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28.03.2019 | Bau-Software | Im Fokus | Onlineartikel

Die Blockchain in der Immobilien- und Baubranche

Autor:
Christoph Berger

Welche Auswirkungen hat die Blockchain-Technologie auf die Bau- und Immobilienbranche? Immense – und dies über den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden beziehungsweise Bauprojekten. Doch noch überwiegen Pilotprojekte.

Die Blockchain, auch Distributed Ledger Technology (DLT) genannt, hat das "Potenzial, den wirtschaftlichen, politischen, humanitären und rechtlichen Sektor zu nutzen, indem sie die Funktionsweise der Gesellschaft und der Operationen neu gestaltet". So werden Azaria, Ekblaw., Vieira und Lippman zu Beginn des Kapitels "Blockchain in the Construction Sector: A Socio-technical Systems Framework for the Construction Industry" des Springer-Fachbuchs "Advances in Informatics and Computing in Civil and Construction Engineering" zitiert.

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Doch um was handelt es sich bei der Blockchain eigentlich genau? Laut den Autoren des bereits erwähnten Kapitels ist das simpel: "Eine DLT ist lediglich eine Datenbank mit Transaktionen." Eine äußerst knappe Definition. Und auch wenn die Autoren diese im Verlauf ihrer Ausführungen noch konkretisieren, sei darüber hinaus noch der Fachartikel "Wie funktioniert die Blockchain?" in der Springer-Fachzeitschrift "Datenbank-Spektrum" empfohlen. In dem wird die Blockchain-Technologie ausführlich erklärt.

Blockchain und die bebaute Umwelt

Tiefer in der Materie steigen die Autoren dann jedoch ein, wenn es um die Auswirkungen der Technologie auf das Bauwesen geht – wobei zwischen einer technischen, sozialen und politischen Dimension unterschieden wird – zwischen denen es dann aber Überschneidungen gibt. Nach einer Literaturrecherche zum Thema identifizierten sie folgende Blockchain-Einsatzmöglichkeiten: intelligente Energie, intelligente Städte und gemeinsame und geteilte Nutzung von Ressourcen, eine intelligente Regierung, smart Homes und ein intelligenter Verkehr, BIM und Baumanagement sowie Geschäftsmodelle und Organisationsstrukturen. Sie schreiben weiter: "Schließlich wird Blockchain neue Geschäftsrollen (z.B. Smart Contract Mediator), neue Organisationsstrukturen wie dezentrale Autonomieorganisationen einführen und viele Aufgaben und Aktivitäten werden halb- und vollautomatisiert."

Wie sehr beispielsweise die Kombination von Blockchain mit der BIM-Methode zusammenhängt, wird bei einem Blick auf die Internetseiten des Instituts für Baubetrieb und Baumanagement der Universität Duisburg-Essen deutlich. Dort heißt es, dass die Blockchain als "Next BIM" gesehen werde und dass die darauf basierenden Smart Contracts die Immobilien- und Bauwirtschaft in den nächsten Jahren revolutionieren werden. 

Blockchain im Facility Management

"Bei der Betrachtung von neuen Technologien, welche in den nächsten Jahren das Potenzial haben, die FM-Prozesse und -Geschäftsmodelle grundlegend zu verändern, kommt man an Blockchain nicht vorbei", schreiben auch die Autoren des Kapitels "Trends und Perspektiven im FM" des Springer-Fachbuchs "CAFM-Handbuch". Als mögliche Anwendungsszenarien zählen sie Kryptowährungen zur Finanzierung und Zahlung von Immobilientransaktionen und Dienstleistungen, Smart Contracts, öffentliche Register – zum Beispiel Grundbücher, digitale Zertifikate und die Historisierung von Daten auf. Darüber hinaus könne ein Gebäude ein digitales Abbild der Realität in der Blockchain erhalten. So könnten sich zum Beispiel Prozesse organisieren lassen, die immer auf konsistenten Daten beruhen.

Die Blockchain in der Immobilienvermittlung

Die Autoren des Kapitels "Digitalisierung in der Immobilienvermittlung" im Springer-Fachbuch "Bits and Bricks: Digitalisierung von Geschäftsmodellen in der Immobilienbranche" sehen ein realistische Szenario für den Einsatz der Blockchain-Technologie beim Immobilienkauf als Ersatz für den Notar – insbesondere dann, wenn mehrere Parteien miteinander Daten austauschen möchten, diese Daten verifiziert werden sollen und dieser Austausch zur Abwicklung eines Transaktionsgeschäfts dient: "Bisher musste bei solchen Geschäftsvorfällen auf einen Mittelsmann, zum Beispiel einen Notar, zurückgegriffen werden, oder die beteiligten Parteien laufen im direkten Austausch Gefahr, dass ihr Gegenüber die Daten absichtlich oder unabsichtlich manipuliert." Auch hier wieder der Begriff "Smart Contracts". Dazu die Autoren: "Der Vertrag überprüft seine Bedingungen selbstständig und handelt automatisiert." Erwähnt wird aber auch, dass Notare und Immobilienmakler deswegen nicht überflüssig werden. Sie wären immer dann gefragt, wenn Dinge vom Standard abweichen, also beispielsweise komplizierte Wegerechte auszuhandeln seien, wie Marktforscher Thomas Beyerle zitiert wird.

Deutlich wird aber auch, dass es sich bei den meisten der vorgestellten Anwendungsfälle noch um theoretische Ausführungen oder Pilotprojekte handelt. Doch die revolutionären Auswirkungen der Technologie werden dabei immer deutlich betont.

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