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07.05.2021 | Beteiligung | Nachricht | Onlineartikel

Höhere Unternehmenssteuern vergraulen Investoren

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3 Min. Lesedauer

Der Krise zum Trotz zieht es noch immer viele internationale Investoren nach Deutschland. Doch die Attraktivität der Bundesrepublik könnte leiden, wenn mit höheren Unternehmenssteuern coronabedingte Finanzlöcher gestopft werden, ermittelt ein aktueller Steuer-Index.

"Deutschland, eines der wichtigsten europäischen Länder aus Sicht ausländischer Direktinvestitionen, verliert im internationalen Steuerwettbewerb immer weiter an Boden." Zu diesem Schluss kommt das ZEW in seinem Mannheim Tax Index, dessen Ergebnisse nun auf einer eigenen Seite aufbereitet sind. Danach sei Deutschland im Vergleich zu Frankreich, Italien, Großbritannien und dem EU-Durchschnitt aus "rein steuerlicher Perspektive ein vergleichsweise unattraktiver Standort für Unternehmen mit internationalen Investitionsalternativen". In der Analyse der Zahlen von 2020 weise nur Frankreich eine noch höhere Steuerbelastung auf traditionelle Geschäftsmodelle auf. 

Index analysiert Unternehmenssteuern in 35 Ländern

Der Index analysiert die Auswirkungen steuerpolitischer Entscheidungen auf die Attraktivität von Staaten als Unternehmensstandort weltweit. Dafür werden neben den effektiven Steuersätzen aller 27 EU-Staaten auch die steuerliche Belastung im Vereinigten Königreich, der Schweiz, Norwegen, den USA, Kanada, Japan, Nord-Mazedonien und der Türkei ermittelt und verglichen. Die Berechnungen zeigen, wo die einzelnen Staaten bei der Unternehmensbesteuerung stehen und welchen Effekt die Erhöhung oder Absenkung der Unternehmensteuer auf die steuerliche Standortqualität eines Landes hat. 

Da sich der Steuer-Index auf die effektive Durchschnittssteuerbelastung von Unternehmen beziehe, die bei Standortentscheidungen internationaler Konzerne "den wesentlichen Entscheidungsrahmen bildet", berücksichtigen die Berechnungen "Steuern auf die Gewinne und das eingesetzte Kapital der Kapitalgesellschaften". Einbezogen werden dabei die Tarifbelastungen dieser Steuern als auch die Interaktion der verschiedenen Steuerarten sowie die wichtigsten Regelungen zur Ermittlung der steuerlichen Bemessungsgrundlage. 

Entwicklung der effektiven Durchschnittssteuersätze

1998

2002

2006

2010

2014

2018

2020

Deutschland

41,2 %

35,8 %

35,5 %

28,0 %

28,2 %

28,9 %

28,9 %

Frankreich

39,8 %

34,9 %

34,4 %

32,8 %

38,3 %

33,4 %

31,5 %

Großbritannien

29,7 %

29,3 %

29,2 %

28,4 %

22,4 %

20,6 %

20,1 %

Italien

32,0 %

34,3 %

31,8 %

27,5 %

24,2 %

23,8 %

23,8 %

EU-Durchschnitt

29,1 %

26,0 %

23,7 %

21,9 %

21,7 %

20,0 %

19,7 %

Quelle: ZEW Mannheim

Um der pandemiebedingten Staatsverschuldung entgegenzuwirken, rücke nun in vielen Staaten verstärkt die Unternehmensteuer als Einnahmenquelle auf die Agenden. Vor allem der steuerpolitische Kurswechsel in Großbritannien und den USA befeuere diese Diskussion, so das ZEW. So will etwa die Biden-Administration unter der US-Finanzministerin Janet Yellen die Unternehmenssteuer des Landes von 21 auf 28 Prozent erhöhen. Zudem soll es eine Initiative zur Einführung einer globalen Mindeststeuer für Unternehmen in Höhe von 21 Prozent geben, berichten Medien. Beide Maßnahmen sollen für mehr Steuergerechtigkeit sorgen und das von Präsident Biden propagierte Infrastrukturprojekt finanzieren. 

Entsprechende Vorstöße könnten auch der deutschen Politik eine Vorlage liefern, Unternehmen steuerlich stärker in die Pflicht zu nehmen, um die in den vergangenen Monaten entstandenen Löcher im Staatshaushalt zumindest teilweise zu stopfen.

Mit Steuerreform Investitionsanreize schaffen

Die effektive Durchschnittsteuerbelastung eines profitablen Investitionsprojekts in Deutschland habe 2020 bei 28,9 Prozent gelegen und damit den EU-Durchschnitt um fast zehn Prozentpunkte überstiegen. Im Ranking liegen nur noch Spanien, Frankreich und Japan mit einer höheren Abgabenlast hinter der Bundesrepublik. "Die letzte große Belastungsreduktion liegt in Deutschland über zehn Jahre zurück. Mit der grundlegenden Steuerreform im Jahr 2008 wurde die effektive Belastung von Unternehmen in Deutschland um knapp 7,3 Prozentpunkte gesenkt und folgt seitdem aufgrund der Entwicklungen in der Gewerbesteuer einem leicht steigenden Trend", heißt es in der Analyse.

Ohne entsprechende Reformen sieht das ZEW Mannheim die Position Deutschlands aus steuerlichen Aspekten als Investitionsziel gefährdet. Die vergleichsweise hohe Effektivbesteuerung könne Investoren vor neuen Engagements in Deutschland abschrecken. Zur Refinanzierung der weitreichenden Corona-Hilfspakete bedürfe es auch einer stabilen Wirtschaftslage, "die ein attraktives Investitionsklima voraussetzt".

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