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03.06.2020 | Baufinanzierung | Nachricht | Onlineartikel

Wohnkosten belasten Verbraucher stärker

Autor:
Swantje Francke
2:30 Min. Lesedauer

Wohneigentum gilt nach wie vor als gute Form der Altersvorsorge. Eine jährliche Studie beleuchtet die Budgetbelastung von Kauf und Miete im Vergleich. Diese belegt, dass Immobilienkäufer je nach Region besser fahren als Mieter.

Wohnen wird teurer. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Haushalte, die einen großen Teil des Einkommens für Wohnen aufzubringen hatten. Für eine schwindende Anzahl von Haushalten steht besonders günstiger Wohnraum noch zur Verfügung. Dies geht aus einer Erhebung des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) hervor, die dem Postbank Wohnatlas zugrunde liegen.

Unterschied zwischen Käufer und Mieter

Der Faustregel des HWWI folgend, sollte Wohnen nicht mehr als 30 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens kosten. In 379 von 401 Kreisen und kreisfreien Städten wäre der Erhebung der Hamburger zufolge im Jahr 2019 der Kauf einer 70-Quadratmeter-Wohnung für einen Durchschnittshaushalt finanzierbar gewesen. Mieten seien sogar unterhalb der 30-Prozent-Schwelle geblieben.

Doch zeigt die Modellrechnung des HWWI auch, dass Eigentümer und Käufer einen durchschnittlich geringeren Teil ihrer Haushaltseinkünfte für die Immobilienfinanzierung aufbringen als Mieter für ihre monatliche Nettokaltmiete. In Gelsenkirchen beispielsweise betrug der Unterschied des Aufkommens für Wohnen zwischen Miete und Eigentum bis zu 2,4 Prozent für eine 70-Quadratmeter-Wohnung: Käufer brachten 11 Prozent ihres Budgets in die Bedienung ihrer Kredite ein, Mieter 13,4 Prozent für die Wohnraumkosten. Dieser Kaufvorteil ließ sich 2019 für 84 bundesdeutsche Regionen ermitteln.

Finanzielle Belastung für Wohnen steigt

Dem Wohnatlas zufolge befand sich jeder siebte deutsche Haushalt 2019 in einer Region, in der im Schnitt mehr als 20 Prozent des Einkommens auf die Miete entfallen, während dies im Vorjahr nur auf jeden achten Haushalt zutraf. Beim Wohnungskauf sieht es ähnlich aus. 2018 war nur jeder achte deutsche Haushalt von hohen regionalen Preisen betroffen: Die Finanzierung überstieg im Schnitt 30 Prozent des Haushaltseinkommens. 2019 galt dies bereits für etwa jeden siebten Haushalt. Im Jahr 2018 hätte die Finanzierung einer 70 Quadratmeter großen Wohnung für jeden vierten deutschen Haushalt weniger als zwölf Prozent des Einkommens gekostet. Im aktuellen Wohnatlas findet sich nur noch jeder sechste Haushalt in einer derart günstigen Region.

Zwar zahlten die Bürger im Durchschnitt über alle Landkreise und kreisfreien Städte hinweg im vergangenen Jahr 13,4 Prozent der regional verfügbaren Mittel für Miete und 17,0 Prozent für die Finanzierung einer Eigentumswohnung. Doch geht aus der Modellrechnung hervor, dass die finanziellen Belastungen 2019 gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. Das Zahlenwerk belegt die Tendenz der Arbeitskräftekonzentration rund um die größten deutschen Städte. In München, wo von einem Jahreseinkommen von 59.608 Euro ausgegangen wird, beträgt die Differenz im Haushaltsaufkommen zwischen Wohneigentum und gemietetem Wohnraum 23,5 Prozent. Käufer investierten nahezu die Hälfte ihrer Einkünfte, Mieter 25,5 Prozent.

Für das Corona-Jahr 2020 erwarten die Experten eine Entspannung am Wohnmarkt. Sie prognostizieren, dass besonders dort die Nachfrage kurz- oder mittelfristig sinken wird, wo viele Arbeitnehmer von Kurzarbeit oder Jobverlust betroffen sind. Sollte sich die Wirtschaft erholen, würde aber auch der Immobilienmarkt wieder an Dynamik gewinnen.

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