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11.02.2015 | Basel III | Im Fokus | Onlineartikel

Nicht trennen, was zusammen gehört

2:30 Min. Lesedauer

Im Zuge der Finanzkrise sind die Forderungen nach einer drastischen Regulierung des Bankensektors immer lauter geworden, zum Teil mit einem berechtigtem Hintergrund. Ein Gastkommentar.

Eine der öffentlichkeitswirksam vorgetragenen Forderungen, die Aufspaltung von Universalbanken in Geschäfts- und Investmentbanken, ist mittlerweile im so genannten Trennbankengesetz verabschiedet. Welche Folgen hat dieses Gesetz für die Bankenlandschaft und für die Kunden? Zumeist negative! Beginnen wir bei den Banken. Diese müssen ihre langjährig gewachsene Universalbankstruktur auflösen und zwei unabhängige Strukturen etablieren. Dies dürfte immer mit Reibungsverlusten verbunden sein und führt im internationalen Vergleich unweigerlich zu einer zumindest temporären Schwächung der einheimischen Institute. Zudem bedeuten die doppelten Strukturen höhere Kosten; insbesondere die Refinanzierungskosten der Investmentbanken werden steigen.

Schlechtere Konditionen für Kunden

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Letztlich werden die gestiegenen Kosten durch höhere Gebühren oder schlechtere Konditionen von den Kunden getragen werden müssen. Zudem erhöht die Trennung der Sparten die Krisenanfälligkeit der Banken, da ein möglicherweise hilfreicher Ausgleich zwischen den beiden Sparten nicht mehr ohne weiteres möglich sein wird. Eine Universalbank hat zudem bessere Möglichkeiten, ihr Kapital in den Bereichen zu verwenden, die, insgesamt betrachtet, den größten unternehmerischen Erfolg versprechen.

Bankinnovationen nutzen den Kunden

Innovationen können in einer Universalbank zum Nutzen des Kunden zwischen den einzelnen Bereichen transferiert werden. Aus Kundensicht hat eine Universalbank außerdem zahlreiche weitere Vorteile. Denn die Hausbank bietet ihren Kunden ein breites Dienstleistungspaket und kann diesen aufgrund der umfassenden Kundenkenntnis individuelle Lösungen anbieten, die auf ihre Gesamtsituation angepasst sind. Insbesondere große, international tätige Unternehmen benötigen als Partner Banken, die ebenso inhaltlich und geografisch breit aufgestellt sind wie sie selbst.

Die Umsetzung des Trennbankengesetzes durch die Festlegung von Schwellenwerten der Investmentaktivitäten, ab denen sich die Institute aufspalten müssen, erzeugt ein weiteres Problem. Banken könnten versucht sein, noch knapp unterhalb des Schwellenwertes zu bleiben, aber durch Steigerung des Risikos ihrer Aktivitäten einen Ertrag zu erzielen, den sie sonst nur bei einem Investmentanteil oberhalb des Schwellenwertes erreicht hätten. Der häufig angebrachte Verweis auf die USA und das dort etablierte Trennbanksystem ist seit der Aufhebung des Glass-Stegall Act von 1933 durch den Gramm-Leach-Bliley Act im Jahr 1999 hinfällig, denn dies geschah insbesondere in Anbetracht der offenkundigen Schwächen des Trennbankensystems.

Sollte man also weitermachen wie bisher? Nein, aber populärer Aktionismus ist nicht hilfreich. Alternativen, zum Beispiel in Form einer Anpassung der Kernkapitalquoten an das Investmentgeschäft der Banken – sind zu diskutieren und erscheinen als die besseren Lösungsansätze.

Zur Person

Professor Dr. Markus Hehn ist Inhaber des Lehrstuhls für Finanz- und Anlagemanagement an der Europäischen Fachhochschule (EUFH) in Brühl. Vor seiner Berufung war er lange Jahre in leitenden Positionen unter anderem bei der DZ BANK AG, Frankfurt und Deloitte Tax & Consulting, Luxemburg tätig.

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