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11.02.2020 | Batterie | Im Fokus | Onlineartikel

Transparenz der CO2-Emissionen in Batteriezellen-Lieferkette

Autor:
Christoph Berger
3:30 Min. Lesedauer

Mercedes-Benz führt zusammen mit Partnern ein Pilotprojekt durch, um die CO2-Emissionen in der Kobaltlieferkette transparent zu machen. Geschehen soll dies durch den Einsatz der Blockchain-Technologie.

In 20 Jahren will der Automobilhersteller Mercedes-Benz seine Pkw-Neuwagenflotte CO2-neutral produzieren. Außerdem will man in Stuttgart langfristig sämtliche Stoffkreisläufe schließen. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es einerseits Kenntnisse über alle klimarelevanten Prozesse, die mit der gesamten Wertschöpfungskette der Fahrzeuge einhergehen, andererseits gilt es, Partner und Lieferanten auf diesem Weg einzubeziehen.

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So hat das Unternehmen Ende Januar 2020 ein Pilotprojekt angekündigt, in dem man sich zusammen mit einem Batteriezellenhersteller und einem auf die Blockchain-Technologie spezialisierten Start-up auf Kobalt konzentriert, das aus Recyclinganlagen in die Lieferkette gelangt. "Lithium-Ionen-Batteriesysteme enthalten als seltene Elemente unter anderem Kobalt, Nickel und Lithium", heißt es demnach auch im Kapitel "Ökobilanzierung von alternativen Antrieben" des Springer-Fachbuchs "Fahrzeugantriebe für die Elektromobilität". Und das derartig genutzte Rohstoffe von zentraler Bedeutung für die Ökobilanzierung von Pkws sind, erklärt Danny Kreyenberg im selben Kapitel.

Ersatz durch umweltfreundlichere und sichere Materialien

Dabei sind es nicht nur die CO2-Emissionen, die eine Reduzierung des eisenmagntischen Materials für Automobilhersteller beziehungsweise die Hersteller von Batteriezellen so interessant machen. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI hat für die zukünftige Entwicklung der europäischen Wirtschaft notwendige Metalle identifiziert, für die es ein erhöhtes Versorgungsrisiko gibt (=kritische Metalle), wie im Kapitel "Mehr Effzienz allein reicht nicht" des Springer-Fachbuchs "Kreislaufwirtschaft in der EU" beschrieben wird. Darunter würden Seltene Erden, Platin, Niob, Magnesium, Antimon, Gallium, Indium, Wolfram, Beryllium, Tantal und Kobalt fallen. Und Professor Dr. Uwe Dieter Grebe, Geschäftsführer Global Business Development, Sales and International Operations, Antriebssysteme der AVL List GmbH in Graz, weißt in einem Interview mit der Springer-Fachzeitschrift "MTZ - Motortechnische Zeitschrift" (Ausgabe 2/2020) darauf hin, dass der Batterie-Rohstoffmarkt seine eigenen Gesetze hat und einer gewissen politischen Willkür ausgesetzt ist. Gleichwohl sagt er auch: "Auch hier gilt es, so konsequent wie möglich an Verbesserungen und Alternativen zu arbeiten, sei es an der bereits bemerkenswerten Reduzierung von Kobalt in Zellen, dem dortigen Ersatz durch umweltfreundlichere und sichere Materialien." Eine Herausforderung, die ebenso vom ISI benannt wird, das drei Strategien zur Abfallvermeidung identifiziert hat: Entwicklung von zukunftsfähigen Produkten/Dienstleistungen,

  1. die mit wenigen kritischen Metallen auskommen,
  2. die langlebig sind und 
  3. mit denen ein Recycling der kritischen Metalle leicht und effizient möglich ist.

Blockchain bildet den Materialfluss ab

Genau dafür hat man sich bei Mercedes Benz neben dem Batteriezellenhersteller auch den Blockchain-Spezialisten Circulor ins Boot geholt. Ein Blockchain-basiertes System soll den Produktionsfluss der Materialien abbilden sowie den CO2-Ausstoß, der damit einhergeht. Um die Stoffkreisläufe zu schließen wird mit der Abbildung des Materialflusses zudem der Anteil an recyceltem Material in der Lieferkette erfasst. Und schließlich zeigt das Netzwerk noch an, ob die Nachhaltigkeitsanforderungen von Daimler in Bezug auf Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Umweltschutz, Sicherheit, Geschäftsethik und Compliance an alle beteiligten Unternehmen weitergegeben werden, heißt es. An ähnlichen Systemen arbeiten übrigens auch andere Automobilhersteller, die dabei ebenfalls auf die Blockchain-Technologie setzen: Volvo setzt Blockchain-Technik ein, um die Lieferkette für Rohstoffe transparent zu machen, auch dort soll das in Batterien für Elektrofahrzeuge genutzte Kobalt zurückverfolgt werden können; bei Volkswagen laufen mehrere Pilotprojekte, um die Materialherkunft von Gütern exakt zu identifizieren und bei erkannten Risiken Maßnahmen anstoßen zu können. 

Der Vorteil der Blockchain liegt unter anderem darin, dass sie digitale Datensätze durch Kodierungen miteinander verbindet und sich nicht unbemerkt verändern lässt – alle Teilnehmer der Lieferkette können die Integration, Weitergabe und Bestätigung von Informationen jederzeit nachvollziehen. Wobei vertrauliche Informationen geschützt bleiben. Da die Lieferkette in der Batterieherstellung äußert komplex und zugleich hochdynamisch sei, spiele die Blockchain hier eine besondere Relevanz, heißt es bei Mercedes Benz.

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