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Über dieses Buch

Dieses Buch gibt einen informativen Überblick über neuere Entwicklungen in den Themengebieten "Betriebswirtschaftliche Steuern" und "Banken und Finanzierung". Es wird beispielsweise beleuchtet, wie ideale steuerliche Beziehungen zwischen Staat und Bürger aussehen. Weiterhin werden die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen, die Besteuerung von Investmentfonds, die Auswirkungen niedriger Marktzinsen sowie die Entwicklung europäischer Banken thematisiert. Auch die Frage, ob Banken die alleinigen Verursacher der Finanzkrise sind, wird diskutiert. Namhafte Hochschullehrer und Führungskräfte aus Banken und Unternehmensberatungen haben Beiträge für dieses Buch verfasst.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Betriebswirtschaftliche Steuern

Frontmatter

1. Für normative Steuerforschung im Bürgerinteresse

Dieser Beitrag unterstreicht im Anschluss an Arbeiten von Rainer Elschen die Notwendigkeit normativer Steuerforschung. Im Fokus steht dabei ein Steuerzahler ohne Steuerlobby. Wesentlich erscheint es, neben der Bedeutung des Leistungsfähigkeitsprinzips den Inhalt des Sozialstaatsprinzips für die Besteuerung zu klären: Steuerliche Erleichterungen dürfen nicht umso höher sein, je weniger sie benötigt werden, sondern sollen umso niedriger ausfallen. Um entsprechende normative Steuerforschung zu unterstützen, wird die Einrichtung einer gut ausgestatteten, unabhängigen akademischen Institution vorgeschlagen; der Gesetzgeber sollte verpflichtet sein, zu deren Vorschlägen Stellung zu beziehen.

Theodor Siegel

2. Zur Problematik der Besteuerung von Veräußerungsgewinnen aus Streubesitzanteilen bei Kapitalgesellschaften

Infolge der durch den Europäischen Gerichtshof festgestellten Europarechtswidrigkeit der unterschiedlichen Besteuerung von in- und ausländischen Empfängern hat der deutsche Steuergesetzgeber die frühere Steuerbefreiung von Streubesitzdividenden bei Kapitalgesellschaften im Jahre 2013 aufgehoben. Die Körperschaftsteuerfreiheit der Gewinne aus der Veräußerung von Streubesitzanteilen blieb bislang jedoch erhalten. Allerdings existiert eine Protokollerklärung der Bundesregierung, die zukünftige steuerliche Behandlung erneut ergebnisoffen aufzugreifen. Dies nimmt der Autor zum Anlass, die Frage nach der Besteuerung von Veräußerungsgewinnen aus Streubesitzanteilen bei Kapitalgesellschaften kritisch zu analysieren. Er kommt zu dem Ergebnis, dass eine unterschiedliche Besteuerung von Schachtel- und Streubesitzanteilen nicht zu rechtfertigen ist und dass vor allem deshalb die körperschaftsteuerliche Freistellung der Veräußerungsgewinne aus Streubesitzanteilen beibehalten werden sollte.

Norbert Krawitz

3. Die Achillesferse des Benford’s Law: KMUs

In jüngerer Zeit wird die Methodik der Ziffernanalyse insb. bei der Prüfung von Tagesumsätzen verwendet. Aufgrund der Größenstruktur der deutschen Unternehmen kommt sie in großem Umfang auch bei Unternehmen zum Einsatz, bei denen die mathematischen Voraussetzungen für die Anwendung nicht in ausreichendem Maße gegeben sind. Da Ziffernhäufigkeitstests als Argumentationshilfe der Finanzbehörde verwendet werden, um die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung zu verwerfen und die Zuschätzung von Umsätzen gem. § 162 AO zu rechtfertigen, ist diese Untersuchung insb. für kleinere Handels- und Gewerbebetriebe von Bedeutung, die nur ein enges Warensortiment und eine überschaubare Kundenstruktur haben. Anhand einer Monte-Carlo-Simulation auf Basis einer realen Preisliste wird gezeigt, dass die bei der steuerlichen Außenprüfung üblicherweise verwendete Generalprämisse, wonach die führenden Ziffern von Tagesumsätzen Benford-verteilt und die letzten Ziffern gleichverteilt sein müssen, in ihrer Allgemeinheit nicht zutrifft.

Ludwig Mochty

4. Die Personengesellschaft im Steuerrecht – ein exotisches Wesen

Personale Unternehmen sind als Einzelunternehmen oder Personengesellschaften die Rechtsformen, die mit Abstand am weitesten in Deutschland verbreitet sind und stellen den Kern des deutschen Mittelstandes dar, der bekanntlich der Träger der deutschen Wirtschaft ist. Der Versuch, die Besteuerung der Personengesellschaften kurz zu skizzieren, misslingt und stellt sich stattdessen als äußerst komplex heraus. Besonderheiten, wie z. B. die transparente Besteuerung, die Umqualifizierung von schuldrechtlichen Entgelten, das Rechtsinstitut des Sonderbetriebsvermögens, Ergänzungsbilanzen, die „Thesaurierungs“begünstigung, Zebragesellschaften, ein Ping-Pong-Verfahren oder die besondere und aufwendige verfahrensrechtliche Einbettung der Personengesellschaften zeichnen ein buntes – sagen wir exotisches – Bild dieser Rechtsformen. Der Beitrag vermittelt einen kleinen, exemplarischen und auch praxisorientierten Einblick.

Volker Breithecker, Daniela Schomaker

5. Tricks in der Einkommensbesteuerung?

Eine kritische Bestandsaufnahme

In jüngster Zeit wird öffentlichkeitswirksam häufig Klage über grenzüberschreitende Steuertricksereien von renommierten Großkonzernen geführt, die kaum Steuern bezahlen. Abgesehen davon, dass die beklagten Niedrig-Steuer-Vereinbarungen offenbar nicht selten in bestem Einvernehmen oder gar auf Initiative der betroffenen Staaten getroffen werden und daher auch diese an den Pranger zu stellen wären, stellt sich die Frage, ob die nationalen staatlichen Sachwalter in Steuerfragen – Steuergesetzgeber, Finanzgerichte und Steuerverwaltung – immer vorbildhaftes Verhalten an den Tag legen. Anhand von zwei Beispielen aus dem Kernbereich einer Einkommensbesteuerung soll gezeigt werden, dass Steuertricksereien nicht nur bei Steuerpflichtigen, sondern auch bei den öffentlichen Sachwaltern der Steuerrechtsordnung zu beobachten sind. Thematisiert werden die Fehlentwicklungen im Bereich der steuerlichen Gewinnermittlung und der Tarifgestaltung. Mit der Aufdeckung der zugrunde liegenden Motive und Ursachen sollen auch Wege aufgezeigt werden, derartige Fehlentwicklungen zu korrigieren und Fälle unerwünschten Verhaltens künftig zu vermeiden.

Jochen Sigloch

6. Ignoranz ökonomischer Wirkungszusammenhänge im Steuerrecht

Am Beispiel latenter Ertragsteuern bei der Bewertung im Erbfall

Latente Ertragsteuern sind ein in der ökonomischen Theorie seit langem anerkannter Faktor bei der Bewertung von Vermögensgegenständen. Nach derzeitiger Rechtslage und deren Auslegung werden latente Ertragsteuern bei der Bewertung im Erbfall jedoch nicht berücksichtigt. Dies führt zu einer systematisch höheren Belastung von Erbschaften mit steuerlich verhafteten stillen Reserven. Der Beitrag zeigt anhand eines Beispiels die Folgen dieser Ignoranz gegenüber ökonomischen Wirkungszusammenhängen auf und diskutiert die Belastbarkeit der dafür angeführten Argumente. Darauf aufbauend werden unterschiedliche Wege zur Vermeidung dieser möglicherweise verfassungsrechtlich relevanten systematischen Höherbelastung erläutert und bewertet. Als Ergebnis wird eine Berücksichtigung der latenten Ertragsteuerbelastung schon bei der Bewertung der einzelnen Vermögensgegenstände im Rahmen der Ermittlung der erbschaftsteuerlichen Bereicherung empfohlen.

Frank Trompeter

7. Neue Varianten zur institutionalen vs. personalen Besteuerung durch das InvStRefG

Bei dieser steuersystematischen Analyse der zum 1.1.2018 in Kraft tretenden Reform der Besteuerung von Investmentfonds werden insbesondere die Überlegungen in der Habilitationsschrift von Rainer Elschen zur Frage, ob Unternehmensgewinne institutional oder personal besteuert werden sollen, einbezogen. Durch die unterschiedliche Besteuerung wäre bei einer rein strukturellen Betrachtung zu befürchten, dass bei Publikumsaktienfonds eine deutlich höhere Steuerbelastung als bei der direkten Anlage ohne Zwischenschaltung eines Fonds resultiert. Durch eine Vielzahl von Sonderregelungen und Freistellungen auf den verschiedenen Ebenen ergibt sich jedoch in vielen Fällen eine deutlich niedrigere Besteuerung als bei einer Direktanlage. Dies wird für den Fall eines Aktienfonds in einem mehrperiodischen Modell analysiert. Aus den Ergebnissen werden Schlussfolgerungen zu der zukünftigen Besteuerungskonzeption gezogen und Empfehlungen für „Nachbesserungen“ an den Gesetzgeber formuliert.

Ralf Klapdor

Finanzierung

Frontmatter

8. Wachsendes Eigenkapital stärkt Stabilität des deutschen Unternehmenssektors

Dieser Beitrag untersucht die Eigenkapitalausstattung deutscher Unternehmen auf Grundlage der Creditreform Bilanzdatenbank, der umfangreichsten historisierten Bilanzdatenbank zum deutschen Unternehmenssektor. Neben der Entwicklung der Eigenkapitalquote in der Gesamtwirtschaft werden die Eigenkapitalpolster deutscher Betriebe nach Unternehmensgröße, Branche und Bundesland beleuchtet. Ferner gehen wir auf die Bedeutung der Rentabilität sowie den Zusammenhang zwischen Eigenkapitalquote und Ausfallwahrscheinlichkeit ein. Die Analyse der Eigenkapitalausstattung im deutschen Unternehmenssektor zeigt, dass die Betriebe ihre finanzielle Widerstandsfähigkeit im Zeitraum von 2008 bis 2014 merklich verbessert haben. Eine Differenzierung nach der Umsatzgröße zeigt, dass die finanzielle Solidität mit zunehmender Unternehmensgröße tendenziell wächst. Unter Branchengesichtspunkten sind die solventesten Unternehmen in der Chemie- und Kunststoffindustrie zu finden. Zudem liegen die durchschnittlichen Eigenkapitalquoten in allen ostdeutschen Bundesländern auf einem Niveau oberhalb des Bundesdurchschnitts.

Helmut Rödl, Benjamin Mohr

9. Industriespezifische Rechnungslegung am Beispiel der Energiewirtschaft

Die Rechnungslegung nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) und nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) gilt als prinzipienorientiert. Daraus leitet sich ab, dass industriespezifische Fragestellungen anders als unter US – GAAP im Allgemeinen wenig Anleitung finden. Der Beitrag zeigt am Beispiel der Energiewirtschaft, dass die Anwendung von Normen der Rechnungslegung auf industriespezifische Themen Fragen aufwirft, wenn die Prinzipien der Rechnungslegung der Abbildung des wirtschaftlichen Gehalts von Sachverhalten in der Industrie entgegenstehen. Verdeutlicht wird dies am Beispiel von Portfoliobetrachtungen im Energiesektor, die in der Rechnungslegung nicht ohne Weiteres zu Bewertungseinheiten führen. Auch das Fair-Value-Prinzip der internationalen Rechnungslegung steht mitunter den Gegebenheiten in der Energiewirtschaft entgegen, sodass industriespezifische Lösungen gefunden werden müssen. Dies wird unter anderem am Beispiel des Emissionsrechtehandels und seiner Bilanzierung verdeutlicht.

Norbert Schwieters

10. Vergleich von Wertsicherungsstrategien im Kontext innovativer Lebensversicherungsprodukte

Derzeitige Entwicklungen im Produktangebot von Lebensversicherern beinhalten sog. neuartige oder innovative Garantieprodukte. Ein wesentlicher Aspekt bezieht sich auf die Notwendigkeit der Abschwächung von bisher gewährten Garantien, welche aufgrund des niedrigen Zinsniveaus und hoher Marktschwankungen als zu teuer erachtet werden. Beispielsweise beinhalten die in Deutschland klassischen Lebensversicherungsverträge eine Ratchet-Garantie, welche jährliche Gewinne festschreibt. Dies stellt eine stärkere Garantiezusage dar als eine endfällige Garantie. Im Kontext von Wertsicherungsstrategien lässt sich eine endfällige Garantie mit einer Constant-Proportional-Portfolio-Insurance-Strategie implementieren, während im Fall einer Ratchet-Garantie eine Höchststandsicherung erforderlich ist, welche sich durch eine Time-Invariant-Proportional-Portfolio-Insurance-Strategie erzeugen lässt. Dieser Beitrag fokussiert auf den Renditeverlust, welcher durch eine Höchststandsicherung hervorgerufen wird.

Antje Mahayni, Rüdiger Kiesel

11. Auswirkungen von Crowdfinanzierungen auf finanzwirtschaftliche Betrachtungsweisen

Über das Internet bietet sich für Unternehmen und Privatpersonen die Möglichkeit, für ihre jeweiligen Vorhaben Gelder zu erhalten, die von Internetnutzern eingesammelt werden: Crowdfinanzierungen. Diese unterscheiden sich in mancher Hinsicht deutlich von klassischen Finanzierungen. Sie lassen sich in die Kategorien Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdlending einteilen. Bisherige finanzwirtschaftliche Erklärungsansätze erscheinen vor dem Hintergrund dieser im Finanzsektor neuen Entwicklungen nicht mehr zeitgemäß. Erst in den letzten Jahren werden derartige über elektronische Medien arrangierte Finanzdienstleistungen vermehrt in Anspruch genommen. Die Anfänge liegen im Jahr 2006, aber erst seit 2015 kann von einem weltweiten Durchbruch die Rede sein. Insbesondere ein verstärktes Aufkommen des Crowdinvestings wird Einfluss auf Finanzkennzahlen sowie auf Finanzierungsregeln und ‐theorien nehmen. Dieser Beitrag schildert die Problematiken und zeigt erste Lösungsansätze.

Ralf Beck

12. Correlates of Payment Amounts Among Self-Selected Pay-What-You-Want-Buyers

Findings from a Field Experiment

This work analyzes actual payments of consumers who consciously choose a Pay-What-You-Want-(PWYW) offer in a situation in which a posted price substitute was also available. In a between-person field experiment, we sell two types of freshly prepared sweet treats. In the first experimental condition, we offer waffles under PWYW and in parallel crêpes at a posted price. In the second condition, we reverse the allocation of the pricing methods to the two focal treats. Our sweet snacks stand attracts a total of 288 different customers of whom 158 deliberately buy an item offered under PWYW. We find that, on average, PWYW buyers pay about 15 % more than the regular price posted for the similar sales alternative. PWYW prices rise, as buyers are more concerned about fairly treating the seller and are less price-conscious. PWYW amounts decrease, as buyers view the PWYW method primarily as an opportunity to make a bargain and know the seller in person. We discuss implications of the results for practical PWYW applications in organizations and for future research.

Torsten J. Gerpott

13. KGV oder KVV zur Performance-Messung der TOP-Unternehmen in Deutschland, Frankreich und Italien?

Top-Unternehmen der etablierten Börsenplätze weltweit veröffentlichen Informationen über angewendete Wertkonzepte freiwillig und mehr oder weniger detailliert in ihren jährlichen Geschäftsberichten. Da die Unternehmen individuelle Value-Konzepte nutzen, kann die Value-Performance nur mit einem standardisierten, an der Basis des Value-Konzepts ausgerichteten Ansatz ermittelt und quantitativ beurteilt werden. Analog zur gebräuchlichen Kennzahl KGV stellt die Kennzahl KVV (Kurs-Value-Verhältnis) zudem einen Bezug des Value Added zum Aktienkurs her und erlaubt so die Erstellung nachvollziehbarer Rankings. Die Anwendung und Analyse des KVV auf Basis des Value-Konzepts stellt strengere Anforderungen an die Güte der Unternehmens-Performance als das dem externen Rechnungswesen zugrunde liegende Gewinn-Konzept. Durch die konsequente strategische und operative Anwendung von Value-Konzepten bei der Unternehmensführung kann die Attraktivität und konkret die Nachfrage nach Aktien gesteigert werden.

Roland Wolf

14. Zur „Wiederanlageprämisse“ der Internen Zinsfußmethode

Die sog. „Wiederanlageprämisse“ des Internen Zinsfußes ist seit langer Zeit Gegenstand juristischer und betriebswirtschaftlicher Auseinandersetzungen. Es wurde bis heute kein Einvernehmen darüber erzielt, ob die „Wiederanlageprämisse“ bei Anwendung der Internen Zinsfußmethode nun existiert oder nicht – obwohl die Interne Zinsfußmethode weltweit als gemeinsame „Renditesprache“ an den Kapitalmärkten anerkannt ist. In diesem Beitrag soll nun erörtert werden, dass die grundlegenden Eigenschaften der Internen Zinsfußmethode die Vorstellung einer „Wiederanlageprämisse“ nicht rechtfertigen und diese u. a. aus der Fehlinterpretation einer Gegenüberstellung mit der sog. „Baldwin-Verzinsung“ resultiert. Ferner wird ihre Anwendung in Vergleichssituationen analysiert und ihre juristische Behandlung in den entsprechenden Rechtsurteilen aufgezeigt. Abschließend werden die natürlichen, sich aus der formalen Konstruktion des Internen Zinsfußes ergebenden Unzulänglichkeiten beleuchtet.

Bernd Rolfes

15. Integrated Reporting

Ein geeigneter Ansatz zur Verringerung der Kommunikationslücke zwischen Unternehmen und Kapitalmarkt?

Das Konzept der integrierten Berichterstattung (IR) stellt die jüngste Entwicklung auf dem Gebiet der Rechnungslegung dar. Ihr wird in der Literatur zugeschrieben, die Unternehmenskommunikation auf ein höheres Niveau heben zu können. Dabei greift IR auf bereits bestehende Konzepte der Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung zurück und verknüpft diese im Sinne einer transparenten Darstellung der Wertschöpfungsfähigkeit von Unternehmen. Das im Jahr 2013 publizierte IIRC-Framework benennt Kapitalgeber als Hauptadressaten der integrierten Berichterstattung. Der vorliegende Beitrag untergliedert den pauschalen Begriff „Kapitalgeber“ und evaluiert den potentiellen Zusatznutzen von IR aus Sicht der jeweiligen Untergruppe, indem spezifische Informationsbedürfnisse und -quellen identifiziert werden. Als zentrales Ergebnis der Untersuchung könnte IR dazu beitragen, die Informationsasymmetrien zwischen privaten und professionellen Investoren zu reduzieren sowie bestehende Verfahren der Bonitätsbeurteilung zu verfeinern.

Rainer Kasperzak, Christian Manfred Kellner

16. Goodwill-Impairment-Test nach IAS 36

Investoren sollen durch gemäß den Internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) erstellte Jahresabschlüsse entscheidungsnützliche Informationen erhalten. In diesem Beitrag wird aus dem Blickwinkel der Unternehmensbewertung analysiert, ob diese Forderung im Hinblick auf die mit Transaktionen verbundenen Werteffekte erfüllt wird. Es wird gezeigt, dass die zukunftsgerichtete Bewertung im Rahmen des Goodwill-Impairment-Tests nach IAS 36 mit Discounted-Cashflow(DCF)-Verfahren bei Kenntnis der bewertungstheoretischen Konzepte eine Vielzahl an Möglichkeiten eröffnet, sowohl den Fair Value als auch den Value in Use in eine gewünschte Richtung zu lenken. Für die spezielle Situation des Vergleichs von zwei Unternehmen mit einem organischen Wachstum und einem Wachstum durch Akquisitionen wird verdeutlicht, dass die gegenwärtige Bilanzierung nach IFRS zu viele Spielräume lässt. Schließlich werden in dem Beitrag Möglichkeiten für eine Verbesserung des Goodwill-Impairment-Tests diskutiert.

Michael Borgmann, Stefan Dierkes, Josef Kloock

17. Prüfung der Kapitaldienstfähigkeit im gewerblichen Retail-Geschäft unter besonderer Berücksichtigung von Scoring-/Ratingsystemen

Im Rahmen des Kreditmanagements von Banken und Leasinggesellschaften ist die Kreditwürdigkeitsprüfung ein wesentlicher Teil, der auch in einschlägigen Normen und Gesetzen explizit gefordert wird. Die Ermittlung der Kapitaldienstfähigkeit von Kreditnehmern stellt in diesem Zusammenhang ein wichtiges Element des Kreditprozesses dar. Der Begriff Kapitaldienstfähigkeit ist jedoch nicht explizit gesetzlich definiert, sondern wird im Allgemeinen als die Fähigkeit des Kreditnehmers beschrieben, auf der Grundlage seines Geschäftsmodells Zins- und Tilgungsleistungen termingerecht und vollständig zu erfüllen. Ein Scoring- und Ratingsystem gibt hingegen explizit eine Eintrittswahrscheinlichkeit des Kreditausfalls an. Beide Ergebnisse stellen Eckpunkte der Kredit- oder Leasingentscheidung dar. In diesem Beitrag wird das Zusammenwirken von Scoring- bzw. Ratingsystemen mit vereinfachten Verfahren zur Bestimmung der Kapitaldienstfähigkeit untersucht und eine Umsetzungsmöglichkeit dargestellt.

Michael Munsch, Marcel Munsch

Banken

Frontmatter

18. Die Entwicklungen europäischer Banken im Spannungsfeld von Niedrigzins, Regulatorik und Digitalisierung

Im Rahmen dieses Beitrags werden zunächst die in großen Teilen der europäischen Bankindustrie vorhandene Rentabilitätsproblematik sowie die zu erwartenden Ergebnisrückgänge aufgezeigt. In der Summe führt diese Entwicklung dazu, dass aus der Eigentümerperspektive der Bankensektor kein attraktives Investment darstellt und diesbezüglich keine grundlegende Veränderung zu erwarten ist. Aufbauend darauf wird in diesem Beitrag – dem funktionalen Ansatz zur Erklärung der Existenz von Finanzintermediären folgend – versucht abzuleiten, welche Veränderungen im Hinblick auf die Erbringung der Grundfunktionen von Finanzintermediären gerade aus der Digitalisierung zu erwarten sind. Es wird deutlich, dass die Transaktions- und die Informationsfunktion in Bezug auf den Eintritt neuer Wettbewerber sowie die Verdrängung der etablierten Banken besonders gefährdet sind. Nach Ansicht des Verfassers gilt dies gerade vor dem Hintergrund von Informationsasymmetrien weniger für die Transaktionsfunktion.

Stefan Kirmße

19. Die wundersame Schuldvermehrung der Banken im Zuge der Aufarbeitung der Finanzkrise 2007/08

In der breiten Öffentlichkeit gelten die Banken heute als die alleinigen Verursacher der Finanzkrise von 2007 und 2008. Die Beschuldigungen gehen bis zum Handeln nahe an der Grenze zur Kriminalität. Ab dem Höhepunkt der Krise im Jahre 2009 sprach man vom „Bankster“. Diese negative Ansicht hat sich jedoch erst allmählich nach der Insolvenz von Lehman Brothers durchgesetzt. In ersten Analysen wurden u.a. sechs Ursachen identifiziert, die für den Ausbruch der Krise verantwortlich waren. Dieser Beitrag beschreibt diese Ursachen und fragt nach deren Kausalität, ob also, wie Juristen es ausdrücken, der Erfolg (die Krise) entfiele, wenn man sich eine der sechs Ursachen wegdenkt. Mit einer kritischen Würdigung unter besonderer Berücksichtigung der Banken als weltweitem Geldfluss-System sowie der sie besonders betreffenden Bewertungsvorschriften des Fair-Value-Ansatzes schließt der Beitrag.

Theo Lieven

20. Geschäftsmodell Privatbank

Welchen Mehrwert können Privatbanken bei der Vermögensanlage in der Niedrigzinsphase bieten?

Die externen Rahmenbedingungen, insbesondere die Nullzinsphase sowie die durch Unsicherheit bedingte hohe Volatilität an den Finanzmärkten, erfordern eine Adjustierung der strategischen Asset-Allokation von vermögenden Privatkunden. Deshalb ist ein radikales Umdenken der Dienstleister in dieser Branche notwendig. Wie können Privatbanken in diesen schwierigen Zeiten einen Mehrwert für vermögende Privatkunden schaffen? In diesem Beitrag werden exemplarisch drei Möglichkeiten aufgezeigt: Es wird ein ganzheitlicher Betreuungsansatz über sämtliche Asset-Klassen hinweg behandelt und der Aufbau von Kompetenzen in ausgewählten Alternativen Investments, z. B. Infrastruktur, aufgezeigt. Zudem wird die Verzahnung von Kapitalmarkt- und Privatkundengeschäft und damit die Vernetzung von Kapitalnachfrager und -anleger diskutiert. So wird gezeigt, dass Privatbanken einen wichtigen, äußerst individuellen und wettbewerbsdifferenzieren Beitrag für die Anlagepolitik privater Investoren leisten können.

Stephan Schüller, Mailin Dalk

21. Leitzinssatz, Marktzinssatz und Aktienkursvolatilität

Empirische Ergebnisse anhand des DAX-Indexes

Etwa seit dem Jahr 2009 herrscht für entwickelte Volkswirtschaften eine Phase mit überwiegend niedrigen Marktzinssätzen. In der Bundesrepublik Deutschland wurde der Nominalzinssatz auf Tagesgeldeinlagen und Sparguthaben zeitweise sogar negativ. Nicht nur für alle (Klein-)Anleger mit überwiegend risikoaversem Verhalten führt dies zu einem Rückgang der Kapitaleinkommen. Um die Auswirkungen solch niedriger Marktzinssätze auf das Anlageverhalten abschätzen zu können, ist es notwendig, den Kapitalmarkt einer Volkswirtschaft modelltheoretisch zu erfassen. Hierfür stehen heute zwei Richtungen zur Verfügung. Zum einen die klassischen Kapitalmarktmodelle, basierend auf dem Rationalitätsprinzip, zum anderen die Ansätze der Behavioral Finance, die von quasi-rationalen Entscheidungsträgern ausgehen. Die zahlreichen empirischen Untersuchungen hierzu lassen den Eindruck entstehen, dass der empirische Gehalt der klassischen Modelle größer als derjenige der Behavioral Finance ist, sodass in diesem Beitrag die klassische Kapitalmarktmodellierung verfolgt wird.

Walter Assenmacher, Robert Czudaj

22. Wertpapierliquidität und Kontrolle durch institutionelle Anleger

Hohe Wertpapierliquidität ermöglicht institutionellen Anlegern zwar den Aufbau von Blockpositionen, jedoch auch den schnellen Exit, weshalb sie in der traditionellen Sichtweise unter Kontrollaspekten als schädlich angesehen wird. Neuere Modelle interpretieren dagegen die Gefahr des Exits selbst als Kontrollmechanismus. Die Glaubwürdigkeit dieser Exit-Androhung hängt neben anderen Faktoren positiv von der Handelbarkeit der Wertpapiere ab. Zur Überprüfung dieses Zusammenhangs bieten sich unterschiedliche Tests an, die insbesondere auf US-amerikanische Unternehmen angewendet werden. Die empirischen Befunde liefern allerdings kein einheitliches Bild. Für weitere Untersuchungen erscheint daher erfolgversprechend, den Charakteristika bzw. der Identität der Blockholder verstärkt Rechnung zu tragen.

Joachim Rojahn

23. Verzahnung des Treasury mit der Risikosteuerung und Governance von Banken

Das Bankgeschäft befindet sich derzeit im Umbruch. So wird der Bankenmarkt einerseits durch niedrige Erträge, bedingt durch den zunehmenden Wettbewerb und die niedrigen Zinsen, und andererseits durch steigenden Aufwand, primär regulatorisch bedingt, zu Veränderungen bewegt. Diesen Rahmen überspannend transformiert sich das Wirtschaftsleben derzeit grundlegend durch die Digitalisierung der Produktionsseite sowie gänzlich neues Konsumentenverhalten. Beispiele hierfür sind die Anwendung von Big Data und künstlichen Intelligenzen bei der Produktion sowie die Verbreitung von Smartphones mit den damit verbundenen Änderungen im Konsumverhalten.

Andreas Hammerschmidt, Rudolf Hammerschmidt

24. Beschaffungsmanagement in Versicherungsunternehmen und Banken

Theoretische Überlegungen und empirische Befunde

Unternehmen stehen seit einiger Zeit einer dynamischen und immer komplexer werdenden Umwelt gegenüber. Zum erfolgreichen Bestehen bei diesen schwierigen Wettbewerbsbedingungen sind neue Erfolgspotentiale zu erschließen. In Industrieunternehmen werden Innovationen und die Beschaffung erfolgreich genutzt. Bei Versicherungen und Banken bestehen hier erhebliche Defizite. Zum Abbau dieser Lücken sind zunächst Ziele, Untersuchungsfelder und Aufgaben der Beschaffung vorzustellen. Es wird dann geprüft, inwieweit Erkenntnisse der Beschaffung in Industrieunternehmen auf Versicherungsunternehmen und Banken zu übertragen sind. Ausgewählte empirische Ergebnisse vermitteln einen Eindruck über die Beschaffung in Versicherungsunternehmen und Banken. Abschließend werden einige Trends aufgezeigt, die sich aktuell bei der Beschaffung in Versicherungen und Banken abzeichnen.

Bernd Kaluza, Claus Kaluza

25. Ein konvergenter Erklärungsansatz für Geldanlageentscheidungen

Dieser Beitrag skizziert die Ergebnisse eines vorangegangenen Forschungsprojekts. Im Rahmen eines Experimentes wurde untersucht, inwiefern Verhaltensveränderungen in Folge eines Schocks, etwa während der Finanzkrise, eher auf eine Veränderung der Risikopräferenzen oder vielmehr auf eine Veränderung der subjektiven Einschätzungen zurückzuführen sind. Dazu wurde eine ausreichend allgemeine Klasse von Nutzenfunktionen gewählt, mit welcher Geldanlageentscheidungen innerhalb eines Experiments und im Kontext der Erwartungsnutzentheorie approximiert werden können. Damit lassen sich individuelle Risikopräferenzen sowie die Veränderung der Risikobereitschaft identifizieren. Reale Entscheidungsmuster in einfachen Lotterien mit moderaten Wahrscheinlichkeiten lassen sich so mithilfe des Erwartungsnutzenansatzes unter Anwendung der Klasse der HARA‐Nutzenfunktionen recht gut beschreiben, und Aussagen über Verhaltensänderungen vor und nach einem exogenen Schock können abgeleitet werden.

Erwin Amann, Jonas Dorlöchter

26. „Lifetime Expected Credit Losses“ im Rahmen des Impairments nach IFRS 9

Ein kritischer Vergleich unterschiedlicher Modellierungsansätze

Für Finanzinstrumente, die zu fortgeführten Anschaffungskosten zu bewerten sind, hat der IFRS 9 mit dem „(Lifetime) Expected Credit Loss“ (LECL) ab dem Jahr 2018 einen komplexen Wertminderungsmaßstab geschaffen, der an das finanzwirtschaftliche Risikomanagement von Banken angelehnt ist und zukunftsorientierte Informationen berücksichtigen soll. In der Diskussion um diesen neuen prospektiven Mechanismus der Verlustantizipation ist sowohl die konzeptionelle Operationalisierung der Modellparameter als auch eine intensive Auseinandersetzung mit den Anwendungsvoraussetzungen und -konsequenzen bisher weitestgehend vernachlässigt worden. Vor diesem Hintergrund werden im vorliegenden Beitrag verschiedene Modellierungsansätze für die Parameter des LECL kritisch analysiert und hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit untersucht. Im Ergebnis zeigt sich, dass der LECL in der praktischen Anwendung infolge der nur bedingten Einsetzbarkeit der vorhandenen Ansätze (bisher) faktisch eher einer einfachen, heuristischen Umsetzung gleicht.

Joachim Krag, Sascha H. Mölls

Management und Hochschule

Frontmatter

27. Management mit Glück?

Ist Unternehmenserfolg eher glücklichen Umständen geschuldet oder der besonderen Eignung seiner Geschäftsführung oder des Vorstands? Lassen sich die Beachtung ordentlicher kaufmännischer „Spielregeln“ und wirtschaftlich sowie wissenschaftlich durchdachter Führungs- und Organisationsstrukturen nebst dem passenden Einsatz von Werkzeugen vom „Glück“ getrennt betrachten, um einen Erfolg zu begründen? Spielen glückliche Umstände etwa auch beim Management in speziellen Branchen eine Rolle? Der Beitrag „Management mit Glück?“ zeigt auf, dass dieser scheinbar irrationale Aspekt nicht von rationaler BWL-„Lehrbuchweisheit“ zu trennen ist, zumal Letztere doch im Wesentlichen auf einige wenige Grundregeln zurückzuführen ist, die schon vor langer Zeit überliefert wurden.

Andreas J. W. Goldschmidt

28. E-Business-Model-Generator

Der E-Business-Model-Generator ist ein praxisorientiertes Tool und Rahmenwerk für den Aufbau von elektronischen Geschäftsmodellen und -prozessen. Er ist nicht nur für neuartige Geschäftsmodelle in Bezug auf Neugründungen in der Digitalen Wirtschaft (E-Entrepreneurship) anwendbar, sondern auch für die Rekonfiguration bestehender Geschäftsmodelle in einer zunehmend vernetzten und digitalen Umwelt (E-Intrapreneurship). Durch den modularen Ansatz der Basisarchitektur elektronischer Geschäftsmodelle können beide Arten der Generierung von Geschäftsmodellen gemeistert werden und dieses Rahmenwerk ferner als Vorlage für die Lehre von E-Entrepreneurship in Schulen und Universitäten genutzt werden. Damit wird ein umfassendes Rahmenwerk vermittelt, wie ein digitales Geschäftsmodell basierend auf Wertschöpfungsprozessen durch innovative Informationstechnologie (IT) verstanden, entworfen, implementiert und kontinuierlich (re-)evaluiert werden kann. Entrepreneuren und Vorständen wird damit ein wirksames Tool an die Hand gegeben, das sie befähigt, auf einfache Art und Weise die Wertschöpfungslogik ihres Unternehmens zu erfassen, zu analysieren, zu artikulieren, zu teilen und letztlich auch zu verändern.

Tobias Kollmann

29. Five Things Every CEO Must Do in the Next Era of Globalization

A new and more complex phase of globalization has begun, and CEOs must determine how they can go global in a way that works for the long term. There’s more than one way to be global, but whatever a company’s geographic position, the certainty of globalization should determine its aspirations and approach. No matter how large, companies must be able to adapt quickly when regional conditions change. Spread the risk by building a network of partners. Create a “virtual” company with major capabilities and decision making spread around the globe. The company’s culture should be a global one, reflecting the various markets in which it does business. No one can run a company alone. CEOs must motivate, inspire, and encourage a multinational leadership team, and delegate real responsibility to the company’s leaders.

Hans-Paul Bürkner, Arindam Bhattacharya, Jorge Becerra

30. Ganzheitliches Markenmanagement im B2B-Sektor

Forschungsergebnisse für die Praxis

In diesem Beitrag werden zentrale Aspekte der Markenführung von Unternehmen in B2B-Märkten diskutiert, vor allem in Industriegütermärkten. Dabei werden Ansatzpunkte für ein erfolgreiches Markenmanagement verdeutlicht, soweit sie durch empirische Forschung belegt sind. Dies geschieht im Rahmen eines ganzheitlichen, sowohl interne und externe als auch Offline- und Online-Dimensionen umfassenden Konzepts des Markenmanagements.

Bodo Abel, Wolfgang Fritz, Rajan Nataraajan, Irina Trushnikova

31. Integration, Migration und Systemwettbewerb

Die Problematik heterogener Integrationsräume wird in der Realität vor allem über Migrationsbewegungen wahrgenommen. Diese werden durch regionale Unterschiede in der Prosperität und im regionalen Angebot von Öffentlichen Gütern ausgelöst. In den Zielregionen führen sie zu Furcht um Arbeitsplätze und um den Bestand der fiskalischen und sozialen Standards. Ihre Politiker neigen darum zunehmend dazu, die Migration zu unterbinden, um lokale Privilegien für ihre Wähler zu bewahren. Die Integrationsforschung zeigt jedoch, dass Migration im heterogenen Integrationsraum eine notwendige Voraussetzung zur optimalen Allokation der Produktionsfaktoren und damit zur Erreichung der angestrebten Integrationsziele ist. Die Theorie des Systemwettbewerbs zeigt in diesem Kontext, wie insbesondere bei Freiheit des Personenverkehrs, via „voting with one´s feet“ die bestehende Heterogenität ohne politische Regulierung reduziert werden kann. Die Umsetzung birgt jedoch erhebliche Probleme.

Franz Peter Lang

32. Der Wandel im Handel

Die Verknüpfung von Bewährtem mit Neuem als Erfolgskonzept?

Die Hauptaufgabe des Handels ist die Überwindung der Diskrepanz zwischen der Produktionsorientierung und der Bedarfsorientierung. Wesentliche Treiber der Dynamik und der Komplexität im Handel sind die umfangreichen, sich häufig ändernden Sortimente, die schnelle Imitation von nicht schutzfähigen Vermarktungskonzepten sowie der Eintritt in fremde Sortimentsgefilde und neue Märkte. Wissenschaft und Praxis haben sich bei der Entwicklung von Strategien jahrzehntelang an der Industrie orientiert und zugleich die vorhandene Wissensbasis des Handels weitgehend ignoriert. Dabei hat die Betriebswirtschaftslehre des Handels eine längere Tradition als jene der Industrie. Wie also können Alleinstellungsmerkmale für den Handel geschaffen werden, um im Wettbewerb zu bestehen? Zur Beantwortung dieser Frage greifen wir auf Bewährtes zurück und Neues auf. Die Ganzheitlichkeit sowie die Kundenorientierung einer BWL des Handels als dynamische Führungslehre stehen im Mittelpunkt.

Klaus Barth, Hendrik Schröder

33. Investitionen und unternehmerische Risiken in der Energiewirtschaft

Zur Bedeutung von Markt, Politik und Gesellschaft

Tiefgreifende Veränderungen in den letzten beiden Jahrzehnten haben Investitionen und unternehmerische Risiken in der Energiewirtschaft nachhaltig beeinflusst. Die aufgetretenen Verwerfungen, die auch in den Bilanzen und Aktienkursen der Energieunternehmen tiefe Spuren hinterlassen haben, werden in dem Beitrag hinsichtlich ihrer politischen und ökonomischen Hintergründe analysiert. Die „liberale“ Öffnung der Märkte für Elektrizität und Gas und der „grüne“ Umbau der Energiewirtschaft im Hinblick auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit erweisen sich dabei als Weichenstellungen, die vor allem in ihrer Kombination Theorie und Praxis vor große Herausforderungen stellen. Bereits ohne den grünen Umbau des Energiesystems sind Investitionen in wettbewerblichen Energiemärkten aufgrund der langen Kapitalbindung mit erheblichen Risiken behaftet. Und auch ohne wettbewerbliche Elektrizitätsmärkte führt der angestrebte ökologische Umbau zu erheblichen „politischen“ Risiken für die beteiligten Unternehmen.

Christoph Weber

34. Städte im Trend

Agglomerationsvorteile, externe Kosten und ihre Internalisierung

Die absolute und relative Zunahme der Stadtbevölkerung gehört zu den aktuellen Megatrends. Für Staaten wie Deutschland kehrt sich damit der Trend der Abwanderung ins Umland um. Dieser Beitrag beleuchtet die zu beobachtende Reurbanisierung in Deutschland aus volkswirtschaftlicher Sicht. Hierzu werden zum einen die ökonomischen Faktoren der Stadtentwicklung herausgearbeitet, wobei auf grundsätzliche ökonomische Erklärungen zur Existenz und Entwicklung von Städten bzw. Agglomerationen eingegangen wird. Während Agglomerationsvorteile die dichte Ansiedlung im Raum erklären, begrenzen Transportkosten die räumliche Ausdehnung. Zum anderen werden die im Zusammenhang mit der Stadtentwicklung auftretenden externen Kosten beschrieben und ökonomische Instrumente zu deren Internalisierung vorgestellt. Zudem wird verdeutlicht, dass bei der Internalisierung gegebenenfalls Agglomerationsvorteile Berücksichtigung finden müssen.

Antje-Mareike Dietrich, Inga Molenda

35. Staat vor privat?

Private Übernahme und Organisation von bislang staatlichen Aufgaben ist seit der Bankenkrise in die Kritik geraten. Auch im Hochschulbereich ist eine skeptische Haltung gegenüber der Zunahme privater Studienangebote zu erkennen, insbesondere vonseiten der staatlichen Überwachungsinstanzen. Trotz des in den letzten Jahren stark ausgebauten Akkreditierungssystems zur Qualitätssicherung wachsen die Bemühungen der staatlichen Stellen, die Organisationsprinzipien staatlicher Hochschulen auf die privaten Hochschulen zu übertragen. Die Argumente, die ins Feld geführt werden, sind die zu gewährleistende „Hochschulförmigkeit“ sowie die grundgesetzlich zu sichernde Freiheit von Lehre und Forschung. Der Beitrag zeigt, dass weder der Begriff der Hochschulförmigkeit noch die gesetzlichen Vorgaben zur Freiheit von Forschung und Lehre geeignete Begründungen für die durch Wissenschaftsrat und dessen Akkreditierungsregularien ausgeübten Eingriffe in die Verfasstheit und Organisation privater Hochschulen sind.

Harald Beschorner

36. Digitalisierte Bildung zwischen Humboldt und Le Bon

Humboldt und Le Bon teilten das Ideal eines Bildungssystems, welches das Individuum in den Mittelpunkt stellt und logisches Denkvermögen und Urteilskraft als zentrale Fähigkeiten vermittelt. Insgesamt war Humboldts Versuch, ein solches Bildungssystem zu erschaffen, sehr fortschrittlich. Mit klassischen organisatorischen Mitteln lässt sich eine universitäre Massenausbildung, wie Humboldt sie eigentlich im Sinn hatte, allerdings nicht bereitstellen. Neue Technologien im Bildungsbereich könnten dazu beitragen, sowohl die Vision Humboldts von einer universitären Massenausbildung umzusetzen, als auch die negativen Auswirkungen einer dogmatischen Umsetzung dieser Vision, wie sie Le Bon beschreibt, zu vermeiden. Hierzu bedarf es jedoch einer konstruktiven Diskussion über den Einsatz digitaler Technologien, in der traditionelle und neue Bildungsformate nicht als konkurrierende Modelle, sondern als Ergänzungen verstanden werden.

Sarah Wolff, Lisa Elschen

37. New Public Management: Lenkung von Investitionen im Hochschulbereich mittels Effizienzanalysen

Eine Kritik am „DEA-Paradigma“ aus qualitätsorientierter Perspektive

Das New Public Management bestimmt seit geraumer Zeit die Lenkung von Investitionen im Hochschulbereich. Knappe Investitionsmittel sollen im Sinne der Leistungsziele einer Hochschule möglichst effizient verwendet werden. Als ein relativ anspruchsvolles Instrument der Effizienzanalyse im Hochschulbereich wird die Data Envelopment Analysis (DEA) vorgestellt. Einerseits werden spezifische Vorzüge der DEA-Technik herausgearbeitet. Andererseits werden auch konzeptionelle Schwierigkeiten der DEA-Technik identifiziert. Sie erstrecken sich auf drei Präsuppositionen hinsichtlich des Einsatzes einer identischen Technologie, der Quantifizierbarkeit aller effizienzrelevanten Aspekte sowie der Verfügbarkeit aller erforderlichen Daten. Aus qualitätsorientierter Perspektive wird die reduktionistische Quantifizierbarkeits-Präsupposition kritisch diskutiert. Sie erweist sich nicht nur für die exemplarisch betrachtete DEA-Technik, sondern auch generell für das New Public Management als charakteristisch.

Stephan Zelewski, Matthias Klumpp, Naciye Akca

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