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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einführung

Bauforschung und Entwurfsprozess - Gegensatz oder Ergänzung?
Zusammenfassung
Die Idee, eine Vortragsreihe zum Thema Bauforschung im Dialog mit Lehrstühlen, vor allem Entwurfslehrstühlen der Abteilung Architektur an der ETH zu veranstalten, entstand aus dem Wunsch, zwei so eng aufeinander bezogene und angewiesene Bereiche der Architektur sowie einige ihrer Protagonisten besser miteinander bekannt zu machen.
Marion Wohlleben

Bauforschung als Beitrag zur Stadt- und Siedlungsforschung

Zusammenfassung
Unter Bauforschung wird im Folgenden in erster Linie nicht eine technische, sondern eine historische Disziplin verstanden. Es geht um die Erforschung historischer Bauten. So verstanden gehört Bauforschung in das Arbeitsgebiet der Archäologie: sie versucht Sachquellen zu erschliessen. Archäologische Bauforschung ist andrerseits nicht «Ausgrabungswissenschaft» bezogen auf ausschliesslich im Boden erhaltenen Bestand, sondern sie befasst sich mit dem Gebauten als Ganzem. Sie betrachtet ein Gebäude von den Fundamenten bis zur Dachhaut und — wenn immer möglich — auch im Verhältnis zu Vorgänger- und Nachbarbauten. Sie situiert Bauwerke sowohl im örtlich archäologischen als auch im historischen Kontext. Zum Verständnis von Charakter und Funktion einer Brücke gehört nicht nur die Kenntnis ihrer Gestalt, sondern gehören auch die Eigenschaften des Flussbettes, die Beschaffenheit beider Flussufer und der Verlauf des Strassenzu- ges, welcher mit Hilfe der Brücke Ortschaften verbindet. Bauforschung arbeitet mit Mitteln der Archäologie, stellt jedoch weder Technik noch Methoden der «Spatenwissenschaft» in den Mittelpunkt, sondern geschichtliche Fragen und deren Beantwortung. Als wissenschaftliche Disziplin versucht sie, ihre Probleme mit wissenschaftlichen, das heisst, mit Methoden zu beantworten, die Fragen und Gegenstand angemessen sind.
Hans Rudolf Sennhauser

Bauforschung und die Erkundung von Bauschäden

Zusammenfassung
Die Erforschung der Geschichte gebauter Werke, verkürzt Bauforschung genannt, ist eine der wichtigsten Hilfswissenschaften der Denkmalpflege, insbesondere bezüglich der Praxis der Massnahmen. Sie setzt die Arbeit der Inventarisation durch vertiefende Forschung am Einzelfall1 fort. Die Klärung der Baugeschichte ist notwendige Voraussetzung für die Erarbeitung eines denkmalpflegerischen Konzepts, wenn die Massnahme in die Substanz des Denkmals eingreifen wird. Dieser Fall ist bei den meisten Massnahmen, auch solchen rein konservatorischen Charakters, zu erwarten. Im Rahmen des denkmalpflegerischen Konzepts werden Vor- und Nachteile der verschiedenen technischen Varianten diskutiert und abgewogen, mit denen der beabsichtigte technische Erfolg erreicht werden kann. Das für die Denkmalpflege wichtigste Kriterium bei dieser Abwägung ist die Erhaltung oder Reduzierung der Denkmalaussage. Da die Denkmalaussage meist zum überwiegenden Teil, oft auch ausschliesslich von der materiellen Substanz des Denkmals repräsentiert wird, einerseits vom Eindruck des Gesamten und seiner Teile, andererseits von der Vielzahl der geschichtlichen Baubefunde, dient die Lokalisierung der aussagekräftigen Bereiche und ihre Erläuterung dem denkmalpflegerischen Konzept als Richtschnur für die Beurteilung der Verträglichkeit aller Eingriffe. Die spezifische Methode der historischen Bauforschung, viele ihrer Ergebnisse auf dem Wege der Beobachtung und Bewertung der technischen Eigenschaften des Untersuchungsobjekts zu gewinnen, ermöglicht auch häufig Aussagen über die technische Verträglichkeit von Eingriffen. Dieses Gebiet wird aber nicht vollständig abgedeckt, so dass die Heranziehung anderer Disziplinen notwendig ist (z. B. bezüglich der chemischen Reaktionen neu einzubringender Stoffe).
Gert Thomas Mader

Das veränderte Gebäude - Nutzung, Struktur, Materie

Zusammenfassung
Architektur ist in aller Regel errichtet mit der Vorstellung, in oder mit der Baustruktur einer vorher erdachten und genau bestimmten Nutzung einen zweckmässigen Rahmen zu geben. Selbstverständlich unterliegt es den Vorstellungen der Zeit, was denn jeweils zweckmässig sein könnte. Es ist aber ein Irrtum zu glauben, dass die Entsprechung von architektonischer Form und darin untergebrachter Funktion eine Entdeckung unseres Jahrhunderts sei. Auch die vergangenen Jahrhunderte haben ihren Bauten zweckentsprechende Formen gegeben.
Johannes Cramer

Historische Bautechnik und Bauorganisation - Ergebnisse moderner Bauforschung

Zusammenfassung
Unser heutiges Wissen über historische Baukonstruktionen beruht weitgehend auf dem Stand vor den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, grossteils aus dem des 19. Jahrhunderts1. Bis dahin war dieser Bereich ein zentrales Thema in der Architektenausbildung und Domäne der Architekten in der Forschung gewesen. Heute ist das Wissen um historische Bautechnik und Bauorganisation scheinbar nicht mehr notwendig im Selbstverständnis des Architekten, obwohl neben modernen Bauten die grossen Denkmäler der Architekturgeschichte nach wie vor, wenn nicht stärker denn je bereist und bewundert werden. Auch das Normalpublikum strömt mit der Rückbesinnung auf Geschichtliches in Massen in die Denkmäler und will neben staunen auch wissen: Wie ist das gemacht? Erstaunlich ist die Zunahme der Literatur, darunter viele Reprints, auf diesem Gebiet, ohne dass die Forschung, mit Ausnahme der griechischen und römischen Antike und der Separatleistung Einzelner, wesentlich intensiviert worden ist2. Architekten sind in der Forschung inzwischen in der Minderzahl. Kunsthistoriker allerdings konnten und können gerade den Forschungsbereich über historische Baukonstruktionen nicht vollständig ausfüllen; technische Schulung ist hierfür unabdingbar. Im praktischen Anwendungsbereich steht es ähnlich. Zusehends drängen Büros, die bislang fast ausschliesslich im Neubaubereich tätig waren, in die Altbau- und Denkmalsanierung. Inzwischen sind die Architekten in Deutschland — durch die neuen Bundesländer mit stark zunehmender Tendenz — weit über 50% mit «Bauen im Bestand» beschäftigt. Die wenigsten von ihnen sind darauf vorbereitet — wie auch, wenn die Hochschulen hier nicht ausbilden. Katastrophen sind damit vorprogrammiert, für den Bauherrn, den Architekten und insbesondere den Bau selbst. Die eventuelle Krankheit eines alternden Gebäudepatienten zu erkennen, um zielgerichtet die rechte Behandlung anzusetzen, erfordert genaue Voruntersuchung und die richtige Diagnose. Eine möglichst umfassende Kenntnis historischer Bautechniken ist neben der richtigen Dokumentationsmethodik hierzu unverzichtbar.
Manfred Schuller

Bauforschung als Grundlage für Bauplanung und Entwurf - eine Herausforderung an die Kreativität?

Zusammenfassung
Der vorliegende Text ist nicht als wissenschaftlicher Beitrag konzipiert, sondern ein sehr subjektiver Bericht über unsere Einstellung als Architekten, auf dem Arbeitsgebiet der Bauforschung, des Entwerfens und des Konstruierens immer wieder von neuem Wege zur schonenden Erhaltung und Instandsetzung der uns anvertrauten historischen Bauwerke zu suchen oder für andere aufzuzeigen.
Klaus Bingenheimer, Emil Hädler

Denkmalwerte im Stadtplanungsprozess

Berliner Eindrücke und Erfahrungen 1991/92
Zusammenfassung
Zu behaupten, Denkmalwerte spielten in der heutigen Planungswirklichkeit eine bedeutende Rolle, wäre eine Übertreibung. Zwar begegnet man ihnen, zumindest anfangs, in der Regel nicht ohne Freundlichkeit, aber es ist eine Freundlichkeit von der Art, die Bertolt Brecht schon in den zwanziger Jahren in Verse fasste: «Die Städte sind für dich gebaut. Sie erwarten dich freudig. / Die Türen der Häuser sind weit geöffnet. Das Essen steht schon auf dem Tisch. // Da die Städte sehr gross sind / Gibt es für die, welche nicht wissen, was gespielt wird, Pläne/Angefertigt von denen, die sich auskennen / Aus denen leicht zu ersehen ist, wie man auf dem schnellststen Wege / Zum Ziel kommt. // Da man eure Wünsche nicht genauer kannte / Erwartet man natürlich noch eure Verbesserungsvorschläge. / Hier und dort / Ist etwas vielleicht noch nicht ganz nach eurem Geschmack / Aber das wird schleunigst geändert / Ohne dass ihr euch einen Fuss ausreissen müsst. // Kurz: ihr kommt / In die besten Hände. Alles ist seit langem vorbereitet. Ihr / Braucht nur zu kommen.»2
Norbert Huse

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