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18.07.2014 | Bauphysik | Im Fokus | Online-Artikel

Weltweit erstes Aktivhaus eröffnet

verfasst von: Christoph Berger

3 Min. Lesedauer
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Am 8. Juli 2014 eröffnete in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung das weltweit erste Aktivhaus. Werner Sobek hat es geplant, das auf Holzbau spezialisierte Unternehmen SchwörerHaus hat es realisiert.

Dank eines selbstlernenden Gebäudeautomationssystems erzeugt das Aktivhaus mit dem Namen B10 – der Standort des Gebäudes ist der Bruckmannweg 10 – doppelt so viel Strom aus nachhaltigen Energiequellen wie es selbst benötigt. Mit dem Überschuss versorgt es zwei Elektroautos und das nahe gelegene Weißenhofmuseum im Haus Le Corbusier.

Um hierbei eine möglichst hohe Effizienz zu erreichen, entwickelte das Stuttgarter Unternehmen alphaEOS ein selbstlernendes Steuerungssystem, das alle technischen Systeme – inklusive der Elektromobilität – vernetzt und die Energieströme im Gebäude vorausschauend lenkt. Um statische Bedienoberflächen in der Haussteuerung abzulösen, wurde eigens für das Projekt eine App mit dynamischem und selbstlernenden User-Interface entwickelt.

Modulbau für den Standort

Das an einem Tag montierte Aktivhaus ist Teil des von der Bundesregierung geförderten Forschungsclusters „Schaufenster Elektromobilität“. Das Stuttgarter Büro Werner Sobek (Sobek Engineering & Design) ist für Architektur und Koordination verantwortlich. Das Unternehmen SchwörerHaus aus Hohenstein-Oberstetten realisierte es auf Grundlage des Wohnmoduls FlyingSpaces. Bauherr ist SIS (Stuttgart Institute of Sustainability Stiftung e.V.).

Entstanden ist B10 mit innovativen Materialien, Konstruktionen und Technologien. Das Modulkonzept ist dabei optimal für die städtische Nachverdichtung als Loft oder in Baulücken geeignet. Es kann sowohl als eine in sich funktionierende Wohneinheit, als auch in Verbindung mit Bestandsgebäuden stehen. Genau dies war am Standort gewünscht: Die Fläche am Bruckmannweg 10 lag seit 1945 brach.

In der Nacht zum 16. Mai 2014 wurden die beiden in Hohenstein-Oberstetten vorgefertigten Module nach Stuttgart transportiert. In nur wenigen Stunden konnte das Gebäude am darauffolgenden Tag auf das Grundstück in der geschichtsträchtigen Weißenhofsiedlung installiert werden. Schon in den 1920er-Jahren entstanden dort Bauten namhafter Architekten unter Verwendung damals innovativer Materialien.

Einbau von Innovationen

Mit Beginn dieses Jahres begann die intensive Entwicklungs- und Projektplanungsphase der beiden Partner an B10. Dabei wurde von allen Projektbeteiligten Flexibilität gefordert: Bis kurz vor Baubeginn wurden Neuerungen, bauliche, technische Entwicklungen und Schnittstellen im Bereich Haus- und Gebäudetechnik abgestimmt und festgelegt.

So wurden beispielsweise während der Produktionsphase Ende März bis Ende April unter anderem die neuartige Vakuumdämmung und die rahmenlose Aluminium-Schiebefenstersysteme in Sky-Frame-Technik in die Module eingebaut.

Die Herausforderung bei der Montage vor Ort  bestand nach Aussage von SchwörerHaus vor allem darin, die Wohneinheit mit der Technikeinheit, inklusive Steuerung, Heizungs- und Lüftungstechnik, Bad und Küche, zusammen zuführen. Vorgabe war dabei, die Technik auf kleinstem Raum zu komprimieren.

Auch im Außenbereich wird experimentiert: So wurde die Fassade mit einem witterungs- und UV-beständigen Textilfasergewebe bespannt. Doch nicht nur daraus sollen neue Erkenntnisse zur Energieeinsparung gewonnen werden, sondern unter Umständen auch aus einem Eisspeicher oder einer klappbaren Terrasse.

Nach der Projektphase folgt der Rückbau

Während der gesamten Projektlaufzeit von drei Jahren werden Energieerzeugung und Energieverbrauch sowie eine Vielzahl weiterer für die Gebäudeforschung hochrelevanter Daten kontinuierlich gemessen und an der Universität Stuttgart wissenschaftlich ausgewertet.

Zudem können sich in einer ersten Nutzungsphase interessierte Besucher in B10 über das Energiekonzept und die angewandte Bautechnik informieren. In der zweiten Nutzungsphase soll das Gebäude kostenfrei von zwei Studenten bewohnt werden.

Es ist geplant, das Gebäude nach Abschluss des Forschungsprojekts vollständig zurückzubauen und es unter Umständen an einem anderen Ort wieder zu errichten. Es wäre aber auch zu 100 Prozent recycelbar. Das Grundstück soll der Stadt Stuttgart im ursprünglichen Zustand zurückgegeben werden.

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