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23.05.2019 | Baustoffe | Im Fokus | Onlineartikel

Industrielle Reststoffe für die Zementherstellung

Autor:
Christoph Berger
1:30 Min. Lesedauer

Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, umweltfreundlichere und nachhaltigere Zementvarianten zu produzieren. Denn: Der Bedarf nach dem Baumaterial steigt, seine Herstellung ist jedoch ein klimaschädlicher Prozess.

"Die Zementindustrie gehört zu den energieintensivsten Branchen. Die notwendige Energie wird bei der Zementherstellung im Wesentlichen für das Sintern des Zementklinkers aufgewendet", heißt es im Kapitel "Alternativer Brennstoff für die Zementindustrie" des Springer-Fachbuchs "100 Betriebe für Ressourceneffizienz – Band 2". Zudem beziffern Geowissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) den weltweit jährlich ausgestoßenen Kohlenstoffdioxid im Kontext der Herstellung von Bauzement mit rund acht Prozent. Bei der Suche nach Wegen, umweltfreundlichere und nachhaltigere Zementvarianten zu produzieren, sind sie auf industrielle Reststoffe gestoßen, mit denen sich hochwertige und klimaschonende Baustoffe herstellen lassen – so beschrieben im Fachmagazin "Construction and Building Materials".

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Den Fokus ihrer Untersuchungen legten die Wissenschaftler dabei auf den für die Zementherstellung notwendigen Grundrohstoff Kalkstein. Ließe sich zu diesem eine Alternative finden, könnte sich ein enormes Einsparpotenzial ergeben, so der Gedanke der Forscher. "Pro Tonne Kalkstein wird bei der Herstellung von Zement etwa eine Tonne Kohlenstoffdioxid freigesetzt. Der wesentliche Anteil davon stammt aus dem Kalkstein selbst", sagt Prof. Dr. Herbert Pöllmann von der MLU.

Eigenschaften wie bei konventionellen Mischungen

Die Lösung fanden die Wissenschaftler in industriellen Reststoffen aus der Kaolin- und Aluminiumproduktion. Beide Reststoffe enthalten kein Kohlenstoffdioxid, das bei der weiteren Verarbeitung freigesetzt werden könnte. Tests der Forscher belegen außerdem, dass mit den Alternativstoffen gleiche Eigenschaften wie bei konventionellen Mischungen erzielt werden können.

Wenn es nicht ein kleines Manko gäbe, könnten die Produzenten, so Pöllmann, einerseits komplett auf die klimafreundlicheren Stoffe umschwenken oder Mischzemente herstellen, die einen geringeren Kalksteinanteil aufweisen und so ebenfalls klimaschonend seien. Doch: "Die industriellen Reststoffe reichen nicht aus, um den globalen Zementbedarf zu decken", sagt er. Deshalb sucht er mit seinem Team auch nach geeigneten Naturprodukten, wie vulkanischen Aschen oder verschiedenen mineralischen Rohstoffen, die bisher nicht industriell verwertet werden und ebenfalls kein CO2 freisetzen.

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