber Vorteile im Vergleich zu den Banken haben.

Springer für Professionals: Wird es in der Zukunft überhaupt noch Banken geben?

Thomsen: Früher waren Banken der einzige Weg zur Finanzierung, beispielsweise der Firma oder des Eigenheims. Durch zunehmende Transparenz und soziale Netzwerke ändert sich das jetzt: Künftig wird reine Finanzierung auch auf Sourcing-Plattformen stattfinden, zum Beispiel im Rahmen von Crowdfunding. Um dauerhaft zu überleben, muss eine Bank neue Mehrwerte für den Kunden bieten. Sie muss ihn aktiv begleiten bei seinen Investitionsentscheidungen, ihn bei der Vernetzung von Finanzpartnern durch ihr Netzwerk unterstützen. Ein Banker muss künftig noch mehr verstehen von den Menschen und Unternehmen, die er betreut. Das Wissen um Geld und Produkte reicht nicht mehr aus. Die Rolle der Bank muss folglich neu definiert werden.

Über Smartphone-Banking und Finanz-Communities redet heute schon jeder … Was tut sich abseits von technischen Neuerungen?

Der interessanteste Trend ist derzeit die neue Suche nach dem Sinn des Geldes. Immer mehr Menschen kommt es auch beim Geld nicht mehr auf das letzte Prozent Rendite an, sondern auf das gute Gefühl bei der Geldanlage. Das ist natürlich auch eine Folge des allgemeinen Vertrauensverlustes in die Finanzbranche. Weil es überschaubarer ist, wird auch das lokale Element und Engagement wieder an Gewicht gewinnen. Es wird quasi ein Gegengewicht zur globalen Cyberwelt bilden. Das Leben spielt sich für die meisten Privatkunden vor Ort ab und kann nicht durch Virtuelles ersetzt werden.

Es geht also noch immer darum, Vertrauen zurückzugewinnen?

Ohne Vertrauen geht gar nichts – und das nicht nur im Finanzbereich. Videoberatung wird sich nur durchsetzen, wenn vorher eine vertrauensvolle Beziehung zwischen der Bank und dem Kunden aufgebaut wurde. Nur wenn das Institut Vertrauen genießt, kann es langfristig auf virtuellen Kanälen erfolgreich sein. In den kommenden zehn Jahren werden wir allerdings neue Player im Finanzmarkt sehen, die aus Branchen kommen, die nie eine Vertrauenskrise hatten. Aus dem Einzelhandel beispielsweise, so wie Amazon. Oder aus dem IT-Bereich wie Apple, Google, Microsoft oder Facebook. Wenn diese Player sich entscheiden, in Teile des Bankings einzusteigen, dann wird die heutige Finanzwelt ganz schön durchgerüttelt.

Was macht sie so sicher, dass diese branchenfremden Unternehmen auch Banking beherrschen werden?

Aus anderen Branchen stammende Unternehmen verfügen oft über ein großes Wissen über ihre Kunden, deren Situationen und Bedürfnisse und deren Bonität. Sie haben Informationen über Kaufgewohnheiten und im Laufe der Jahre bereits riesige Datenmengen gesammelt. Diese werden ihnen die Möglichkeiten eröffnen, bankenähnliche Produkte und Dienstleistungen anzubieten.

Was raten Sie Banken, um sich zukunftsfähig aufzustellen?

Als Wichtigstes muss sich das Geldinstitut Gedanken darüber machen, für welche Werte es steht. Sind es die guten Konditionen? Ist es die lokale Expertise? Oder ist es die Branchenkenntnis ihrer Kunden? Nur wer sich fokussiert, wird dauerhaft überleben, denn die „Wischi-Waschi-Mitte“ ist austauschbar.

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