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22.04.2013 | Baustoffe | Im Fokus | Onlineartikel

Keine oberflächliche Sache – Gestaltung von Sichtbetonflächen

Autor:
Annette Galinski
1:30 Min. Lesedauer

Unter Sichtbeton versteht man Beton, dessen Ansichtsflächen gestalterische Funktionen übernehmen und die je nach Art und Beschaffenheit der Schalung ein bestimmtes Aussehen aufweisen. Die entsprechenden Definitionen finden sich in der Norm DIN 18217 „Betonoberflächen und Schalhaut“. Die Anforderungen an die Betonoberfläche müssen individuell und ausreichend beschrieben werden.

Die alleinige Angabe "Sichtbeton“ im Leistungsverzeichnis reicht daher ohne eine Konkretisierung nicht aus. Dazu legte das vom Deutschen Beton- und Bautechnik-Verein E.V. (DBV) und dem Bundesverband der Deutschen Zementindustrie e.V. (BDZ) im Jahr 2004 verfasste "Merkblatt Sichtbeton“ vier Sichtbetonklassen (SB 1 bis SB 4) fest. Sie unterscheiden sich durch Anforderungen an die Textur, die Porigkeit, an die Farbtongleichmäßigkeit, die Ebenheit sowie an die Qualität von Arbeits- und Schalhautfugen. Weitere Anforderungen betreffen Hinweise zu Erprobungsflächen und die Qualität der Schalhaut. Diese Einteilung soll die Kommunikation zwischen Auftraggeber, Architekt, Planer sowie der Bauausführung erleichtern und eine objektive Bewertung der erreichten Sichtbetonqualität ermöglichen.

Sichtbetonklasse

Gestaltungsanforderungen

Anwendungsbereiche

SB 1

gering

Kellerwände

Bereiche mit gewerblicher Nutzung

SB 2

normal

Treppenhäuser

Neben- und Abstellräume

Stützwände

SB 3

hoch

Fassaden, Wohnräume

SB 4

besonders hoch

repräsentative Bauteile

Sichtbetonklassen nach DBV/BDZ-Merkblatt „Sichtbeton“ Tab. 1

Leistungsbeschreibung

Eine Leistungsbeschreibung für Sichtbetonbauteile sollte folgende Aspekte der Ausführung beinhalten:

Konstruktion

Art der Schalung und Anforderungen an die Ebenheit der Fläche

Gestaltung

Flächenaufteilung und Schalungsmusterplan

Aufteilung/Ausbildung von Fugen, Stößen und Ecken

Schalungsanker (Typ, Verschluss)

punktförmige Abstandhalter aus Faserzement

Textur

Schalhaut (Typ, saugend oder nicht saugend)

Anforderungen an z.B. nicht geschalte Oberflächen

nachträgliche Bearbeitung der Oberflächen wie z.B. Strahlen

Farbigkeit

Anfertigung von Farbmustern

Einsatz von:

Farbpigmenten oder flüssigen Farben,

besonderem Zement für z.B. hohe Farbintensität,

besonderen Gesteinskörnungen für die nachträgliche Bearbeitung

und/oder einer Lasur

Anforderungen an Herstellertoleranzen

Notwendige Angaben zu Sichtbetonflächen in Leistungsbeschreibungen

Zudem sollten konkrete Angaben bzw. Vereinbarungen

  • zu Muster- und Erprobungsflächen,

  • zur Vorgehensweise bei Oberflächenmängeln und

  • zu Schutzmaßnahmen für fertiggestellte Bauteile

in die Leistungsbeschreibung aufgenommen werden.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2011 | OriginalPaper | Buchkapitel

Sichtbetonklassen

Quelle:
Sichtbeton-Mängel

2009 | OriginalPaper | Buchkapitel

Ausschreibungshinweise

Quelle:
Sichtbeton Atlas

2009 | OriginalPaper | Buchkapitel

Ausführungsdetails

Quelle:
Sichtbeton Atlas
    Bildnachweise