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29.07.2020 | Beteiligung | Infografik | Onlineartikel

Deutscher Beteiligungsmarkt atmet auf

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3 Min. Lesedauer

Sowohl für den Private-Equity-Markt als auch das Wagniskapital sehen die KfW-Volkswirte Entspannungszeichen. Die staatlichen Programme helfen den Portfoliounternehmen, und mancher Einstiegspreis gilt als besonders günstig.

"Die Erleichterung, dass die Krise viele Start-ups wohl weniger hart trifft als er-wartet, ist spürbar. Die Bereitschaft für Neuinvestitionen ist wieder gestiegen. Da die Einstiegsbewertungen nun aber als deutlich günstiger wahrgenommen werden als vor der Krise, könnte eine neue Investitionsdynamik in Gang kommen", erläutert KfW-Chefvolkswirtin Friederike Köhler-Geib die Ergebnisse des German Venture Capital Barometers für das zweite Quartal 2020.

Verunsicherung der Venture-Capital-Investoren ist gewichen

Die Auswirkungen der Corona-Krise haben laut der KfW-Analysten den deutschen Markt für Venture Capital (VC) Ende März stark verunsichert. Doch zwischenzeitlich habe sich das Geschäftsklima deutlich vom neuen Allzeittief lösen können. Im zweiten Jahresviertel legte der Indikator des Frühphasensegments laut Förderbank um 50 Zähler auf minus 11,1 Saldenpunkte zu. Er macht damit mehr als die Hälfte seines coronabedingten Einbruchs wieder wett. 

Die Bewertungen sowohl der aktuellen Geschäftslage als auch der Geschäftserwartungen der VC-Investoren haben sich ebenfalls erholt, heißt es weiter. So sei der Indikator für die aktuelle Geschäftslage um 39,1 Zähler auf minus 13,3 Saldenpunkte geklettert. Der Wert für die Geschäftserwartung schoss sogar um 60,9 Zähler auf minus 8,9 Punkte in die Höhe.

Positiv stimmten die VC-Investoren das Fundraising, das den negativen Bereich verlassen hat, aber auch Exitmöglichkeiten, Neuinvestitionen sowie Wertberichtigungen. Zwar weisen die letzten drei Indikatoren jeweils noch ein Minus auf, doch herrsche Erleichterung darüber, dass die Pandemie in Deutschland vorerst eingedämmt werden konnte und man im Vergleich zu anderen Ländern ökonomisch offenbar besser durch die Krise kommt, heißt es.

Erfreulich sei, dass sich die Beurteilung der Einstiegsbewertungen – erfahrungsgemäß ein gegenläufiger Indikator – nach seinem deutlichen Anstieg im ersten Quartal weiter verbessert. Hier könne es zu positiven Rückkopplungseffekten kommen, die den Markt wieder schneller wieder in Gang bringen.

Geschäftsklima bei Private-Equity-Beteiligungen verbessert sich

Auch das Geschäftsklima auf dem deutschen Private-Equity-Markt (PE) hat sich nach dem massiven Corona-Einbruch wieder gefangen. Der Geschäftsklimaindikator des Spätphasensegments holte im zweiten Quartal mehr als die Hälfte seiner Verluste wieder auf. Er kletterte um 45,6 Zähler auf minus 40,6 Saldenpunkte. Der Indikator für die aktuelle Geschäftslage steigt um 37,6 Zähler auf minus 44,0 Saldenpunkte und der Wert für die Geschäftserwartungen sogar um 53,6 auf minus 37,1 Zähler.

Obwohl sich die Stimmung in diesem Segment deutlich verbessert hat, bleiben damit die meisten Klimaindikatoren im Minus. Insbesondere was das Fundraisingklima, die Exitmöglichkeiten sowie den Wertberichtigungsdruck angeht, seien die Private-Equity-Investoren noch verstimmt. Die Werte haben sich trotz der Verbesserung auf dem Niveau der Finanzkrise eingependelt.

Dennoch seien die PE-Anleger bereit, Kapital in Neuinvestitionen zu stecken. Der entsprechende Indikator könne daher auch deutlich zulegen. Zusammen mit der nun nach wie vor guten Beurteilung der Einstiegsbewertungen seien das positive Aussichten. Als hilfreich sehen die KfW-Volkswirte hier die staatlichen Förderprogramme an, die relativ schnell umgesetzt wurden. Sie kommen zwar nicht den Private Equity-Investoren direkt zugute, aber ihren Portfoliounternehmen.

Marktentwicklung richtet sich nach der wirtschaftlichen Erholung

"Die Zuversicht ist zurück. Vieles wird jedoch davon abhängen, ob und wie schnell sich die Wirtschaft insgesamt erholen wird. Bei vielen Unternehmen werden sich erst im zweiten Halbjahr die vollen Auswirkungen der Krise zeigen. Beteiligungskapital kann sich dann als Stabilisierungsanker erweisen", betont Swantje von Massenbach, stellvertretende Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). 

Der BVK erstellt gemeinsam mit der KfW vier Mal im Jahr das German Private Equity Barometer sowie das German Venture Capital Barometer.

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