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Über dieses Buch

Ressourcenverknappung durch den Raubbau an der Natur, steigende Rohstoffpreise und die globale Krise der Rohstoffversorgung sind Bedrohungsszenarien, welche uns immer wieder beschäftigen und allzu oft als kaum abwendbares Schicksal erscheinen.

Doch wie sieht die Rohstoffsituation in der Welt tatsächlich aus? Wie ist die Tatsache einzuordnen, dass die Menge der bekannten Rohstoffreserven entgegen der naheliegenden Vermutung tatsächlich schneller anwächst als der Rohstoffverbrauch? Müsste man anstelle der Gefahr von Ressourcenknappheit nicht viel eher von einer Rohstofffülle sprechen? Halten die fossilen Rohstoffe länger vor als die Regenerativen?

Eine These dieses Buches ist, dass die Gewinnung von Rohstoffen grundsätzlich mit Eingriffen in den Naturhaushalt verbunden ist, die sich dennoch weitgehend umweltverträglich durchführen lassen. Anhand zahlreicher Fallbeispiele wird zudem veranschaulicht, weshalb vergangene Fehlentwicklungen und zweifellos bestehende Missstände keine spezifischen Probleme der Rohstoffwirtschaft darstellen, sondern eher als Abbild der jeweils herrschenden gesellschaftlichen Systeme zu deuten sind.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einführung

Zusammenfassung
Die Gewinnung von Bodenschätzen ist eine der ältesten wirtschaftlichen und kulturellen Tätigkeiten überhaupt. Die Bergbauprodukte unterschiedlichster Art sind für den Menschen unentbehrlich. Trotzdem wird die Rohstoffgewinnung in der Öffentlichkeit zunehmend kritisch gesehen und heute vor allem unter dem Aspekt des Umweltschutzes eher als Belastung für eine Region denn als wirtschaftlicher Gewinn empfunden. Völlig konträre Aussagen zur Sicherheit der zukünftigen Rohstoffversorgung, die parallel von verschiedenen Bundesbehörden geäußert werden, tragen zur Verunsicherung der Öffentlichkeit bei.
Volker Wrede

Kapitel 2. Kritik am Bergbau – eine alte Geschichte

Zusammenfassung
Bereits im ältesten Lehrbuch der Bergbauwissenschaften im deutschsprachigen Gebiet, in Georg Agricolas Zwölf Büchern vom Berg- und Hüttenwesen aus dem Jahr 1556, nimmt die Diskussion um den Sinn und Nutzen des Bergbaus und seine Umweltauswirkungen einen breiten Raum ein. Agricola diskutiert die seinerzeit vorgebrachten Einwände wirtschaftlicher, moralisch-ethischer und ökologischer Art zum Teil unter Rückgriff auf antike Quellen, in denen sich bereits ähnliche Erörterungen finden. Er kommt zu dem Schluss, dass der Bergbau dem Menschen nützlich ist und die durchaus erkannten Risiken und Probleme durch die wirtschaftliche Wertschöpfung bei Weitem aufgewogen werden. Ein Leben ohne die Bergbauprodukte, bei Agricola überwiegend die Metalle, ist in seinen Augen nicht vorstellbar. Die Skepsis, auf die der Bergbau schon seit der Antike immer wieder stößt, liegt zum Teil darin begründet, dass die Bergbautätigkeit oftmals im Verborgenen stattfindet und deshalb für den Laien nicht nachvollziehbar ist.
Volker Wrede

Kapitel 3. Klärung von Begriffen

Zusammenfassung
Wichtige lagerstättenkundliche Begriffe wie „Rohstoffvorkommen“, „Lagerstätte“, „Bauwürdigkeit“ sowie „Reserve“ und „Ressource“ werden erläutert. Außerdem wird gezeigt, dass diese Begriffe weniger geologischer Natur sind, sondern wirtschaftliche Begriffe, die dynamisch von den jeweiligen Marktbedingungen bestimmt werden. Teilweise werden diese Begriffe in den Umweltwissenschaften anders benutzt als in den Montanwissenschaften. Der ursprünglich aus dem Bergwesen stammende Begriff „Raubbau“, der zunächst einen unsachgemäßen Rohstoffabbau bezeichnete, wurde im Laufe der Zeit auch auf andere Wirtschaftsbereiche übertragen und hat dabei einen Bedeutungswandel erfahren. Der moderne Begriff „Nachhaltigkeit“ beschrieb zunächst „enkelgerechtes“ Wirtschaften. Seine Bedeutung wurde politisch ausgeweitet auf generell generationengerechtes, umweltverträgliches und sozial verantwortungsvolles Handeln in fast allen Lebensbereichen. Er wird heute meist im Zusammenhang mit regenerativen Wirtschafts- und Sozialsystemen benutzt. Seine Anwendbarkeit auf die Rohstoffversorgung wird diskutiert.
Volker Wrede

Kapitel 4. Herkunft und ursprüngliche Bedeutung des Begriffs „Nachhaltigkeit“

Zusammenfassung
Der Begriff des „Nachhaltens“ ist schon für die Zeit vor 1675 belegt. Die Übernutzung der Wälder führte im 18. Jahrhundert zu einer Versorgungskrise beim Rohstoff Holz. Der Sächsische Oberberghauptmann von Carlowitz propagierte 1713 als Gegenmaßnahme „nachhaltiges Wirtschaften“. Es sollte nur so viel Holz entnommen werden, wie zu ersetzten war. Außerdem sollte Holz durch Georessourcen ergänzt werden. Der Ersatz von Bioressourcen durch Georessourcen begründete die industrielle Revolution. Carlowitz’ Ideen wurzelten im Posteritätsprinzip des Bergbaus, für den Generationen übergreifende Planungen unabdingbar sind. Dieses Prinzip geht über die Forderung enkelgerechten Wirtschaftens hinaus, da es nicht nur die zukünftigen Bedürfnisse berücksichtigt, sondern Investitionen fordert, die erst spätere Generationen nutzen. Auch die Landwirtschaft war im 18. Jahrhundert an ihre Grenzen gestoßen. Die Einführung von Mineraldünger im 19. Jahrhundert löste das existentiell werdende Ernährungsproblem.
Volker Wrede

Kapitel 5. Wie lange reichen unsere Rohstoffe?

Zusammenfassung
Die Rohstoffvorräte sind keine statische Größe. Die wirtschaftlich nutzbare Menge der Rohstoffe wird von zahlreichen sich dynamisch und sich mitunter sehr schnell verändernden Bedingungen auf Angebots- wie auf Nachfrageseite definiert. Diese Veränderungen sind kaum vorherseh- oder abschätzbar. Die Rohstoffexploration weist in der Regel eine Versorgungssicherheit von mindestens 30 Jahren nach. Sie sichert daher nicht nur den aktuellen Bedarf, sondern auch die Versorgung der nächsten Generationen. Weiter gehende Prognosen sind wenig verlässlich und haben sich in der Vergangenheit als meist zu pessimistisch erwiesen.
Volker Wrede

Kapitel 6. Der Planet wird geplündert – oder: Ist genug für alle da?

Zusammenfassung
Eine Rohstoffverknappung setzt Regelmechanismen in Gang, durch die die Exploration verstärkt wird und die eine höhere Rohstoffeffizienz bewirken. Die Substitution der fossilen Energieträger Kohle und Erdöl allein durch erneuerbare Energien dürfte schon von deren Flächenbedarf her nicht realisierbar sein. Erdgas als relativ sauberer Energieträger wird noch für viele Jahrzehnte unverzichtbar bleiben. Politische Instabilitäten und Monopolbildungen können die Verlässlichkeit der Rohstoffversorgung negativ beeinflussen. Die Fortschritte bei der Rohstofferkundung, der Bergbautechnik und bei der Effizienz der Rohstoffnutzung und des Transportwesens überwiegen bei Weitem den Anstieg des Rohstoffbedarfs, so dass heute mehr Rohstoffe zur Verfügung stehen als jemals zuvor. In der Folge sinken die Rohstoffpreise langfristig in Relation zu den übrigen Lebenshaltungskosten.
Volker Wrede

Kapitel 7. Sind die Rohstoffvorräte endlich oder begrenzt?

Zusammenfassung
Im geschlossenen System der Erde ist die Menge der Georessourcen endlich. Die Menge ist aber in dem für den Menschen zugänglichen Teil der Erdkruste extrem groß und kann theoretisch jeden voraussehbaren Bedarf decken. Wie groß der Anteil der Gesamtmenge ist, der sich technisch-wirtschaftlich tatsächlich gewinnen lässt, lässt sich nicht abgrenzen, sondern unterliegt der ökonomischen Dynamik.
Die verfügbare Menge der theoretisch endlos zur Verfügung stehenden Bioressourcen ist dagegen durch die zur Verfügung stehenden Anbauflächen begrenzt.
Volker Wrede

Kapitel 8. Rohstoffgewinnung und Umwelt

Zusammenfassung
Jede Rohstoffgewinnung ist mit einem Eingriff in die Umwelt verbunden. Die Standortgebundenheit der Rohstoffvorkommen und der gesetzliche Auftrag der Daseinsvorsorge erfordern eine landesplanerische Rohstoffsicherung. Im Rahmen der Abbaugenehmigungen erfolgen zumindest in Deutschland auch Festlegungen zur Rekultivierung und Renaturierung ehemaliger Rohstoffgewinnungsflächen. Durch vorausschauende Planung lassen sich die negativen Folgen des Rohstoffabbaus minimieren. Renaturierte Abbauflächen können in erheblichem Maße zur Biodiversität einer Landschaft beitragen. Der Bergbau hat bedeutende Kulturgüter bis hin zu Welterbestätten geschaffen und trägt zur Schaffung von Infrastruktur und Wirtschaftsentwicklung bei. Fehlentwicklungen im sozialen Bereich und beim Umweltschutz sind weniger bergbauspezifisch als vielmehr ein Abbild der jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Systeme, unter denen der Bergbau betrieben wird.
Volker Wrede

Kapitel 9. Fazit

Zusammenfassung
Die Rohstoffgewinnung ist ein Teil der unverzichtbaren Daseinsvorsorge für den Menschen. Die Nutzung von Bodenschätzen ist insbesondere notwendig, um die 2015 definierten Nachhaltigkeitsziele der UNO zu erreichen, für die Ernährung der Weltbevölkerung und die Realisierung der Energiewende. Der Gedanke nachhaltigen, generationengerechten Wirtschaftens wurde in Europa erstmals im Zusammenhang mit der Berg- und Forstwirtschaft in der frühen Neuzeit formuliert. Bezieht man die vorauslaufende Exploration in das Bild ein, so ist die Rohstoffgewinnung als nachhaltig im Sinn der UN-Konferenz von Rio de Janeiro 1992 zu bezeichnen, da die Menge der verfügbaren Rohstoffe auch für die künftigen Generationen zunimmt. Trotz der damit verbundenen unvermeidlichen Eingriffe in die Natur kann Rohstoffgewinnung bei sachgemäßer Rekultivierung umweltverträglich durchgeführt werden. Durch Schaffung von Infrastruktur und Wirtschaftswachstum kann sie zur regionalen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung beitragen. Missstände und Fehlentwicklungen müssen kritisiert und behoben werden. Hierzu sind alle Beteiligten verpflichtet, vor allem die Gesellschaften und Regierungen in den betroffenen Ländern.
Volker Wrede

Backmatter

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