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06.11.2019 | Beschaffungscontrolling | Im Fokus | Onlineartikel

Supply Chain Controlling hat großen Optimierungsbedarf

Autor:
Sylvia Meier

Steigende Kosten in der Lieferkette stellen Unternehmen vor Herausforderungen. Unterbrechungen in der Supply Chain schlagen zusätzlich zu Buche. Doch im Controlling vieler Firmen fehlt der genaue Überblick, trotz vieler Risiken. 

Eine aktuelle Untersuchung der Beratungsgesellschaft Emporias zeigt, dass es noch Verbesserungsbedarf im Supply-Chain-Management gibt. Für die Studie "Supply-Chain-Management in Industrieunternehmen 2019" wurden insgesamt 100 Entscheider aus Industrieunternehmen ab 500 Mitarbeitern befragt. Rund die Hälfte der Entscheider sieht ein großes Einsparpotenzial in der Lieferkette. Doch wie gut kennen die Entscheider überhaupt die Kosten in diesem Bereich? 73 Prozent der Befragten meinen, dass es hier mehr Transparenz geben muss. Die wichtigsten Ergebnisse: 

  • Bei 94 Prozent liegen die relevanten Daten auf verschiedenen Ebenen vor und können nicht miteinander verrechnet werden.
  • 78 Prozent empfinden die verursachungsgerechte Kostenzurechnung als sehr schwierig.
  • 69 Prozent halten die aktuellen Systeme und Controlling-Tools für die Abbildung der Kosten der Lieferkette für nicht geeignet.
  • Bei 67 Prozent liegen die logistischen Stammdaten gar nicht vor oder sind nicht gepflegt.

"Störungen in der Lieferkette sind bei den immer verzweigteren, eng getakteten Lieferanten- und Transportnetzwerken nicht ungewöhnlich", erklärt der Emporias-Experte Carsten Jacobi. "Sie sollten aber unbedingt einkalkuliert werden, da sie die Gesamtkosten der Supply Chain stark nach oben treiben können. Die Ursachen fallen im Controlling häufig nicht auf."

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Störungen in der Lieferkette kosten Millionen 

Die Studienergebnisse zeigen, dass viele Firmen beim Supply Chain Controlling dringend nachsteuern müssen. Ein ähnliches Bild zeichnet die Studie "Supply Chain Risk Management – Herausforderungen und Status quo" vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und Riskmethods. 

Obwohl die Risiken in der Lieferkette zunehmen und jede fünfte Lieferkettenunterbrechung bis zu einer Millionen Euro Schaden und mehr zur Folge hatte, führen nur 54 Prozent eine strukturierte Bewertung des Schadens durch. 30 Prozent verfügen nicht einmal über die Möglichkeit von Präventionsanalysen.

Controlling muss für Transparenz sorgen können 

Die Studienergebnisse zeigen, dass offensichtlich bei vielen Unternehmen die Informationsversorgung im Lieferkettenmanagement deutliche Schwächen aufzeigt. Doch genau das sollte mit einem erfolgreichen Supply Chain Controlling nicht der Fall sein:

Das Controlling der Supply Chain ist ein Subsystem der Führung. Zu seinen Aufgaben zählen die Planung, die Steuerung und die Kontrolle sämtlicher Aktivitäten innerhalb der Supply Chain. Erweitert werden diese Tätigkeiten durch die Sicherstellung einer Informationsversorgung des (Supply Chain) Managements. Dazu setzt das Controlling unterschiedliche Hilfsmittel ein," definiert Hartmut Werner in seinem Buchkapitel "Controlling der Supply Chain" (Seite 356).

Zu diesen Hilfsmitteln gehören laut Springer-Autor

  • Hard- und Software-Analysen, 
  • das Target Costing, 
  • Prozesskostenrechnung, 
  • der Economic Value Added, 
  • das Working Capital Management 
  • sowie das Supply Chain Performance Measurement.

Beispiel aus der Praxis: Henkel 

In ihrem Beitrag "Neue Herausforderung im Supply Chain Controlling" erklären Christian Hebeler und Robert Risse, am Beispiel von Henkel wie Organisationen den hochkomplexen Strukturen der Supply Chain begegnen können. Die Gesellschaft hat eine eigene Supply-Chain-Gesellschaft gegründet: die Global Supply Chain Company (GSCC). Die Autoren der Controlling & Management Review berichten, dass die GSCC das zentrale Drehkreuz für den globalen Entscheidungsprozess in der Supply Chain und im Einkauf ist: "Sie verantwortet die Lieferplanung, Beschaffung, Herstellung, Lagerhaltung und Verteilung für alle Unternehmensbereiche und hat seit Ende 2015 auch eine Zweigstelle in Singapur."

Die Kernaufgaben des Supply Chain Controllings bei Henkel umfassten klassischerweise:

  • Kostenrechnung und Controlling der Cost of Good
  • Globales Werks-Controlling
  • Investitionsplanung für die Produktions- und Logistikstandorte
  • Net-Working-Capital-Steuerung für das Vorratsvermögen

Mit der GSCC ergaben sich allerdings noch weitere Aufgaben:

  • Umwandlung der Produktion vom Cost Center zum Profit Center
  • Internationale Steuerung der Verbundbeziehungen mit Transferpreisstellung

Herausforderungen ergeben sich vor allem in steuer- und zolltechnischen Fragen. Doch die Autoren ziehen das Fazit: "Für Henkel hat die Gründung einer Supply-Chain-Gesellschaft und damit die Bündelung von operativen Prozessen der Supply Chain die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen (Steuer, Zoll, Einkauf, Supply Chain Controlling) gefördert und es möglich gemacht, eine Reihe an steuer- und zolltechnischen Optimierungen zu realisieren."

Die Gründung einer eigenen Gesellschaft für die Lieferkette wird nicht für jedes Unternehmen infrage kommen. Das Beispiel zeigt jedoch, dass Unternehmen sich Gedanken machen müssen, wie sie ihr eigenes Supply Chain Controlling auf die aktuellen Herausforderungen vorbereiten und aufrüsten können. Vor allem bei der Informationsversorgung und Kostentransparenz sollten mehr Potenziale ausgeschöpft werden als bisher.

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