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Über dieses Buch

Wussten Sie,

dass durch Honig schon mal eine Schlacht entschieden wurde? dass sich das Reinheitsgebot für Bier ursprünglich gegen eine einheimische Rauschgiftpflanze gerichtet hat? dass der Wunderbaum Palma Christi ein Eiweiß produziert, das im deutschen Kriegswaffenkontrollgesetz aufgeführt wird? wieviele Pflanzen in Ihrem Hausgarten und in Parks giftig sind?

Antworten auf viele spannende Fragen wie diese liefert das Giftpflanzenbuch von Fritz Schade und Harald Jockusch. Der Künstler Schade hat Giftpflanzen nach der Natur mit Farbstiften porträtiert, der Biologe Jockusch informiert über botanische, biochemische und toxikologische Fakten. Die Darstellungen werden durch historische Rückblicke, Anekdoten und eigene Erfahrungen aufgelockert.

Im Buch folgt die Anordnung der Arten in etwa der jahreszeitlichen Abfolge des ersten Auftretens auffälliger giftiger Pflanzenteile. Wie die üblichen, mit Fotografien bebilderten Giftpflanzenratgeber dient ihr Buch der Gefahrenvermeidung, betont aber auch das Anschauungs- und Lesevergnügen.

Die künstlerischen Darstellungen in diesem Buch verbinden ästhetischen Reiz mit hohem Wiedererkennungswert. Sie können leichter verinnerlicht werden als detailreiche Fotografien. Das gilt vor allem für Kinder, die durch Giftpflanzen besonders gefährdet sind. Neben der blühenden wird die fruchtende Pflanze dargestellt, wenn dies für die Vergiftungsgefahr relevant ist.

In die 2. Auflage wurden 12 neue Pflanzenarten aufgenommen, von denen einige derzeit die Öffentlichkeit beschäftigen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einführung

Dieses Buch soll hier hilfreich sein – nicht mit einer Unzahl von Fotografien wie bei den bereits auf dem Markt befindlichen Gebrauchsbüchern, sondern mit künstlerischen Einzeldarstellungen der Pflanzen, mit denen Sie sich ihr charakteristisches Erscheinungsbild zusammen mit ihrem Namen einprägen können. Weiterhin werden die giftigen Pflanzen nicht nur in der Blüte dargestellt, sondern auch fruchtend. Für neugierige und spielende Kinder haben die Früchte und Samen oft mehr Anziehungskraft als die Blüten und in manchen Fällen sind sie die besonders giftigen Pflanzenteile. Ein Beispiel sind die „Böhnchen“ des Goldregens und die großen, sehr hübschen Samen des Wunderbaums.

Fritz Schade, Harald Jockusch

2. Christrose

Hahnenfußgewächse, Ranunculaceae

Die Christrose selbst ist in den Alpen heimisch, die Grüne Nieswurz mit grünen, glockenförmig hängenden Blüten sieht man zum Beispiel häufig an den schattigen Hängen des Mittelrheintals. Alle Pflanzenteile der Nieswurzverwandtschaft sind giftig. Die Gifte sind Saponine, die die Mundschleimhaut angreifen und übersteigerten Durst, Übelkeit, Durchfall, Herzrhythmusstörungen, schließlich Atemnot und Atemlähmung hervorrufen können.

Fritz Schade, Harald Jockusch

3. Efeu

Efeugewächse, Araliaceae

Blätter und besonders das Fruchtfleisch der reifen Beeren enthalten Saponine, die rote Blutkörperchen auflösen (Hämolyse), wenn sie in die Blutbahn gelangen, und nach Verzehr eine Reihe schwerer Symptome wie Schleimhautreizung, Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen und Ausschlag hervorrufen. Umso erstaunlicher ist es, im Winter zu beobachten, mit welcher Lust und Gier sich Amseln und andere Drosseln die Efeubeeren einverleiben. Kindern sollte man den Zugriff auf die hübschen Beeren nicht erlauben.

Fritz Schade, Harald Jockusch

4. Winterling

Hahnenfußgewächse, Ranunculaceae

Der Winterling ist durch ein Gemisch von Herzglykosiden (vgl. Fingerhut, Kap. 45) und anderen nach dem Gattungsnamen Eranthis genannten Verbindungen stark giftig, besonders die Knolle. Die Vergiftungserscheinungen reichen von Übelkeit und Erbrechen bis zum verlangsamten Puls und Herzstillstand.Also: Ansehen ja, essen nein.

Fritz Schade, Harald Jockusch

5. Zwiebeln: Zwiebel der Osterglocke und Küchenzwiebel

Amaryllisgewächse, Amaryllidaceae

Die Zwiebeln der beiden Narzissenarten sind giftig. Zwiebeln anderer Frühjahrsblüher sind stärker oder weniger giftig als Narzissenzwiebeln – da sollte man kein Risiko eingehen. Die Küchenzwiebel ist am sichersten an ihrem Geruch zu erkennen.

Fritz Schade, Harald Jockusch

6. Krokus

Schwertliliengewächse, Iridaceae

Sowohl die Zierkrokusse als auch der Safrankrokus sind durch alkohollösliche Kleinmoleküle, sogenannte Monoterpene, giftig, die bezeichnende Namen wie Crocin und Safranal tragen. Ihre erhebliche Giftwirkung reicht von Übelkeit über Erregungszustände mit Delirien und späterer Lähmung des Nervensystems bis zu Blutungen innerer Organe. Wegen des hohen Preises und der auch bei sehr hoher Verdünnung durchschlagenden Aroma- und Farbwirkung wird Safran nur in sehr geringen Mengen in der Küche eingesetzt. Vergiftungserscheinungen sind daher unwahrscheinlich.

Fritz Schade, Harald Jockusch

7. Huflattich

Korbblütler, Asteraceae

Einige Mitglieder dieser Kräuterfamilie enthalten jedoch Giftstoffe aus der chemischen Gruppe der Pyrrolizidinalkaloide (molekulare Grundstruktur ist ein Doppelfünfring mit einem Stickstoffatom), die Leberschäden verursachen können; und zu denen gehört neben dem Jakobskreuzkraut (Kap. 42) der Huflattich. Aber wer nimmt schon eine Hustenlinderung für einen Leberschaden in Kauf? Der hustenlindernde Schleim und seine wirksamen Begleitstoffe sind für die Giftwirkung auf die Leber offenbar nicht verantwortlich.

Fritz Schade, Harald Jockusch

8. Seidelbast

Seidelbastgewächse, Thymeleaceae

Zwei der Komponenten des Giftgemischs des Seidelbasts sind nach der Nymphe Daphne benannt, Daphnin und Daphnetoxin, eine weitere, Mezerein, nach dem Artnamen. Letzteres ist ein sehr kompliziert aufgebautes Ringsystem aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Die Gifte verursachen nach dem Verzehr eine Vielzahl äußerst unangenehmer Symptome, wirken aber auch äußerlich über die Haut. Die Rinde und die attraktiven roten Beeren sind besonders giftig. Für Erwachsene sollen etwa zehn Beeren tödlich sein, für Kinder entsprechend weniger.

Fritz Schade, Harald Jockusch

9. Märzbecher

Amaryllisgewächse, Amaryllidaceae

Beide Zwiebelpflanzen, das Kleine wie das Große Schneeglöckchen, sind als schwach giftig einzustufen. Blätter und Zwiebel enthalten giftige Alkaloide. Eine Verwechslungsgefahr besteht aber allenfalls zwischen den Zwiebeln dieser Pflanzen und den kleinen weißen Speisezwiebeln, die als Silberzwiebeln zur feinen Küche gehören.

Fritz Schade, Harald Jockusch

10. Scilla, Blaustern

Spargelgewächse, Asparagaceae

Die gesamte Scillapflanze ist giftig. Sie enthält Saponine und Herzglykoside (vgl. Fingerhut, Kap. 45). Unter den Mitteln gegen die bei einer Vergiftung durch Scilla eventuell auftretenden Herzbeschwerden wie eine Bradykardie (Verlangsamung des Herzschlags) findet sich auch Atropin, das Gift der Tollkirsche (Kap. 51) als Gegengift.

Fritz Schade, Harald Jockusch

11. Anemone

Hahnenfußgewächse, Ranunculaceae

Die in allen Pflanzenteilen der Anemonen vorhandenen Giftstoffe Anemonin und Protoanemonin und weitere, nicht näher bekannte Substanzen wirken äußerlich hautreizend. Eingenommen können sie Übelkeit, Brechreiz, Blutungen und Nierenschäden hervorrufen. Es heißt, erst durch das Verspeisen von 30 Anemonenpflanzen könne ein Erwachsener sterben. Es bietet sich eine alternative Verwendung an: Als Strauß auf dem Tisch, an dem auch Kinder ihre Freude haben können.

Fritz Schade, Harald Jockusch

12. Schöllkraut

Mohngewächse, Papaveraceae

Insgesamt muss man die Pflanze als stark giftig einstufen. Verantwortlich ist ein Alkaloidgemisch, das leicht betäubend, sedierend und krampflösend ist; es lässt willkürliche und glatte Muskulatur erschlaffen, regt aber die Herztätigkeit an und erhöht Blutdruck und Harndrang. Das klingt noch nicht dramatisch, aber bei höheren Dosen kommen innere Entzündungen, Blut im Stuhl, Herzrhythmusstörungen und Blutdruckabfall hinzu.

Fritz Schade, Harald Jockusch

13. Tränendes Herz

Mohngewächse, Papaveraceae Unterfamilie Erdrauchgewächse, Fumariaceae

Tatsächlich enthalten alle Pflanzenteile des Tränenden Herzens, besonders aber die rübenartige Wurzel, zugleich das Überwinterungsorgan, ein Alkaloidgemisch, von dem mehrere Komponenten Krämpfe und Lähmungen auslösen. Einige dieser Alkaloide finden sich im Schlafmohn, im Schöllkraut, dem engeren Verwandten Erdrauch und anderen Mohngewächsen.

Fritz Schade, Harald Jockusch

14. Maiglöckchen

Spargelgewächse, Asparagaceae

Die Giftstoffe befinden sich in der gesamten Pflanze, besonders konzentriert aber in Blüten und Früchten, also den für Kleinkinder attraktiven Pflanzenteilen. Es handelt sich um eine Vielzahl verschiedener zuckergebundener Kleinmoleküle (z. B. Convallatoxin). Die Vergiftungssymptome reichen von Übelkeit und Durchfall bis bis zu Brustbeklemmung, rasendem Puls, Blutdruckabfall und Herzstillstand.

Fritz Schade, Harald Jockusch

15. Goldlack

Kreuzblütler, Brassicaceae

Aber woher kommt die Giftwirkung des Goldlacks?Hierfür sind sowohl schwefelhaltige Verbindungen als auch als auch ein schwefelfreies, aus mehreren Ringen bestehendes Molekül verantwortlich, das ähnlich wirkt wie die Digitalis-Gifte (vgl. Kap. 45). Alle Pflanzenteile sind giftig, besonders die Samen.

Fritz Schade, Harald Jockusch

16. Aronstab

Aronstabgewächse, Araceae

Zur Familie der Aronstabgewächse gehören bekannte Zierpflanzen wie die Drachenwurz (Calla) und die tropische Flamingoblume (Anthurium), die ebenfalls giftig sind. Beim Aronstab enthalten alle Pflanzenteile ein noch wenig charakterisiertes Giftgemisch, das zu starker Schleimhautreizung, Herzrhythmusstörung, Nervenlähmung und Blutungen in der Mundhöhle und im Magen-Darm-Kanal führen kann.

Fritz Schade, Harald Jockusch

17. Blauregen, Glyzinie, Wisteria

Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Alle Teile der Pflanze sind giftig, besonders die Samen. Gifte sind ein Alkaloid, Wistarin und weitere Verbindungen. Zwei Samenkörner („Schokolinsen”) können bei Kindern schwere Vergiftungserscheinungen mit Magenbeschwerden, Erbrechen, aber auch Schlafsucht, Kreislaufbeschwerden bis hin zum Kollaps verursachen.

Fritz Schade, Harald Jockusch

18. Akelei

Hahnenfußgewächse, Ranunculaceae

Alle Teile der Pflanze sind giftig, besonders aber die Samen, wobei das Hauptgift ein blausäureabspaltendes Glykosid ist. Durchfall, Pupillenverengung, Benommenheit bis hin zur Ohnmacht werden als Vergiftungssymptome berichtet. Es gibt keine Berichte über dramatische Vergiftungsunfälle, man kann die Akelei also in einem Garten, in dem sie sich wohlfühlt, belassen.

Fritz Schade, Harald Jockusch

19. Vielblütiges Salomonssiegel, Vielblütige Weißwurz

Spargelwächse, Asparaginaceae

Die ganze Pflanze, insbesondere aber die blauschwarzen, leicht bereiften Beeren, sind giftig. Die Giftstoffe sind ein Gemisch aus kleinmolekularen Substanzen, unter anderem Saponine, die Übelkeit, Durchfall und Erbrechen hervorrufen und daher in der russischen Volksmedizin als Brechmittel verwendet wurden.

Fritz Schade, Harald Jockusch

20. Geißblatt, Jelängerjelieber

Geißblattgewächse, Caprifoliaceae

Es sind die im Spätsommer am Geißblatt wie an der Heckenkirsche reifenden roten, glänzenden Früchte, eher von Johannisbeer- als von Kirschgröße, die für Kinder durchaus verlockend sein können. Und genau diese Beeren enthalten einen ganzen Giftcocktail (cyanogene Glykoside, Saponine, Xylostein), der vermutlich bei allen Geißblattgewächsen vorkommt. Es wird von Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Brustschmerzen, ungewöhnlichem Harndrang, Schwindel, Schweißausbrüchen, Herzrasen usw. nach Genuss dieser Beeren berichtet. Man sollte es jedenfalls nicht darauf ankommen lassen und Kinder von ihnen fernhalten oder auf diese Pflanzen im Garten verzichten.

Fritz Schade, Harald Jockusch

21. Goldregen

Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Die Gifte des Goldregens sind Alkaloide, die in allen Pflanzenteilen, besonders konzentriert aber in den Blüten und den reifen Früchten vorkommen, wie das Cytisin (nach Cytisus, dem früheren Gattungsnamen des Goldregens) und das Laburnin (nach dem heutigen Gattungsnamen Laburnum). Die Vergiftungserscheinungen beginnen mit Brennen im Rachen, Durst und Übelkeit und setzen sich unbehandelt mit Würgen bis zu blutigem Erbrechen, Lähmungen, Krämpfen, Halluzinationen, Kollaps bis zum Tod durch Atemlähmung fort – ein höllisches Szenario! Drei bis vier Hülsen oder 15 bis 20 Samen sollen für Kinder tödlich sein. Es gibt Berichte über ganze Gruppen von Kindern mittleren Alters, die „Bohnen“ des Goldregens gegessen hatten und mit schweren Vergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Fritz Schade, Harald Jockusch

22. Immergrün

Hundsgiftgewächse, Apocynaceae

Die Vinca-Alkaloide aus nahe verwandten Arten und synthetische Derivate dieser Naturstoffe sind Zytostatika, sie hemmen die Zellteilung. Das macht einerseits die Giftigkeit dieser Pflanzen aus, andererseits aber auch ihre Verwendbarkeit in der Chemotherapie einiger Krebserkrankungen. Bei beiden Arten des Immergrüns ist die gesamte Pflanze einschließlich der Wurzeln giftig. Die Vinca-Alkaloide senken den Blutdruck und verursachen andere Kreislaufbeschwerden sowie Störungen des Magen-Darm-Trakts.

Fritz Schade, Harald Jockusch

23. Herbstzeitlose

Zeitlosengewächse, Colchicaceae

Das tödliche Gift, nach dem Gattungsnamen Colchicum Colchicin genannt, ist ein Alkaloid, das kompliziert aus drei Kohlenstoffringen mit Seitenketten aufgebaut ist. Es blockiert als Spindelgift die Teilung tierischer und pflanzlicher Zellen, indem es sich an die Proteinbausteine des Spindelapparats bindet, der die Chromosomensätze in der Spätphase der Zellteilung trennt. Dies erklärt seine verzögerte Wirkung im Vergleich zu anderen Alkaloiden.

Fritz Schade, Harald Jockusch

24. Besenginster

Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Was den Giftgehalt betrifft, so ist bei Hülsenfrüchtlern immer Vorsicht geboten. Die gesamte Ginsterpflanze enthält ein Gemisch von kleinmolekularen Giftstoffen, darunter diuretisch wirkende und herzwirksame, letztere aber ohne die positiven Wirkungen der Digitalis-Glykoside (Kap. 45, Fingerhut).Die Vergiftungserscheinungen sollen ähnlich denen des Nikotins sein. Ein Ginsterbusch stellt aber für Kinder keine besondere Verlockung dar.

Fritz Schade, Harald Jockusch

25. Robinie, Falsche Akazie

Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Achtung: Kinder sollten die auffälligen „Bohnen” nicht aufsammeln und zum Spielen in der Puppenküche verwenden – es gilt dasselbe wie beim Goldregen (Kap. 21): Der Robinienbaum mit allem Drum und Dran ist sehr giftig, das gilt besonders für Früchte, Rinde und Holz! Die jungen Bäumchen vertrauen nicht nur auf ihr Gift, sondern sind zudem mit kräftigen Dornen bewehrt. Die Vergiftungssymptome reichen von Erbrechen zu Schlafsucht und krampfhaften Zuckungen. Über tödliche Vergiftungen von Pferden, die Robinienrinde genagt hatten, ist berichtet worden.

Fritz Schade, Harald Jockusch

26. Hanf

Hanfgewächse, Cannabaceae

Hier geht es natürlich um die Gewinnung des Cannabisrauschgifts. Die betreffenden Hanfprodukte werden umgangssprachlich je nach Verarbeitungsgrad als Gras bzw. Marihuana (die getrockneten weiblichen Blüten) oder Haschisch (das getrocknete Harz) bezeichnet. Die unbefruchteten weiblichen Blüten enthalten die höchste Konzentration der begehrten Droge (sechs bis zwanzig Prozent!), die männlichen Pflanzen insgesamt weniger als die weiblichen, die Samenkörner, das daraus hergestellte Öl und aus den Blättern destillierte ätherische Öle sind frei davon, die Fasern aus dem Bast natürlich auch.

Fritz Schade, Harald Jockusch

27. Schlafmohn

Mohngewächse, Papaveraceae

Das Rohprodukt Opium enthält etwa vierzig verschiedene Alkaloide, von denen das Schmerzmittel und Rauschgift Morphin (früher Morphium genannt, nach Morpheus, dem griechischen Gott der Träume) und das (in Deutschland rezeptpflichtige) Mittel zur Hustenlinderung Codein die bekanntesten sind. Aus dem natürlichen Morphin kann durch eine einfache chemische Veränderung (Anlagerung zweier Essigsäurereste, Acetylierung) das vielfach wirksamere und deshalb gefährliche Suchtmittel Heroin (das „heldenhafte“ Schmerzmittel, Verkaufsname der Herstellerfirma Bayer, 1896) hergestellt werden.

Fritz Schade, Harald Jockusch

28. Rhododendron

Heidekrautgewächse, Ericaceae

Bei der gesamten Pflanzengruppe ist Vorsicht geboten, da mindestens die Blätter ein Gemisch von kleinmolekularen Giftstoffen (sogenannten Diterpenen) enthalten, die chemisch denen der Thuja (vgl. Kap. 58) ähneln und unter dem Namen Grayanotoxine bekannt sind. In der Volksmedizin wurden früher Auszüge aus Rhododendronblättern verwendet. Diese können sehr gefährlich sein, da sie, je nach Ausgangsmaterial und Konzentration, zur Pulsverlangsamung, Blutdruckabfall, Krämpfen, Herzversagen und Atemstillstand führen können.

Fritz Schade, Harald Jockusch

29. Schwarzer Nachtschatten

Nachtschattengewächse, Solanaceae

Der Schwarze Nachtschatten, nach der Farbe seiner Beeren benannt, ist ein recht häufiges, einen halben Meter hohes, unscheinbares Kraut, das uns an Zäunen, auf ungepflegten Beeten und Schuttplätzen begegnet. Alle Teile des Nachtschattens sind giftig, besonders die unreifen Beeren.

Fritz Schade, Harald Jockusch

30. Bittersüßer Nachtschatten

Nachtschattengewächse, Solanaceae

Der Bittersüße Nachtschatten ist gefährlicher als der Schwarze Nachtschatten, dreißig bis vierzig unreife Beeren sollen für Kinder tödlich sein. Giftstoffe sind Alkaloide (Solanin) und Saponine. Die Vergiftungssymptome sind vielfältig: Neben Übelkeit und Erbrechen sind es Zungenlähmung, schmerzhafter Durchfall, zunächst beschleunigter, dann verlangsamter Puls, Muskelkrämpfe und Atemlähmung.

Fritz Schade, Harald Jockusch

31. Rittersporn

Hahnenfußgewächse, Ranunculaceae

Seine Giftigkeit – die ist bei der Gartenstaude sogar noch höher als bei dem zierlichen Ackerunkraut. Es handelt sich um ein Gemisch von Alkaloiden, das ein Spektrum sehr unangenehmer Vergiftungserscheinungen hervorruft, Todesfälle scheinen aber nicht bekannt zu sein.

Fritz Schade, Harald Jockusch

32. Kirschlorbeer

Rosengewächse, Rosaceae

Das Besondere am Kirschlorbeer ist, dass er das Gift nicht nur in den Kernen, sondern auch in den Blättern enthält. In den Kernen ist es besonders konzentriert und sie sind nicht so hart wie Kirschkerne. Das Zerkauen und Verschlucken von mehr als zehn Kernen soll lebensgefährlich sein. Also Vorsicht mit diesem scheinbar harmlosen Heckenstrauch, vor allem bei Kindern!

Fritz Schade, Harald Jockusch

33. Riesen-Bärenklau, Herkulesstaude

Doldenblütler, Apiaceae

Solange dieses Kraut grün im Saft steht, sind die riesigen, fiederschnittigen Blätter nicht nur kratzig. Sie sind von Drüsenhaaren bedeckt, die beim Abbrechen, ähnlich wie die Drüsenhaare der Brennessel, ihr Gift freisetzen. Dabei handelt es sich um einfach gebaute, kleinmolekulare Substanzen, die aus zwei Sechsringen und einem Fünfring bestehen, jeweils mit einem Sauerstoffatom innerhalb des Rings. Diese Moleküle sind sehr reaktionsfreudig und entfalten gemeinerweise erst nach Sonnenbestrahlung ihre volle Giftwirkung auf der Haut, sie sind phototoxisch.

Fritz Schade, Harald Jockusch

34. Vierblättrige Einbeere

Einbeerengewächse, Trilliaceae

Dieses skurrile Pflänzchen begegnet uns im Laubwald, wo auch die große, bedrohliche Tollkirsche (Kap. 51) wächst. Die Frucht der Einbeere ähnelt einer dunklen Kirsche wie die der Tollkirsche, ist aber sicher nicht so verlockend für Kinder, da sie nur einzeln und dicht am Boden zu finden ist und dazu schlecht schmeckt. Eine Kostprobe der Frucht muss man eventuell mit Übelkeit und schmerzhafter Darm- und Blasenentleerung bezahlen. Die ganze ausdauernde Pflanze ist durch die enthaltenen Saponine giftig.

Fritz Schade, Harald Jockusch

35. Lupine

Hülsenfrüchtler, Fabaceae

Die Lupinen, die in der Natur verwildert vorkommen oder als Zierpflanzen in unseren Gärten wachsen, sollten wir auf jeden Fall als Giftpflanzen betrachten. Die Blätter, aber besonders die Samen in den schwarzen Hülsen, sind durch ein Gemisch verschiedener Alkaloide giftig. Vergiftungssymptome sind Speichelfluss, Schluckbeschwerden, Herzrhythmusstörungen, Lähmungen der Beine sowie Atemlähmung.

Fritz Schade, Harald Jockusch

36. Schneebeere

Geißblattgewächse, Caprifoliaceae

Da verwundert es, die Schneebeeren unter der Rubrik „Giftpflanzen” zu finden. Tatsächlich fressen in Nordamerika wildlebende Säugetiere und Vögel offenbar unbeschadet Blätter und Früchte dieser Pflanze. Wenn allerdings Kinder eine größere Menge Beeren essen, statt sie zu zertreten, kann es unangenehm werden: Reizung der Mundschleimhaut, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall können die Folge sein.

Fritz Schade, Harald Jockusch

37. Wolfsmilch

Wolfsmilchgewächse, Euphorbiaceae

Die eigentliche „Wolfsmilch” der Wolfsmilchgewächse ist der meist weiße Saft, der bei Verletzung der Pflanze austritt. Er ist eine äußerst aggressive, ätzende Flüssigkeit, die auf der Haut Blasen hervorrufen kann und die man keinesfalls in die Augen bringen sollte. Alle Teile der Wolfsmilchpflanzen sind giftig.

Fritz Schade, Harald Jockusch

38. Giftbeere

Nachtschattengewächse, Solanaceae

Die Giftbeere wird seit dem 18. Jahrhundert in Europa als bescheidene Zierpflanze kultiviert und ist gelegentlich verwildert. Der Genuss ihrer Beere wird nicht empfohlen.Im Handel wird die Giftbeere mit dem Werbeslogan „Blaue Physalis vertreibt Weiße Fliege“ angeboten.

Fritz Schade, Harald Jockusch

39. Rotfrüchtige Zaunrübe

Kürbisgewächse, Cucurbitaceae

Die Zaunrübe produziert ein gar nicht harmloses Giftgemisch, dessen Komponenten nach dem Gattungsnamen benannt sind: Bryonicin, Bryonon und dazu Saponine.

Fritz Schade, Harald Jockusch

40. Eisenhut

Hahnenfußgewächse, Ranunculaceae

Das Gift Aconitin ist wahrhaft teuflisch, die tödliche Dosis liegt bei fünf tausendstel Gramm für Erwachsene, sein Angriffsziel im Körper muss also ein lebenswichtiges, aber dennoch in geringer Konzentration vorliegendes Molekül sein. Im Gegensatz zu dem Angriffsziel des Rizins (vgl. Kap. 54) ist das des Aconitins an der Membranoberfläche von Nervenzellen und Muskelfasern leicht zugänglich: Es sind die Natriumkanäle, die bei elektrischer Erregung schlagartig Natriumionen ins Zellinnere treten lassen, das Signal durch Erregung der benachbarten Membranbereiche fortleiten und somit für die Signalfortleitung in Nerven- und Muskelfasern verantwortlich sind. Aconitin blockiert diese lebenswichtigen Ionenkanäle.

Fritz Schade, Harald Jockusch

41. Kornrade

Nelkengewächse, Caryophyllaceae

Unter den Giften der Kornrade befinden sich ein Saponin und andere Zuckerverbindungen. Die ganze Pflanze ist giftig. Als Vergiftungssymptome werden Benommenheit, Krämpfe, Atemlähmung, Schock angegeben. Bei Pferden, Rindern und Schweinen wurden Vergiftungen beobachtet, Hühner scheinen weniger empfindlich zu sein. Beim Menschen sollen wenige Samenkörner für eine Vergiftung ausreichen.

Fritz Schade, Harald Jockusch

42. Jakobskreuzkraut, Jakobsgreiskraut

Korbblütler, Asteraceae

Die gefürchteten Gifte gehören zur Klasse der bei Korbblütlern auftretenden Pyrrolizidine, die wir beim Huflattich kennengelernt haben (vgl. Kap. 7). Sie verursachen Leberschäden, tückischerweise auch schleichend über längere Zeit. Hauptsächlich gefährdet sind Weidetiere, vor allem Pferde, die die Giftpflanze nicht verlässlich meiden. Tückisch ist auch, dass die Pyrrolizidine im Heu und in der vergorenen Futtersilage weiter aktiv bleiben, in denen das Kreuzkraut nicht mehr erkannt werden kann. Gift und Samen des Übeltäters wird man aber in der Biogasanlage los.

Fritz Schade, Harald Jockusch

43. Feuerbohne

Hülsenfrüchtler, Schmetterlingsblütler, Fabaceae

Die unreifen Kerne der Feuerbohne enthalten, wie die Samen anderer Schmetterlingsblütler, ein giftiges Eiweiß, ein Lektin (vgl. Kap. 25), dessen Giftwirkung allerdings durch Hitze zerstört wird. Die reife Hülse wird beim Trocknen hellbraun und enthält die sehr nahrhaften, eiweißreichen, äußerlich attraktiven Kerne, mit typischerweise violetter Schale mit schwarzer Musterung. Die trockenen Teile haben das giftige Lektin verloren, die harten Kerne kocht man ohnehin, zum Beispiel um aus ihnen kräftige Suppen oder Salate zuzubereiten. Damit werden auch eventuelle Reste von Lektin unschädlich gemacht.

Fritz Schade, Harald Jockusch

44. Schwarzes Bilsenkraut

Nachtschattengewächse, Solanaceae

Wie der Stechapfel enthält das Bilsenkraut mit Hyoscyamin und Scopolamin nicht nur lebensgefährlich giftige, sondern auch berauschende Alkaloide. Die Blätter wurden bis in die frühe Neuzeit zur äußerlichen Behandlung von Wunden und Krämpfen verwendet, der Rauch diente als schmerzstillendes Mittel bei Zahnschmerzen. Naheliegend war die Verwendung als Schädlingsbekämpfungsmittel gegen Ratten und Mäuse im Haus. Etwa fünfzehn der winzigen Samen sollen für Kinder bereits tödlich sein.

Fritz Schade, Harald Jockusch

45. Fingerhut

Wegerichgewächse, Plantaginaceae

Die typischen Gifte der Fingerhutarten liefern ein klassisches Beispiel für den Grenzbereich zwischen Therapie und Toxikologie: Es handelt sich um Verbindungen, bei denen ein Kleinmolekül (das unseren Sexualhormonen ähnelt) mit einer Zuckerkette verbunden ist, also um Glykoside. Diese sind als Herzglykoside anerkannte Therapeutika, die den Herzschlag kräftigen und die Herzfrequenz verlangsamen. Sie dienen der Behandlung verschiedener Krankheiten wie Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern.

Fritz Schade, Harald Jockusch

46. Hundspetersilie

Doldenblütler, Apiaceae

Die ganze Pflanze ist durch den Gehalt an Aethusin, einem flüchtigen Kohlenwasserstoff, besonders für den Menschen sehr giftig. Die Symptome reichen von Brennen im Rachen über beschleunigten Puls, erweiterte Pupillen, Dunkelfärbung und Auftreibung des Leibes bis zur Atemlähmung. Der englische Name Fool’s parsley (Narrenpetersilie) drückt kein Mitleid mit dem Vergifteten aus.

Fritz Schade, Harald Jockusch

47. Kartoffel

Nachtschattengewächse, Solanaceae

Alles Grüne an der Kartoffel ist für uns giftig und das liegt an dem Alkaloid Solanin, dessen Siebenringsystem mit drei Zuckermolekülen verknüpft ist. Obwohl die unterirdische Kartoffelknolle, deren Stärkegehalt für einen guten Start in der nächsten Wachstumsperiode sorgen soll, eigentlich durch Fressfeinde besonders bedroht sein sollte, enthält sie nur Spuren von Solanin. Wird eben diese Kartoffel zur Verkaufsförderung im Supermarkt unter grellem Lampenlicht ausgestellt, so ergrünt sie nach einiger Zeit und ist dann giftig – ebenso wie die Triebe, die aus den Augen der Kartoffel sprießen.

Fritz Schade, Harald Jockusch

48. Prunkwinde

Windengewächse, Convolvulaceae

Unsere beiden lästigen Unkräuter, die Acker- und die Zaunwinde, die derselben Familie angehören, haben dieselbe Blütenform, bringen es aber nur zu einem rosa angehauchten bzw. reinem Weiß. Sie enthalten ein Herzglykosid, sind aber nur schwach giftig. Dagegen enthält die Prunkwinde psychoaktive Lysergsäurederivate, die bekanntlich stark halluzinogen sind.

Fritz Schade, Harald Jockusch

49. Oleander

Hundsgiftgewächse, Apocynaceae

Alle Teile der Pflanze sind giftig – Blätter, Blüten und Holz, auch Samen und Wurzeln –, aber an letztere wird man nicht so leicht herankommen. Während die Gifte des Immergrüns eine gewisse Rolle in der Tumorchemotherapie spielen, sind die Giftstoffe des Oleanders Herzglykoside (siehe auch Fingerhut, Kap. 45). Die Vergiftungssymptome reichen von Taubheit im Mund über Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe, Herzrhythmusstörungen bis zu Schock, Atemnot und Tod nach wenigen Stunden.

Fritz Schade, Harald Jockusch

50. Stechapfel

Nachtschattengewächse, Solanaceae

Aber warum soll uns diese Pflanze interessieren? Das hat zwei Gründe: Zum Ersten ist sie durch den Gehalt an mehreren Alkaloiden sehr giftig, zum Zweiten sind einige dieser Alkaloide halluzinogen. Tückisch ist das Gemisch von Atropin, dem Hauptgift der Tollkirsche (vgl. Kap. 51), und Scopolamin, einem Halluzinogen. Es erzeugt lang anhaltende Rauschzustände, die vom psychedelischen Höhenflug in rasender Geschwindigkeit mit Aufhebung des Zeitempfindens bis zu Angstzuständen reichen. Der Alkaloidgehalt des Stechapfels kann stark schwanken und die Giftwirkung des Atropins überlagert den Scopolaminrausch. Fünfzehn Stechapfelsamen können für einen Menschen tödlich sein.

Fritz Schade, Harald Jockusch

51. Tollkirsche

Nachtschattengewächse, Solanaceae

Die gesamte Pflanze, nicht nur die Frucht, enthält ein Giftgemisch, darunter Komponenten, die Halluzinationen hervorrufen. Man wird vom Genuss „toll“, toll im Sinne von irre nicht von prima oder bestens (diese Bedeutung von „toll“ ist jüngeren Datums): Unruhe, Rededrang, Lachlust, Weinkrämpfe, Tanzlust, Irrereden, Schreien, Halluzinationen, Zittern, Delirien, Wahnsinnsanfälle, Kollaps, Lähmung, Koma. Der wissenschaftliche Gattungsname Atropa leitet sich von atropos, unabwendbar, bzw. Atropos, einer der drei Schicksalsgöttinnen in der griechischen Mythologie, ab. Atropos ist diejenige, die den Lebensfaden durchschneidet; der Name bezieht sich auf die tödliche Dosis: Angeblich reichen drei bis vier Beeren für Kinder, zehn bis zwölf für Erwachsene.

Fritz Schade, Harald Jockusch

52. Tabak

Nachtschattengewächse, Solanaceae

Das Hauptgift des Tabaks, das Nikotin, ist neben Koffein das bekannteste Alkaloid und als solches hitzestabil. Schließlich muss es die Gluthitze der Zigarette, der Zigarre oder der Pfeife überstehen, damit der Raucher es als aktive Droge einatmen kann. Die für die Lunge, aber auch für Rachenraum und Zunge gefährlichen, weil krebsauslösenden Substanzen im Zigarettenrauch sind Teerstoffe, die durch die Verbrennung des Tabaks entstehen. Dafür kann man die Tabakpflanze nicht verantwortlich machen. Nikotin ist nicht nur eine Suchtdroge, sondern auch ein unmittelbar gefährliches Gift, sobald es in den Magen-Darm-Trakt gerät, wenn etwa ein Kleinkind einen Zigarettenstummel verschluckt.

Fritz Schade, Harald Jockusch

53. Engelstrompete

Nachtschattengewächse, Solanaceae

Die riesigen, hängenden, meist weißen, blassgelben oder lachsfarbenen Blüten der Engelstrompete oder Brugmansia sehen nicht nur dufte aus, sie „duften himmlisch“, wie es in einem Angebot für diese Pflanzen heißt; der kleine Bruder Stechapfel riecht dagegen widerwärtig. Die bei den Engelstrompeten stachellosen Früchte sind verlockend für Kinder. Wie beim Stechapfel löst das in allen Teilen der Pflanze enthaltene Giftgemisch Halluzinationen aus, kann aber durchaus tödlich sein. Zur Blütezeit ist der Alkaloidgehalt besonders hoch.

Fritz Schade, Harald Jockusch

54. Rizinus, Wunderbaum

Wolfsmilchgewächse, Euphorbiaceae

Hauptsächlich die Samen des Wunderbaums, auch Castorbohnen („Biberbohnen“) genannt, sind extrem giftig, auch für Haustiere. Das hochgefährliche Rizin ist in der Samenschale enthalten. Es besteht aus zwei funktionellen Einheiten: eine, die als Lektin (vgl. die Kap. 25, 43 und 63) an Zelloberflächen bindet, die andere, die in der Zelle die Proteinsynthese lahmlegt. Die Tücke des Gifts ist, dass es erst nach Stunden oder Tagen seine Wirkung zeigt und kein Gegenmittel bekannt ist. Die Symptome sind blutiges Erbrechen, blutiger Durchfall, Nierenschaden, Leberschaden und zuletzt Kreislaufkollaps. Die Verwendung von Rizin als Kampfstoff wurde bereits vor 100 Jahren erwogen; es ist derzeit als biologischer Kampfstoff klassifiziert.

Fritz Schade, Harald Jockusch

55. Eibe

Eibengewächse, Taxaceae

Verantwortlich für die Giftwirkung ist die Substanz Taxol und ihre Varianten aus der Gruppe der Taxane, die aus einem komplizierten Ringsystem aufgebaut sind, das die Zellteilung hemmt (vgl. Kap. 23). Eine chemotherapeutisch wirksame Variante wird aus der Rinde der Kalifornischen Eibe gewonnen und in der Tumortherapie eingesetzt.

Fritz Schade, Harald Jockusch

56. Buchsbaum

Buchsbaumgewächse, Buxaceae

Blätter und Rinde der dünnen Äste des Buchsbaums sind offenbar eine nahrhafte und bekömmliche Speise für den Buchsbaumzünsler, aber für Säugetiere wie Hunde, Katzen, Pferde, Schweine, Menschen sind alle Teile der Pflanze giftig. Sie enthalten einen reichhaltigen Cocktail von Alkaloiden.

Fritz Schade, Harald Jockusch

57. Liguster

Ölbaumgewächse, Oleaceae

Wenn man dem Liguster etwas Freiheit lässt, erfreut er durch weiße, duftende, winzige Fliederblüten. Aus diesen gehen im Sommer schwarze, in Trauben stehende Beeren hervor, die bis in den Winter am Strauch bleiben. Sie sind giftig. Wegen ihrer Allgegenwart auch in Städten sollte man insbesondere Kinder vor deren sehr unangenehmen Wirkungen warnen, die von Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen bis Kreislauflähmung und Schock reichen können, wenn die Beeren in größerer Zahl gegessen werden. Auch Blätter und Rinde des Ligusters sind giftig, haben aber für Kinder kein Verführungspotenzial.

Fritz Schade, Harald Jockusch

58. Lebensbaum, Thuja

Da die Zweige der Thuja wie kleine Bäumchen aussehen, lassen sie sich zum Beispiel im Kinderzimmer als Zubehör zu einer Spielzeugeisenbahn verwenden. Zerkaut und verschluckt sind sie aber ein starkes Gift, sodass Thujazweige nicht in ein Kinderzimmer gehören. Diese Warnung gilt auch für abweichend aussehende, zum Beispiel gelbblättrige Gartenformen und den nahe verwandten Morgenländischen Lebensbaum, Thuja orientalis.

Fritz Schade, Harald Jockusch

59. Scheinzypresse

Zypressengewächse, Cupressaceae

Die ganze Pflanze ist giftig. Die Giftstoffe sind Kohlenwasserstoffe der Klasse der Terpenoide und entsprechen denen der Thuja (s. Kap. 58). Die Substanzen tragen die wohlklingenden Namen von Nadelholzgattungen wie Sabinen (vgl. Kap. 60), Thujen und Pinen.

Fritz Schade, Harald Jockusch

60. Sadebaum

Zypressengewächse, Cupressaceae

Dieser in Gärten verbreitete Strauch könnte einen Menschen quälen, der auf die Idee kommt, von den stark würzigen Zweigen oder gar den schwarzen, hellblau bereiften Beeren zu naschen: Von einigen Gramm würden ihm Übelkeit, Krämpfe, Herzrhythmusstörung, Atemlähmung, blutiger Urin, und, wenn er überlebt, Nieren- und Leberschädigung blühen. Bei einem Verzehr von mehr als fünf Gramm könnten Bewusstlosigkeit und der Tod nach Stunden oder Tagen drohen.

Fritz Schade, Harald Jockusch

61. Pfaffenhütchen

Spindelbaumgewächse, Celastraceae

Alle Teile des Pfaffenhütchens sind giftig, besonders aber die auffälligen Früchte, von denen knapp vierzig für Erwachsene tödlich sein sollen. Die Giftstoffe sind niedermolekulare komplexe Ringsysteme aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff und ähneln zum Teil den Digitalis-Glykosiden des Fingerhuts (Kap. 45).

Fritz Schade, Harald Jockusch

62. Stechpalme

Stechpalmengewächse, Aquifoliaceae

Ein Kleinkind wird nicht in die harten, stacheligen Blätter beißen, aber die roten Beeren sehen verlockend aus und sollten auf keinen Fall erreichbar sein – schon für Erwachsene sollen 20 bis 30 Beeren tödlich sein. Die Vergiftungssymptome beginnen, wie so oft, mit Übelkeit und Erbrechen, es folgen Herzrhythmusstörungen, Durchfall, Lähmungen, Nierenschädigung, Schläfrigkeit, unter Umständen schwere Magenentzündung.

Fritz Schade, Harald Jockusch

63. Mistel

Sandelholzgewächse, Santalaceae

Alle Teile der Mistelpflanze sind giftig, für Drosseln ist der Schleim der Beeren aber offenbar ungiftig. Das Gift ist ein Gemisch von Eiweißen, wobei eine Komponente ähnlich wie Bienengift wirkt. Eiweiße, die Zuckerketten binden, sogenannte Lektine, können sich an Zelloberflächen heften und dadurch die Zellen schädigen. Die Vergiftungssymptome betreffen hauptsächlich den Magen-Darm-Trakt.

Fritz Schade, Harald Jockusch

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