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Über dieses Buch

Welche Voraussetzungen sind nötig, um Fugen richtig abzudichten? Der Autor zeigt praxisnah, wie das richtige Zusammenspiel von Fuge und Dichtstoff zu einer erfolgreichen Abdichtung führt. Neben der Auslegung von Fugen, deren Eigenschaften und der Auswahl von Dichtstoffen gibt das Buch viele nützliche Hinweise zur Anwendung, die helfen, fehlerfreie und langfristig dichte Fugen herzustellen.
Dabei sind die EU-Bauprodukteverordnung (BauPVO), CE-Kennzeichnung und Leistungserklärung, das europäische Chemikalienrecht (REACH) und das System zur Kennzeichnung chemischer Produkte (GHS) berücksichtigt, soweit sie für Dichtstoffe relevant sind.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung: Erst denken, dann dichten

Dichtstoffe werden in sehr vielen Bereichen des Bauwesens eingesetzt, sei es im Wohnungs‐ und Wirtschaftsbau oder bei öffentlichen Bauvorhaben. Beispiele für Dichtstoffanwendungen finden sich im Hochbau in der Fassade, am Fenster, im Sanitär‐ und Nassbereich, an Dächern, im Tief‐ und Brückenbau sowie bei Sonderanwendungen wie Schwimmbädern oder Tankstellen. Auch in der hier nicht weiter behandelten Transport‐ und Investitionsgüterindustrie verwendet man Dichtstoffe, z. B. im Automobil‐, LKW-, Bus- und Sonderfahrzeugbau, in der Eisenbahn‐ und Straßenbahnindustrie, im Schiffs-, Flugzeug‐ oder Maschinenbau.
Vom Endnutzer werden in vielen Anwendungen Dichtstoffe, insbesondere wenn sie richtig (!) ausgewählt und verarbeitet wurden, kaum bemerkt oder beachtet. Oft will nämlich ein Architekt oder Konstrukteur auch gar nicht, dass der Nutzer eines Gebäudes, einer Maschine, oder eines Transportmittels merkt, dass Dichtstoffe zum Funktionieren des Ganzen nötig sind. Vielfach soll auch aus optischen Gründen möglichst „unbemerkt“ abgedichtet werden. Wenn allerdings eine technisch notwendige, „zu breit“ erscheinende Bewegungsfuge aus ästhetischen Gründen schmäler als gefordert ausgeführt wird, sind spätere Probleme bereits vorprogrammiert. Erst wenn ein Dichtstoff versagt, schlimmstenfalls vorzeitig, macht sich der eine oder andere Gedanken über diese stillen Helfer aus der Chemie.
Manfred Pröbster

2. Grundlagen

In einem Buch über Dichtstoffe muss neben dem titelgebenden Thema auch die Art der Fugen, die den Dichtstoff aufnehmen sollen, eine wesentliche Rolle spielen. Was hilft ein hochelastischer Dichtstoff in einer Anwendung bzw. in einer Fuge, in der ein plastischer hätte verbaut werden sollen? Nur der ganzheitliche Ansatz kann zum Erfolg führen. In diesem Kapitel geht es daher zunächst um allgemeine Grundlagen der Dichtstoffe, im weiteren Verlauf dann um die Wechselwirkungen mit dem Material der Fugenflanken.
Bei allen Betrachtungen zur Auslegung, Verarbeitung, Dauerhaftigkeit und Sanierung müssen Dichtstoff und Fuge immer als eine Funktionseinheit gesehen werden. Nur bei erfolgreichem Zusammenspiel beider Faktoren und unter der Voraussetzung, dass vorschriftsmäßig gearbeitet wurde, bleibt eine Fuge dauerhaft dicht.
Manfred Pröbster

3. Klimatische Einflüsse

Im Baugewerbe kann, im Gegensatz zur industriellen Produktion, der Einfluss des Klimas auf die Bauteile, die Bauhilfsstoffe, deren Verhalten und natürlich die dort beschäftigten Menschen nicht durch Maßnahmen wie eine Klimatisierung ausgeschlossen werden. Mit dem jeweils herrschenden Klima müssen Anwender und Nutzer zwangsläufig „leben“. In manchen Fällen muss man sich bekanntlich dem Wetter beugen und gegebenenfalls geplante Arbeiten verschieben, auch wenn der Fertigstellungstermin noch so drängt. Insbesondere bei der Verwendung von einkomponentigen, luftfeuchtigkeitshärtenden und wasserbasierten Dichtstoffen ist das Umgebungsklima bei Planung und Ausführung von Arbeiten mit zu berücksichtigen.
Manfred Pröbster

4. Fugen

Eine Fuge entsteht immer dann, wenn zwei oder mehrere Bauteile aneinander stoßen. Dies kann einerseits unfreiwillig geschehen, weil alle Werkstücke eine begrenzte Länge haben oder weil beim Betonieren zwangsweise in Abschnitten vorgegangen werden muss: Hier wird die Fuge dementsprechend als „störend“ empfunden. In vielen Fällen werden Fugen jedoch bewusst geplant, um Zwängungen beim thermisch bedingten „Arbeiten“ von Bauteilen zu vermeiden.
Manfred Pröbster

5. Kontaktprobleme: Baustoffverträglichkeit

Im Gegensatz zu vergangenen Jahrhunderten, in denen nur „Stein auf Stein“ gebaut werden konnte, treffen im modernen Bauwesen sehr unterschiedliche Baustoffe aufeinander und kommen für Jahrzehnte in Kontakt. Die klassischen mineralischen Baustoffe werden zunehmend durch Metalle, Glas, Leichtbauwerkstoffe und Kunststoffe ergänzt. Gerade die Letzteren – zu denen auch die Dichtstoffe zählen – bringen neue Herausforderungen für alle am Bau Beteiligten. Alle pastösen oder flüssigen Kleb- und Dichtstoffe enthalten im unausgehärteten, aber oft auch noch im ausgehärteten Zustand migrationsfähige, d. h. wanderungsfähige, Komponenten. Diese können in entsprechend dafür anfällige Substrate einwandern und dort zu optischen und technischen Veränderungen bis hin zu irreversiblen Schäden führen. Auch manche Kunststoffe (z. B. Profile, Leisten) oder Lacke enthalten derartige wanderungsfähige Bestandteile, die entweder die Haftung eines damit in Kontakt kommenden Kleb- oder Dichtstoffs von vornherein unterbinden können oder in diesen eindringen und z. B. zu Aushärtestörungen führen können. Die Kenntnis dieser Vorgänge trägt zur Vermeidung von langwierigen und kostspieligen Reklamationen bei.
Manfred Pröbster

6. Dichtstoffe

In diesem Kapitel werden die einzelnen Dichtstoffe im Detail vorgestellt. Alle Unterkapitel sind im Wesentlichen gleichartig aufgebaut um die Orientierung zu erleichtern. Viele Beispiele sollen dem Leser Anregungen geben, wo die einzelnen Dichtstoffe am vorteilhaftesten eingesetzt werden können.
Elastische Baudichtstoffe für Anwendungen in Hochbaudehnfugen werden, um der Forderung nach geringer Dehnspannung und damit geringer Zugbelastung des Substrats gerecht zu werden, möglichst weich eingestellt, aber natürlich auch nicht so weich, dass die Kohäsion und mechanische Festigkeit darunter leiden. Nach DIN 18540 darf der Dehnspannungswert bei 100 % Dehnung und 23 °C 0,4 MPa nicht überschreiten. Um die Versprödung des Dichtstoffs bei tiefen Temperaturen zu begrenzen und somit die Fugenflanken vor übermäßiger Zugbelastung zu schützen, muss die Dehnspannung bei −20 °C kleiner als 0,6 MPa sein. Dichtstoffe für Anwendungen wie Glasfuge, Anschlussfuge etc. gehorchen anderen Anforderungen und Normen.
Für praktisch vollständig plastische Baudichtstoffe gibt es keine dementsprechenden Normen.
Fugenbänder, die nach DIN EN 6927 ebenfalls zu den Dichtstoffen gehören, und solche, die nicht unter diese Norm fallen, werden in Kap. 7 beschrieben.
Manfred Pröbster

7. Fugenbänder

Unter dem Oberbegriff „Fugenbänder“ werden hier vier Gruppen von vorgeformten Dichtungsmaterialien verstanden:
  • Geklebte Elastomer-Fugenbänder,
  • Vorkomprimierte, imprägnierte Schaumstoffdichtbänder,
  • Plastische Fugenbänder („Butyl“),
  • Fugenbänder, die in der Betonage eingesetzt werden.
Manfred Pröbster

8. Elastisch kleben im Bauwesen

Elastische Klebstoffe leiten sich von den elastischen Dichtstoffen ab. Man kann auch sagen, dass es sich um zu steifen Elastomeren aushärtende Dichtstoffe handelt, die auch gewisse Kräfte übertragen können. Bei einem hochelastischen Dichtstoff ist die Verteilung von eingebrachter Energie kein Problem: Vor einem eventuellen Bruch dehnt sich der Dichtstoff im zwei- bis dreistelligen Prozentbereich. Große Kräfte können allerdings dabei nicht übertragen werden, denn der Dichtstoff weicht diesen durch Dehnung aus. Ein Produkt, das eine gewisse Elastizität des Dichtstoffs mit einer zwar nicht rekordverdächtigen Festigkeit verbindet, ist die Lösung für viele Aufgaben, bei denen gewisse Kräfte von einem auf das andere Bauteil übertragen werden sollen. Diese Produkte, die elastischen Klebstoffe, vereinigen das Kleben und Dichten in einem Material.
Manfred Pröbster

9. Dichtstoffe in der Praxis

In diesem Kapitel werden weitere praktische Hinweise und Informationen über Hilfsstoffe beim Verfugen mit pastösen Dichtstoffen gegeben und es wird das zentrale Thema „welcher Dichtstoff für welche Fuge“ im Zusammenhang beleuchtet. Die Vorbereitung der Fuge und das Primern sind so wichtig, dass dies hier ausführlich abgehandelt wird. Das Reinigen des Untergrunds muss allen folgenden Arbeitsschritten vorausgehen, damit die Haftung optimiert wird.
Manfred Pröbster

10. Fugenversagen – Fugensanierung

Unter Versagen wird hier das vorzeitige, außerplanmäßige Schadhaftwerden einer abgedichteten Fuge verstanden. Dies bedeutet, dass die Fuge nicht mehr die ihr ursprünglich zugedachten Aufgaben und Anforderungen erfüllen kann. Vom Versagen abzugrenzen ist das normale, erwartbare Ende der Funktionsfähigkeit einer Fuge, das spätestens dann gekommen ist, wenn ein Gebäude abgerissen wird. In den allermeisten Fällen wird die Gebäudesubstanz länger bestehen als jede Fuge die dann vorher zu ersetzen ist.
Manfred Pröbster

11. Normen, Verordnungen, Merkblätter und Kennzeichnungen

Normen werden manchmal als einengend empfunden und doch bieten sie allgemein anerkannte Richtlinien und legen Standards fest, die sich besonders bei Produktvergleichen und in Ausschreibungen bewährt haben.
Manfred Pröbster

12. Arbeitssicherheit, Umweltauswirkungen und Entsorgung

Es wird praxisnah gezeigt, wie das richtige Zusammenspiel von Fuge und Dichtstoff zu einer erfolgreichen Abdichtung führt. Neben der Auslegung von Fugen, deren Eigenschaften und der Auswahl von Dichtstoffen gibt das Buch viele nützliche Hinweise zur Anwendung, die helfen, fehlerfreie und langfristig dichte Fugen herzustellen. Die Berechnung von Fugen wird an mehreren Beispielen gezeigt. Zudem sind die EU-Bauprodukteverordnung (BauPVO), CE-Kennzeichnung und Leistungserklärung, das europäische Chemikalienrecht (REACH) und das System zur Kennzeichnung chemischer Produkte (GHS) Gegenstand der Ausführungen, soweit sie für Dichtstoffe relevant sind.
Manfred Pröbster

13. Ausblick: Wie geht es weiter?

Die Verwendung von Dicht- und Klebstoffen im Baubereich ist einerseits an das generelle Auf und Ab der Baukonjunktur geknüpft. Andererseits dürfte mittelfristig der Gebrauch von Dicht- und Klebstoffen eng mit der Art des Bauens zusammenhängen. Neben der konventionellen Bauweise („Stein auf Stein“), die vermutlich die privaten Bautätigkeiten im deutschsprachigen Raum und in Zentraleuropa weiterhin dominieren wird, ist zu erwarten, dass im Industriebau und bei Großobjekten weiterhin und tendenziell zunehmend Technologien eingesetzt werden, die nur mit Kleb- und Dichtstoffen rationell umgesetzt werden können. Eng verbunden mit dem Erfolg der neueren Technologien dürfte die Koordination der immer komplexer werdenden Aufgaben sein.
Fertig- und Leichtbausysteme dürften, wenn es um preiswerteres Bauen für breite Bevölkerungsschichten geht, weiter an Akzeptanz gewinnen.
Manfred Pröbster

Backmatter

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