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19.06.2013 | Bauphysik | Im Fokus | Onlineartikel

Innendämmung zunehmend einsatzfähig

Autor:
Annette Galinski
3 Min. Lesedauer

Die innenseitige Dämmung von Außenwänden – lange mit Recht kritisch beäugt und meist nur Notlösung beispielsweise für denkmalgeschützte Fassaden – hat sich in den letzten Jahren beachtlich weiterentwickelt. Entsprechend viele Systeme sind inzwischen auf dem Markt. Zukünftig erhalten Innendämmungen ein bundesweit gültiges RAL-Gütezeichen, das ihre Qualität kontrollieren und nachvollziehbare Standards liefern soll.

Mit der Entwicklung spezieller Materialien kann bei Innendämmungen dem Problem der anfallenden Feuchtigkeit erfolgreich begegnet werden. Dazu gehören u.a. feuchteadaptive Dampfsperren, die den Wasserdampfdiffusionswiderstand auf der Bauteilinnenseite erhöhen. Wesentlich für die uneingeschränkte Wirksamkeit ist die sehr sorgfältige und dauerhafte baupraktische Ausführung. Dazu müssen insbesondere die Stöße zwischen den Bahnen sowie Durchdringungen (z.B. Steckdosen) sorgsam abgedichtet werden. Ansonsten kann durch Fehlstellen in der dampfsperrenden Schicht Wasserdampf durch die Wandkonstruktion eindringen. Die dort anfallende Feuchtigkeit sammelt sich nicht ausschließlich im Bereich der Fehlstelle, sondern verteilt sich über große Bereiche der Wandfläche. Von außen nach innen ist die Dampfsperre jedoch intakt, sodass ein Austrocknen nach innen unterbunden wird. Gleichzeitig führt die Innendämmung zu einem geringeren Temperaturgefälle im äußeren Bauteilquerschnitt. Dieses Temperaturgefälle ist jedoch das Antriebspotenzial für die Austrocknung nach außen. Durch die nach innen unterbundene Trocknung und das nach außen reduzierte TrocknungspotenziaI besteht die Gefahr einer Feuchtigkeitsanreicherung im Bauteilquerschnitt.

Kapillaraktive Innendämmungen

Um das Austrocknungspotenzial nach innen zu erhöhen, können kapillaraktive Innendämmungen eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um diffusionsoffene, hygroskopische Dämmstoffe mit zahlreichen untereinander verbundenen Poren geringen Durchmessers. Diese Voraussetzungen erfüllen beispielsweise natürliche Baustoffe wie Holzweichfaser-, Flachs- oder Strohmatten. Hygroskopische Baustoffe können Wasserdampf aus der umgebenden Luft sorbieren, d.h.  in Form von flüssigem Wasser an den Porenwandungen anlagern. Je höher die relative Luftfeuchte der Umgebung, desto mehr Wasser wird durch das Material aufgenommen.

Kalziumsilikat für die nachträgliche Innendämmung

Kalziumsilikatschaum wird aus den Rohstoffen Kalk (Kalziumoxid), Quarzsand (Siliziumoxid) und Zellstoff hergestellt. Kalziumsilikatplatten sind kapillaraktiv, diffusionsoffen, druckfest, formstabil und nicht brennbar (Euroklasse Al und Al). Kalziumsilikat wird häufig als Dämmstoff für eine nachträgliche Innendämmung eingesetzt, da er Feuchtigkeit an den Porenwänden anlagern, zwischenspeichern und wieder an die Umgebung abgeben kann.

Gekoppelten Wärme- und Feuchtetransport berechnen

Der Nachweis über die Tauwasser- und Verdunstungsmassen im Inneren von Bauteilen kann bei der Verwendung von kapillaraktiven Dämmstoffen oder feuchteadaptiven Dampfbremse nicht mehr nach dem vereinfachten Verfahren nach Glaser erfolgen. Das in DIN 4108-3, Anhang A,2 erläuterte Glaser-Verfahren ist insbesondere nicht in der Lage, den Flüssigwassertransport in Baustoffen abzubilden. Werden solche Bauteilaufbauten nach Glaser berechnet, ergeben sich unzulässig hohe Bauteilfeuchten, die allerdings deutlich über den realen Werten liegen. Um das feuchtetechnische Verhalten solcher Konstruktionen abbilden zu können sind spezielle Softwareprogramme zur Berechnung des gekoppelten Wärme- und Feuchtetransport erforderlich. Solche Programme zur hygrothermischen Bauteilsimulation wurden beispielsweise durch das Institut für Bauklimatik der TU Dresden und das Fraunhofer-Institut für Bauphysik entwickelt.

Zertifizierte Innendämmsysteme

Die GG-CERT – die einzige RAL-Gütegemeinschaft bei Innendämmungen – organisiert derzeit beim RAL-Institut die Anerkennung der notwendigen Güte- und Prüfbestimmungen, mit Unterstützung von Partnern aus Industrie und Handwerk. Die GG-CERT vergibt dann an Hersteller von Innendämmsystemen bei nachweislicher Erfüllung der Güte- und Prüfbestimmungen das RAL-Gütezeichen „Innendämmsysteme“. Voraussetzung ist, dass das Produkt, die Planung und der Einbau die gestellten Anforderungen nachweislich erfüllt.

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