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29.08.2012 | Bauplanung | Interview | Onlineartikel

Fachsprache – Englisch für Architekten und Bauingenieure

Autor:
Annette Galinski

Aufgrund der angespannten Auftragslage im Baubereich in Deutschland und der vermehrten Bautätigkeit in anderen Ländern, versuchen Planungsbüros vermehrt Kontakte im Ausland aufzubauen. Auch die Grenzöffnung innerhalb der EU hat die Möglichkeiten für Planer, an internationalen Projekten mitzuwirken oder im Ausland zu arbeiten verbessert. Zudem sind deutsche Architekten und Bauingenieure im Ausland als qualifizierte Fachkräfte gefragt. Eine der wichtigsten Voraussetzungen, um erfolgreich im Ausland arbeiten zu können, ist die fachsprachliche Kompetenz für Verhandlungen, Präsentationen und Korrespondenz in Englisch. Dazu haben wir Sharon Heidenreich befragt. 

Dipl.-Ing. (FH) Sharon Heidenreich hat als Architektin einige Jahre in im In- und Ausland (England und Japan) gearbeitet. Als Englisch-Muttersprachlerin ist sie seit 1997 vor allem als Übersetzerin und Dozentin tätig. 2008 erschien mit großem Erfolg die 1. Auflage ihres Fachbuchs „Englisch für Architekten und Bauingenieure. Seit April 2012 liegt nun bereits die 3. Auflage vor. Das in der aktuellen Auflage neu aufgenommene Kapitel „Sustainability – Nachhaltigkeit" beschäftigt sich mit energetischen Fragestellungen, Zertifizierungssystemen und energieeffizienten Bauweisen. In Kooperation mit der Gesellschaft für Weiterbildung im Bauwesen (GeWeb) wird das Kapitel „Sustainability“ auch als E-Learning-Modul angeboten.

Frau Heidenreich, wie groß ist die Resonanz auf Ihre Sprachkurse im Fachbereich Architektur und Bauwesen? Haben Sie in den letzten Jahren vermehrt Anfragen aufgrund der verstärkten Orientierung deutscher Planer Richtung Ausland?

Nicht unbedingt. Die im Baubereich Tätigen erkennen auf jeden Fall die Notwendigkeit, der englischen Sprache Herr zu werden und sich in ihrem Fachgebiet genauso gut auf Englisch auszudrücken, sind aber oftmals so eingebunden, dass es ihnen nicht möglich ist, Kurse zu besuchen. Bis sich Architekten und Bauingenieure nach dem Studium etabliert haben und tatsächlich mit englischsprachigen Kollegen in Berührung kommen, liegt das Schulenglisch oft so weit zurück, dass erst Grundkenntnisse aufgefrischt werden müssen, bevor man sich tatsächlich an Fachterminologie und Businessenglisch annähern kann. Am besten wäre es, diese Lücke entstehe erst gar nicht und fachbezogenes Englisch wäre ein fester Bestandteil jedes Studiengangs. Leider ist dies noch nicht überall der Fall. 

Wo sehen Sie die Hürden für Planer im Ausland bzw. Architekturbüros aus Deutschland, die im Ausland tätig werden wollen?

Es sind natürlich einige Hürden. Zum einen ist es notwendig sich mit den unterschiedlichen Richtlinien und Bestimmungen auseinanderzusetzen, auf der anderen Seite sollte man sich mit der Sprache vertraut machen. Die größte Hürde ist es jedoch sicherlich, den Schritt ins Ausland zu wagen. Ein Schritt, der sich aber lohnt, und gerade in England, wo die deutsche Sorgfältigkeit sehr geschätzt wird, werden einem eher weniger Steine in den Weg gelegt. 

Welche Vorgehensweise raten Sie Planern, die sich mit Fachenglisch als Vorbereitung auf die Arbeit im Ausland vertraut machen möchten?

Die beste Vorbereitung wäre es natürlich einen Englischkurs zu besuchen, der genau die gewünschten Inhalte abdeckt. Im Gegensatz zum Lesen oder Onlineübungen, bieten Kurse die Möglichkeit gezielt auf Englisch zu kommunizieren und dabei auch noch korrigiert zu werden. 

Ihr Buch orientiert sich an den Planungs- und Ausführungsphasen eines Bauprojektes. Zudem soll es den Leser durch Fachtexte, typische Dialoge und Geschäftsbriefe systematisch auf die Arbeit als Planer im englischsprachigen Ausland vorbereiten. Lassen sich Bauabläufe und Regularien, die wir aus Deutschland kennen, 1:1  auf das Ausland übertragen?

Das Ziel, ein Bauprojekt mit zufriedenem Bauherr fertigzustellen, ist überall gleich; der Weg dorthin unterscheidet sich allerdings zum Teil erheblich. Dies fängt bei den Baubeteiligten an, mit der Einbindung eines „quantity surveyors“, ein Kosten- und Abrechnungsingenieur, eine zweiteilige Baugenehmigung und erhebliche Unterschiede was den Mängelhaftungszeitraum betrifft. In dieser Hinsicht sind die FIDIC-Bauverträge und die Europäischen Normen ein großer Schritt Richtung einheitlicher Bestimmungen und Standardisierung innerhalb Europas. Hier gibt es noch hohen Bedarf an Weiterentwicklungen z. B. die Angleichung der Honorare, Zertifizierungssysteme usw. 

Neben den Sprachkenntnissen sind ja auch interkulturelle Fähigkeiten von Nutzen – was können Sie Planern hier mit auf den Weg geben?

Man sollte sich der interkulturellen Unterschiede in jeglicher Hinsicht bewusst sein. Wenn es um Verhandlungen geht, sind Deutsche oftmals sehr direkt und nicht immer diplomatisch. Hier wäre etwas mehr Fingerspitzengefühl sicherlich angebracht. „English for Runaways“ (Englisch für Fortgeschrittene) ist zwar amüsant, doch um als Kollege wirklich geschätzt zu werden, sollte man sich der unterschiedlichen Bedeutung im Englischen und Deutschen ähnlich klingender Worte, wie z. B. actual, eventually, become und handy, bewusst sein.

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