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03.05.2019 | Baustoffe | Im Fokus | Onlineartikel

Ein Pavillon rein aus Sekundärrohstoffen

Autor:
Christoph Berger

Werden neue Baustoffe und -materialien getestet und vorgestellt, geschieht dies oft mithilfe eines Pavillons. So auch auf der Bundesgartenschau 2019, auf der ein Pavillon aus wiederverwendeten und -verwerteten Materialien gezeigt wird.

Auf der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn zeigen das Umweltministerium Baden-Württemberg und die Entsorgungsbetriebe der Stadt Heilbron im Mehr.WERT.Garten, wie aus AbfalI Mehrwert werden kann. Herzstück des Gartens ist ein Pavillon aus Stahl und Glas, der komplett aus Recyclingmaterialien gebaut wurde – der Entwurf ist ein Gemeinschaftsprojekt von Studierenden des KIT und den Fachgebieten Nachhaltiges Bauen, Tragkonstruktion und Bautechnologie. "Als rohstoffarmes Land braucht Baden-Württemberg innovative Ansätze, um Ressourcen zu schonen und aus Abfällen neue Rohstoffe und Energie zu gewinnen", sagte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller bei der offiziellen Eröffnung des Gartens am 2. Mai 2019. Und Dirk E. Hebel, Professor für Nachhaltiges Bauen am KIT: "Es war uns wichtig, dass nachhaltige Architektur attraktiv und relevant sein muss. Gerade im Bauwesen ist ein Umdenken möglich, denn wir sind heute schon in der Lage die Kreislaufwirtschaft im Bau zu etablieren, wir müssen es nur tun."

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Nachhaltig Konstruieren

Im Kern des nachhaltigen Bauens geht es darum, unter dem Leitbild der Nachhaltigkeit eine ökologisch, ökonomisch und soziokulturell angemessene Planung zu erstellen und umzusetzen.


Stahl aus zurückgebautem Kohlekraftwerk

So haben alle im Projekt eingesetzten Materialien bereits mindestens einen Lebenszyklus durchlaufen. Nach dem Rückbau werden sie außerdem wieder komplettbar trennbar sein. Auf Klebstoffe, Schäume, Anstriche oder auch andere Imprägnierungen wurde verzichtet. Die Autoren des Kapitels "Nachhaltig Konstruieren" im Springer-Fachbuch "Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 2" befassen sich ausführlich mit den unterschiedlichsten Aspekten des nachhaltigen Bauens.

Das aus vier Schrägstützen und einer starren Konstruktion bestehende Tragwerk des Pavillons wurde komplett aus Stahl hergestellt, der fast vollständig aus einem zurückgebauten Kohlekraftwerk in Nordrhein-Westfalen stammt. Mit Sichtprüfungen sowie in Laboren und einer Versuchsanstalt wurde der Stahl auf seine Zugfestigkeit, Elastizität, Widerstandsfähigkeit und chemische Zusammensetzung untersucht.

Backsteine aus mineralischem Bauschutt

Die Fassade wiederum besteht aus wiederverwertetem Glas, aus recyceltem Flaschenglas und Industrieglasabfällen, das zu zwei verschiedenen Baustoffen weiterverarbeitet wurde: zu Glaskeramik und Schaumglas. Für den Boden wurden verschiedene mineralische Materialien kombiniert: Beton- und Ziegelbruch in verschiedenen Körnungen, Porzellanbruch, direkt wiederverwendete Klinkersteine und "WasteBasedBricks", Backsteine aus mineralischem Bauschutt. Die Möbel und Einbauten schließlich wurden aus unterschiedlichen Kunststoffmaterialien hergestellt: Genutzt wurden recycelte Textilfasern aus weißer Baumwolle und Denim-Jeansstoffe, wiederverwertete Küchen-Schneidebretter und Kunststoff-Hausabfälle.

Begleitet wird der noch bis zum 6. Oktober 2019 zu sehende Pavillon von sieben drehbaren Ausstellungs-Türmen. Bei diesen wird Wissenswertes über insgesamt sieben Wertstoffe, wie Glas, Metall, Plastik oder Bauschutt und deren innovative Wiederverwertung vermittelt.

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