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11.10.2019 | Bau-Software | Im Fokus | Onlineartikel

Automatisiertes Zahlungsmanagement für den Bau

Autor:
Christoph Berger

In Bauprojekten sind komplexe Vertragskonstellationen aufgrund der vielen Projektbeteiligten die Regel. Ebenso daraus resultierende Zahlungsverzögerungen nach erbrachter Leistung. Smart Contracts sollen das ändern.

Ein Smart Contract definiert sich laut den Erläuterungen von Jennifer Li, David Greenwood und Mohamad Kassem im Kapitel "Blockchain in the Construction Sector: A Socio-technical Systems Framework for the Construction Industry" des Springer-Fachbuchs "Advances in Informatics and Computing in Civil and Construction Engineering" als ein computergestütztes Transaktionsprotokoll, das die Bedingungen eines Vertrages ausführt. Oder anders, wie von Andreas Moring, Lukas Maiwald und Timo Kewitz im Kapitel "Digitalisierung der Projektentwicklung im Bau- und Immobiliensektor" des Springer-Fachbuchs "Bits and Bricks: Digitalisierung von Geschäftsmodellen in der Immobilienbranche", beschrieben: "Smart Contracts sind internetbasierte Verträge, deren Vertragsbedingungen mittels einer Programmiersprache festgelegt werden. Nachdem der Vertrag abgeschlossen wurde, prüft er fortlaufend und selbstständig, ob eine der vorher definierten Vertragsbedingungen eingetreten ist. Sobald dies der Fall ist, erfüllt er den anderen Teil automatisch." Dadurch verspreche man sich schnelle und kosteneffiziente Verträge, die zudem einen deutlichen Mehrwert an Rechtssicherheit gewähren würden, schreiben die Autoren weiter. Zudem könnten auch mehrere Smart Contracts zusammengefasst werden, sodass sie sich gegenseitig bedingen oder ausschließen. Prinzipiell könnte so ein komplett autonom handelndes dezentrales Unternehmen entstehen.

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An der Entwicklung eines solchen automatischen Zahlungsmanagements für die Baubranche wird auch im vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Verbundprojekt "BIM contracts" gearbeitet, dessen Basis sowohl digitale Bauwerksmodelle, also BIM, als auch die Blockchain-Technologie bilden sollen. Unter der Leitung des IT-Dienstleisters Adesso arbeiten der Lehrstuhl für Informatik im Bauwesen der Ruhr-Universität Bochum sowie das Softwaretechnik-Institut Paluno an der Universität Duisburg-Essen daran, alle beteiligten Akteure zum Teil der Blockchain zu machen. Auch die Freundlieb Bauunternehmung sowie die Rechtsanwälte Kapellmann und Partner sind an dem Projekt beteiligt.

Unmittelbare Zahlung nach erbrachter Leistung

Vom Prozess her wird dabei die gesamte Transaktionskette digital abgebildet, wobei einzelne hintereinander hängende Blöcke den einzelnen Transaktionen entsprechen. Jede dieser Transaktionen ist durch einen Smart Contract geregelt, in dem die zu erbringenden Leistungen der jeweiligen Akteure festgehalten sind, um schließlich ihr Geld zu erhalten. Die Akteure sind über eine ID in dem digitalen System registriert und bestätigen über ein Mobilgerät direkt auf der Baustelle, sobald eine Leistung von ihnen erbracht wurde. Darauf benachrichtigt das System automatisch die Bauabnahme und der Prüfer kann mithilfe einer digitalen Anwendung den Auftrag als erledigt markieren oder Mängel melden. Gilt die Leistung als abgenommen, können fällige Rechnungen automatisch zur Zahlung angewiesen werden. Nach dem Blockchain-Prinzip bauen die einzelnen Transaktionen aufeinander auf. Eine spätere Transaktion ist nur möglich, wenn die vorausgehenden früheren Transaktionen als richtig bestätigt wurden.

Auf diesem Weg sollen die komplexen Vertragskonstellationen am Bau – meist arbeiten Ingenieure, Baufirmen, Handwerker, Subunternehmer, Gutachter, Projektmanager, Rechtsanwälte gemeinsam an einem Auftrag – Verzögerungen in der Zahlungskette verhindern. Erbrachte Dienstleistungen und Leistungen soll so umgehend bezahlt werden.

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