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04.09.2014 | Bauphysik | Im Fokus | Onlineartikel

Alte Öfen und Kessel bekommen neue Werte

Autor:
Christoph Berger
3 Min. Lesedauer

Am 1. Januar 2015 treten neue Emissionsgrenzwerte für alte Holzöfen und  -heizkessel in Kraft. Wer die neuen Anforderungen nicht erfüllt, muss modernisieren oder nachrüsten. Es gibt allerdings auch Ausnahmeregelungen.

Am 1. Januar 2015 laufen Übergangsregelungen der Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen (kurz: 1. BImSchV) aus. Für mit festen Brennstoffen, wie Holz, betriebene Heizkessel, die vor dem 1. Januar 1995 errichtet wurden, müssen dann die Emissionsgrenzwerte der Stufe 1 der 1. Bundesimmissionsschutz-Verordnung eingehalten werden. Dabei handelt es sich meist um Anlagen, die ein ganzes Haus oder eine Wohnung mit Heizwärme versorgen.

Außerdem müssen Öfen und Kamine, die zur Beheizung von Einzelräumen dienen und vor dem 1. Januar 1975 errichtet wurden, ebenfalls ab dem Januar 2015 anspruchsvolle Emissionsgrenzwerte einhalten. Die Feststellung zur Einhaltung der Emissionsgrenzwerte für Heizkessel und Einzelraumfeuerungsanlagen erfolgt über das Schornsteinfegerhandwerk.

Entscheidend ist die Errichtung

Für Öfen, die zwischen dem 1. Januar 1975 und dem 21. März 2010 errichtet wurden sowie für Heizkessel, die zwischen dem 1. Januar 1995 und dem 21. März 2010 errichtet wurden, laufen die Übergangsfristen je nach Baujahr zwischen 2017 und 2025 aus. Öfen und Kessel, die ab dem 22. März 2010 eingebaut wurden, darf man unbegrenzt weiterbetreiben.

Übergangsfristen für Einzelraumfeuerungsanlagen (zum Beispiel Kaminöfen oder Kachelöfen):

Zeitpunkt der Typenprüfung (laut Typenschild)Zeitpunkt der Nachrüstung bzw.
Außerbetriebnahme
Vor dem 01.01.1975 oder Jahr der Typenprüfung
nicht mehr feststellbar
31.12.2014
01.01.1975 - 31.12.198431.12.2017
01.01.1985 - 31.12.199421.12.2020
01.01.1995 bis zum 21.03.201031.12.2024

Übergangsfristen für Heizkessel:

Zeitpunkt der ErrichtungAblauf der Übergangsfrist
bis zum 31.12.199401.01.2015
01.01.1995 - 31.12.200401.01.2019
01.01.2005 bis zum 21.03.201001.01.2025

Auch für neue Heizkessel und Öfen treten ab 2015 veränderte Anforderungen in Kraft: Wer ab 1. Januar 2015 ein neues Gerät kauft, muss die Emissionsgrenzwerte der Stufe 2 der 1. BImschV beachten.

Schornsteinfeger überprüfen die Werte

Um festzustellen, ob die neuen Grenzwerte eingehalten werden, ist bei Kesseln ebenfalls eine Messung durch das Schornsteinfegerhandwerk erforderlich. Diese muss spätestens vier Wochen nach der Inbetriebnahme, danach alle zwei Jahre durchgeführt werden. Bei Einzelraumfeuerungsanlagen ist eine Bescheinigung des Herstellers über die Einhaltung der geforderten Emissionswerte auf dem Prüfstand ausreichend.

Das Bundesumweltamt rät, Kessel und Öfen, die die neuen Anforderungen nicht erfüllen, noch vor der Heizperiode gegen neue Geräte auszutauschen oder mit Staubfiltern nachzurüsten. Dessen Präsidentin, Maria Krautzberger, sagt: „Die neue Regelung trägt dazu bei, dass die gesundheitsgefährdende Feinstaubbelastung abnimmt. Die hierfür geltenden Luftgrenzwerte werden immer noch nicht überall eingehalten, die darüber hinaus gehenden Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nahezu überall überschritten.“

Gründe für die neuen Werte

Alte Holzöfen und -heizkessel verursachen einen erheblichen Ausstoß an Feinstaub und zahlreichen anderen gesundheitsgefährdenden Schadstoffen. Alte Holzöfen und -kamine verschlechtern die Luftqualität, insbesondere in der direkten Nachbarschaft ihrer Standorte. Die Emissionen aus diesen Anlagen tragen vor allem in den Wintermonaten zu hohen Feinstaubkonzentrationen in der Umgebungsluft bei. Diese sind gesundheitsschädlich und können zu Atemwegserkrankungen führen beziehungsweise das Herzinfarktrisiko erhöhen.

Es gibt Ausnahmen

Um die Übergangsregelung sozialverträglich zu gestalten, gibt es in der 1. BImSchV mehrere Ausnahmen. So sind Öfen und Kamine, die die einzige Heizmöglichkeit einer Wohneinheit darstellen, von der Nachrüstverpflichtung ausgenommen. Ebenfalls ausgenommen sind historische Öfen, Herde, Badeöfen, offene Kamine und handwerklich vor Ort gesetzte Grundöfen.

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