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17.10.2017 | Basel III | Nachricht | Onlineartikel

Neue Regeln für faule Kredite kommen voran

Autor:
Barbara Bocks

Europäische Geldhäuser müssen neben den Vorschlägen für Kreditregeln auch noch mit einige anderen Überraschungen rechnen. Wie der aktuelle Stand unter anderem bei den weltweiten Basel-III-Verhandlungen ist.

Die neuen Richtlinien der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Umgang mit notleidenden Krediten sehen vor, dass Geldhäuser ab dem kommenden Jahr faule Kredite schrittweise über Rückstellungen und innerhalb von maximal sieben Jahren abdecken müssen. Laut Nachrichtenagentur Reuters laufen die Konsultationen dazu noch bis zum 8. Dezember 2017.

Doch gerade in Italien, dem Land mit dem höchsten Anteil an notleidenden Krediten im Euroraum, kommen diese Neuigkeiten nicht gut an. Antonio Tajani, Präsident des Europäischen Parlaments, wandte sich in einem Brief, den Reuters einsehen konnte, mit folgenden Worten an Mario Draghi: "Ich möchte Sie dringend dazu auffordern, alle Schritte zu unternehmen, um sicherzustellen, dass Vorrechte des Parlaments als Mitgesetzgeber ordnungsgemäß respektiert werden". Italienische Experten befürchten nun, dass die dortigen Kreditinstitute wegen der neuen Regelungen noch eine größere Anzahl an Darlehen abschreiben müssen, was sich negativ auf die Wirtschaft auswirken könnte. Selbst die Notenbank Banca d'Italia hofft laut Reuters, dass die neuen Regeln noch aufgeweicht werden.

Weltweite Basel III-Einigung in Sichtweite

Erneut Bewegung kommt auch in die weltweiten Verhandlungen um die Eigenkapitalregeln nach Basel III. Verhandlungsführer im Basler Ausschuss für Bankenaufsicht haben laut einer Bloomberg-Meldung basierend auf Insiderberichten vergangene Woche einen Plan ausgearbeitet, um nach jahrelangen Verhandlungen bald die internationalen Basel III-Standards festzulegen.

Bisher war die Messgröße strittig, mit der Kreditinstitute ihren Kapitalbedarf durch die Messung des Aktiva-Risikos mit ihren eigenen statistischen Modellen steuern können. Andreas Dombret, Vorstand der Deutschen Bundesbank, hatte laut dem Nachrichtenanbieter Bloomberg am 9. Oktober 2017 bestätigt, dass die Gespräche einer Einigung immer näher kommen. Europa drängt laut dem Medienbericht auf 70 Prozent, das mit einer von den Aufsichtsbehörden festgelegten Standardformel erzielt wird. Die USA plädieren für 75 Prozent. Geeinigt haben sollen sich die Beteiligten auf eine Grenze von 72,5 Prozent.

Langfristige Firmenkredite könnten benachteiligt werden

Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), sieht eine mögliche Einigung auf eine Grenze von 72,5 Prozent kritisch. Das betonte er bei einer Pressekonferenz in Washington anlässlich der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Denn aus der Sicht des Sparkassen-Präsidenten würden mit dieser Regelung "langfristige Unternehmenskredite und Kreditvergaben an Mittelstand und Handwerk, so wie wir sie Deutschland und in Europa kennen, erschwert". Die vergleichsweise geringen Risiken von Immobilien- und Unternehmensfinanzierungen würden in den neuen Baseler Ansätzen überzeichnet. Diesen Mangel können aus Fahrenschons Sicht auch Übergangsfristen nicht wettmachen.

Auch Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), hält nicht viel von Übergangsregelungen. Diese würden nur wenig Nutzen entfalten. Das hätten die Erfahrungen der vergangenen Jahre gezeigt: "Aufgrund der Erwartungen von Marktteilnehmern sind die Institute faktisch gezwungen, die höheren Anforderungen bereits zu Beginn einer Übergangsphase zu erfüllen", so Kemmer weiter. Er hält aber weiterhin eine internationale Regelung für erstrebenswert. Klar ist Kemmer zufolge aber auch: "Wettbewerbsnachteile deutscher wie europäischer Banken dürfen nicht das Ergebnis der Verhandlungen sein".

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