Skip to main content
main-content

18.02.2016 | Baurecht | Im Fokus | Onlineartikel

Kontaktstelle zur Streitlösung gegründet

Autor:
Christoph Berger

Der Zentrale Immobilien Ausschuss und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie haben eine „Gemeinsame Kontaktstelle Streitlösung“ eingerichtet. So soll die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern gestärkt werden.

Die „Gemeinsame Kontaktstelle Streitlösung“ ist ein Resultat der Leitlinien „Fair Business“, die die beiden Verbände bereits im Juni 2015 unterzeichnet hatten. Am 1. Januar 2016 nahm die Kontaktstelle nun ihre Arbeit auf. Eingerichtet wurde sie beim Deutschen Beton- und Bautechnik-Verein (DBV) in Berlin. Ziel der Einrichtung ist es, Meinungsverschiedenheiten bei der Ausführung von Bauvorhaben zu vermeiden beziehungsweise Streitpunkte möglichst schnell, kostengünstig und baubegleitend beizulegen.

Zwei Stufen zur Konfliktlösung

Für den Konfliktlösungsmechanismus bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern wurde ein zweistufiges System eingeführt. Auf der ersten Stufe wird ein Frühwarnsystem angeboten, das eine qualifizierte Bauberatung vorsieht, die von Auftraggeber und Auftragnehmer gemeinsam beauftragt wird. Damit sollen in einer Frühphase der Zusammenarbeit viele Probleme, die später zu Konflikten führen könnten, erkennen und gegebenenfalls ausräumen lassen.

Auf der zweiten Stufe geht es um die Streitlösung nach bereits entstandenem Konflikt: Hier sieht die Streitlösungsordnung für das Bauwesen die Verfahren der Mediation, der Schlichtung und der Adjudikation vor. Die Parteien können dabei das für ihr Anliegen geeignete Verfahren wählen. Die Kosten der Streitlösung in Form von Stunden- beziehungsweise Tagessätzen tragen die Konfliktparteien. Bei der Auswahl des Mediators, Schlichters oder Adjudikators sind die Parteien frei – nur Einigkeit muss herrschen.

Empfehlung der Redaktion

2014 | OriginalPaper | Buchkapitel

Mediation und andere Verfahren der Streitbeilegung

Es werden zahlreiche Vorschläge zur Konfliktvermeidung und Konfliktlösung im Planen und Bauen anhand praktischer Fälle vorgeschlagen. Neben der Mediation wird auch die Adjudikatin, die Schlichtung und das Schiedsverfahren vorgestellt. Die Vorzüge und Nachteile sowie die Kosten werden ins Verhältnis gesetzt.


Erstmals eine außergerichtliche Institution

Die ebenfalls vorgesehene Schiedsgerichtsbarkeit, bei der ein Schiedsrichter mit Befähigung zum Richteramt tätig wird, steht den Parteien zur Konfliktlösung ebenfalls zur Verfügung. Für alle Verfahren gibt es entsprechende Musterverträge.

Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA, betont, dass es mit der gemeinsamen Kontaktstelle nun erstmals in Deutschland eine außergerichtliche Institution zur Beilegung von Meinungsverschiedenheiten zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern im Bau- und Immobiliengewerbe gibt. Er erhofft sich davon eine verbesserte Zusammenarbeit. Der Präsident des HDB, Thomas Bauer, ergänzt, dass die neue Kontaktstelle ein effizienterer Weg der Streitbeilegung sei.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

01.06.2015 | Baubetrieb | Im Fokus | Onlineartikel

ADR-Verfahren im Bauvertrag berücksichtigen

04.11.2014 | Baubetrieb | Interview | Onlineartikel

„Meister im qualifizierten Zuhören“