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24.09.2015 | Baubetrieb | Im Fokus | Online-Artikel

400.000 neue Wohnungen werden pro Jahr gebraucht

verfasst von: Christoph Berger

2:30 Min. Lesedauer
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Laut einer aktuellen Studie müssen, um den Bedarf zu decken, über die kommenden fünf Jahre pro Jahr rund 400.000 neue Wohnungen gebaut werden. Bundesbauministerin Hendricks verspricht zudem ein vereinfachtes Baurecht. Und es gibt die Forderung, die EnEV, entgegen mancher Vorschläge, nicht auszusetzen.

Nicht nur die rasant steigenden Flüchtlingszahlen, auch der bestehende Nachholbedarf, der starke Zuzug in die Städte und die Zuwanderung aus der EU führen laut einer aktuellen Studie des Pestel-Instituts zu diesem enormen Bedarf an Neubauwohnungen.

Danach müssen in Deutschland bis zum Jahr 2020 jährlich rund 140.000 Mietwohnungen mehr als in diesem Jahr gebaut werden – davon 80.000 Sozialwohnungen und 60.000 Wohnungseinheiten im bezahlbaren Wohnungsbau.

Gefordert werden Anreize

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Gerade in den Großstädten, Ballungszentren und Universitätsstädten hätten in den letzten Jahren Versäumnisse der Wohnungsbaupolitik zu den jetzigen Defiziten geführt, so das „Verbändebündnis Wohnungsbau“ – der Lobby-Verband hatte die Studie in Auftrag gegeben: Zwischen 2009 und heute seien rund 770.000 Wohnungen zu wenig gebaut worden. Nun fordert er sowohl für genossenschaftliche und öffentliche Wohnungsunternehmen als auch für private Investoren wirkungsvolle Anreize in Form von Investitionszulagen beziehungsweise steuerlichen und zeitlich begrenzten Vergünstigungen.

Integration findet in den Städten statt

Die Unterbringung von Flüchtlingen stand auch im Mittelpunkt des diesjährigen Bundeskongresses Nationale Stadtentwicklungspolitik, der vom 16. bis 18. September 2015 in Leipzig stattfand. Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks sagte dort: „Aber wir müssen jetzt schon daran denken, wo die Menschen, die bei uns bleiben, und auch ihre Familien, dauerhaft leben werden. Integration findet in den Stadtquartieren, in den Nachbarschaften statt.“ Sie kündigte eine Aufstockung des Wohngelds und eine deutliche Erhöhung der Städtebauförderung an. Doch nicht nur das: „Darüber hinaus brauchen wir aber vor allem mindestens eine Verdopplung der Mittel für den sozialen Wohnungsbau.“ Zudem müsse das Baurecht für Bauten im Flüchtlingsbereich erheblich vereinfacht werden.

Kein Aussetzen der EnEV

Derweil wies der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) im Vorfeld des für den 24. September 2015 angesetzten Flüchltingsgipfels die Forderung von Teilen der Wohnungs- und Bauwirtschaft scharf zurück, die nächste Stufe der Energieeinsparverordnung (EnEV) ab 2016 für alle privaten Bauvorhaben auszusetzen.

Dr. Hermann Falk, Geschäftsführer des BEE, sagte dazu: „Eine pauschale Aufweichung der Anforderungen an Energieeffizienz und Erneuerbare Wärme hilft aber weder den Flüchtlingen noch dem Klima.“ Beides gegeneinander auszuspielen, sei dreist. Klimafreundliche Gebäude würden nicht zwangsläufig zu Verzögerungen beim Bau neuer Unterkünfte führen.

Nach Ansicht des BEE sollten Ausnahmeregelungen ausschließlich für öffentliche Gebäude gelten. Bei Bestandsbauten sollte der Verzicht auf spezifische Baustandards auf ein Jahr befristet und jährlich überprüft werden. Zudem müsse zumindest sicher gestellt werden, dass neugebaute Unterkünfte mit schlechteren Baustandards zu einem späteren Zeitpunkt energetisch nachgebessert werden müssen. Eine entsprechende bauliche Kennzeichnung könnte darüber Auskunft geben.

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