Mauerwerkbruchmaterial recyceln
- 13.02.2015
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Bis zu zehn Millionen Tonnen Mauerbruchwerk fallen jährlich in Deutschland an.
Klaus Bindernowski / pixelio.de
Schätzungen zufolge fallen pro Jahr bis zu zehn Millionen Tonnen heterogenes Material aus Mauerwerkbruch an. Dieses gilt es, durch ein hochwertiges Recycling wieder der Kreislaufwirtschaft zuzuführen.
In einem Forschungsprojekt überprüften Wissenschaftler die verschiedene Recyclingtechniken bei den Hauptwandbausteinarten Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton und Leichtbeton –differenziert je nach Zusammensetzung des Recyclingguts. Ziel war es, die Nachhaltigkeit verschiedener Recyclingoptionen für Mauerwerkbruch zu untersuchen und zu bewerten.
Mauerwerk wird wieder zur Alternative
Dies ist umso wichtiger, weil Mauerwerk wieder an Attraktivität gewinnt. So heißt es im Kapitel „Mauerwerk“ des Springer-Fachbuchs „Lehrbuch der Hochbaukonstruktionen“ beispielsweise: „Mauerwerk als Baustoff hatte in der Zeit des Vormarschs von Stahlbeton, Stahl und Glas an Boden verloren, konnte aber in der Massenanwendung bis zum Mehrgeschossbau seine Position halten und stabilisieren. In den letzten Jahren kommt Mauerwerk wieder mehr zu Ehren, weil Stein- und Mörtelhersteller mit den steigenden energetischen und bauphysikalischen Anforderungen mithalten konnten.“ Sie hätten Mauerwerksprodukte auf den Markt gebracht, die sich inzwischen stark von den traditionellen unterscheiden, die Erfüllung der heutigen Kennwerte ermöglichen und die Vorteile dieses massiven Baustoffs besser zum Tragen bringen.
Ergebnisse flossen in ein Analysetool
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Die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt führten die Wissenschaftler in einem Berechnungsmodell zusammen. Dabei wurden sowohl ökologische als auch ökonomische und logistische Aspekte berücksichtigt. Schließlich entstand auf Grundlage dieser Daten ein EDV-gestütztes Analysetool in Form einer webbasierten Software.
Dieses Web-Tool ermöglicht es Planern, Architekten und Recyclern für die Mauerwerksrestmassen einzelner Objekte individuelle und verlässliche Aussagen zur Nachhaltigkeit zu treffen. Die Anwender können verschiedene Einflussgrößen wie beispielsweise Stoffart, Stoffmix, Menge und Logistikoptionen variieren und situationsspezifische Vergleiche ausführen.
Kosten der Deponierung senken
So können nachhaltige Stoffkreisläufe im Mauerwerksbau geschlossen und letztlich die Deponierung von Mauerwerksrestmassen vermieden werden – zumal Deponieraum knapper wird und die Kosten für eine Deponierung steigen. Von den Ergebnissen würden laut den Initiatoren nicht nur mauerwerksproduzierende kleine und mittlere Unternehmen profitieren, sondern auch solche aus dem Bereich der Recyclingwirtschaft.
Rezyklierte Gesteinskörnungen und Normalbeton
Allerdings gibt es bei recycelten Materialen auch weiterhin einiges zu beachten. So heißt es im Kapitel „Gesteinskörnungen für Mörtel und Beton“ des Springer-Fachbuchs „Wendehorst Baustoffkunde“ unter anderem: „Rezyklierte Gesteinskörnungen dürfen zur Herstellung von Normalbeton bis zur Druckfestigkeitsklasse C30/37 eingesetzt werden; ihre Verwendung für Spannbeton und Leichtbeton ist nicht zulässig.“ Betone, bei denen die gesamte Gesteinskörnung aus rezykliertem Material bestehe, würden einen deutlich geringeren E-Modul und ein von Normalbeton abweichendes Bruchverhalten aufweisen. Ihre Bemessung nach den üblichen Regeln für Normalbeton sei daher nicht mehr ohne Weiteres möglich. Aus diesem Grunde werde der Anteil des Rezyklats an der Gesamtkörnung begrenzt; „die maximal zulässigen Werte hängen außer vom Liefertyp zusätzlich von der Expositionsklasse des Betons sowie von Anforderungen aus der Alkali-Richtlinie ab.“
Organisiert wurde das Forschungsvorhabens im Rahmen der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) von der AiF-ForschungsvereinigungPorenbetonindustrie e.V. Es war eines von insgesamt acht Vorhaben in mauersteinübergreifenden Forschungsprojekten des breit aufgestellten gemeinschaftlichen Forschungsprojekts „SIM Stoffkreislauf im Mauerbau“, das von der deutschen Mauersteinindustrie durchgeführt wurde.