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16.01.2015 | Baubetrieb | Im Fokus | Onlineartikel

Potenziale großer Wohnsiedlungen

Autor:
Christoph Berger
3 Min. Lesedauer

Großsiedlungen sind aufgrund des dort bezahlbaren Wohnraums gerade für Einkommensschwächere enorm wichtig für Städte. In einer Studie wurden nun die Entwicklungsperspektiven dieser großen Wohnsiedlungen untersucht.

Nach einer vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) und dem Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V. erarbeiteten Studie sind Großsiedlungen enorm wichtig für Städte, denn sie sind meist die Quartiere mit dem preisgünstigsten Wohnraum. Dort könne der Bevölkerung bezahlbarer Wohnraum bereitgestellt werden, was Einkommensschwächere unterstütze und nicht zuletzt dem sozialen Frieden diene, schreiben die Forscher.

Um die nachhaltige Weiterentwicklung dieser großen, im 20. Jahrhundert errichteten Wohnsiedlungen zu sichern, sind jedoch Investitionen in Höhe von 90 Milliarden Euro notwendig. Gemessen an realistischen Zielquoten für die Modernisierung und den eventuellen Neubau schätzen die Studienautoren den Investitionsbedarf für den Zeitraum bis 2030 auf 56 Milliarden Euro. Hinzu kämen die Investitionen in die soziale und technische Infrastruktur.

Acht Millionen Menschen leben in deutschen Großsiedlungen

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In den zwischen den 1920er bis 1980er-Jahren errichteten Wohnquartieren mit mehr als 500 Mietwohnungen in mehrgeschossigen Häusern beziehungsweise mit mehr als 1.000 Einwohnern leben in Deutschland mehr als acht Millionen Menschen. Rund zehn Prozent des deutschen Wohnungsbestands, das entspricht etwa vier Millionen Wohnungen, liegen in diesen großen Wohnsiedlungen.

„Die Weiterentwicklung dieser Wohngebiete zählt nach Einschätzung der Gutachter allein schon aufgrund ihrer großen Dimension zu den zentralen Aufgaben der nachhaltigen Stadtentwicklung und sozialen Wohnraumversorgung“, betonte Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V., anlässlich der Präsentation der Studie.

Marcus Becker, Vizepräsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), ergänzte: „Für die Bauindustrie stellt gerade der in der Studie ermittelte Neubaubedarf in großen Wohnsiedlungen von jährlich 6.500 Wohnungen mit einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro eine interessante Beschäftigungsperspektive dar.“ Denn Fakt sei: Die Zuwanderung nach Deutschland halte an, die Städte würden weiterhin wachsen und die Nachfrage nach bezahlbaren und qualitativ hochwertigen Wohnungen steige.

Großsiedlungen haben zu unrecht schlechtes Image

Allerdings, auch das schreiben die Verfasser der Studie, hätten die Wohnsiedlungen oft ein schlechtes Image, das mit dem Siedlungsalltag meist wenig zu tun habe. Und auch in den Stadtentwicklungsplanungen sei ihr Stellenwert nur selten ausreichend hoch. Die Eigentümer der Siedlungen – kommunale und private Wohnungsunternehmen, Genossenschaften sowie Eigentümergemeinschaften und Wohnungseigentümer – seien daher gefragt. Sie seien mit dafür zuständig, die Wohnsiedlungen zu attraktiven Lebensräumen und Alltagsorten zu entwickeln. Das umfasse die Erneuerung der Gebäude, das Wohnumfeld, die Funktionsmischung oder die Infrastruktur. Auch die Beziehung zur Gesamtstadt müsse in der Planung berücksichtigt werden.

Entlastung für den Wohnungsmarkt und bei barrierefreiem Wohnraum

Vor dem Hintergrund des angespannten Wohnungsmarktes fordern die Autoren zudem die Gesellschaft, Politik und Investoren auf, künftig auch bestehende Potenziale für Wohnungsneubau der Großsiedlungen stärker ins Blickfeld zu nehmen. Beispielhaft nennen sie die Flächenerweiterung für die Siedlungen beziehungsweise Aufstockungen.

Und aufgrund der demografischen Entwicklung werde künftig die barrierearme Gestaltung von Wohnraum und Quartieren in bestimmten Marktsegmenten das zentrale Vermietungsargument werden. Auch die energetische Modernisierung Gebäude bleibe weiterhin notwendig. Die kompakte Bebauung bei gleichzeitig starker Durchgrünung komme den Anforderungen des Klimaschutzes und der Energiewende entgegen. Gefragt seien insgesamt aber kostengünstige Lösungen, die ein Erreichen der Energieeinsparziele (EnEV) auch unter schwierigeren Marktbedingungen ermögliche.

Optimistisch stimme, dass nach Jahrzehnten der Kritik eine ästhetische Umwertung der Großformen der Städtebaumoderne zu erfolgen scheint. Ein Beleg dafür sei die aktuelle Diskussion um die Renaissance des Hochhauses. Die großen Wohnsiedlungen seien als Modelle neuen Wohnens geplant und errichtet worden. Heute könnten in ihnen wiederum modellartig die neuen, mit dem Wohnen verbundenen gesellschaftlichen Anforderungen angegangen werden.

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