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Open Access 2022 | Open Access | Buch

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„Beyond the Wall”: Game of Thrones aus interdisziplinärer Perspektive

herausgegeben von: Prof. Dr. Anna Gamper, Univ.-Prof. Dr. Thomas Müller

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Über dieses Buch

Dieses Open-Access-Buch beleuchtet das Serienphänomen „Game of Thrones“ aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven: Die rechtswissenschaftliche trifft auf die sprach-, musik-, literatur- und sozialwissenschaftliche, ferner die (kunst-)historische, psychologische und theologische Perspektive. Die Beiträge zeigen auf, dass die Serie reiche Anknüpfungspunkte für die wissenschaftliche Forschung unterschiedlichster Fachrichtungen bietet, die auch dazu anregen, sprichwörtlich „beyond the wall“ zu denken. Das Buch spricht dabei sowohl ein interdisziplinäres wissenschaftliches Publikum als auch sonstige Fans der Serie an.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Frontmatter

Open Access

Beyond the Wall oder: Was hat die Wissenschaft mit Game of Thrones zu tun?
Zusammenfassung
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem pop-kulturellen Phänomen Game of Thrones ist keine Ausnahmeerscheinung. Unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen haben Buch und Serie schon lange für sich entdeckt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Game of Thrones wegen der vielen Anleihen an unsere Realität für Forschung und Lehre interessant ist. Der vorliegende Beitrag geht drei Ausprägungen des Verhältnisses zwischen dem Medienphänomen Game of Thrones und der Wissenschaft nach (Wissenschaft über, anhand und in Game of Thrones).
Thomas Müller

A World of Ice and Fire aus musikwissenschaftlicher und (kunst)historischer Perspektive

Frontmatter

Open Access

Der mittelalterliche Herrscherhof als Vorbild? Macht und Machtstrukturen in Game of Thrones und die mittelalterliche Geschichte
Zusammenfassung
Die Inspiration für die Welt von Game of Thrones schöpft unbestreitbar aus dem europäischen Mittelalter. Vor allem die Geschichte Englands im Hoch- und Spätmittelalter und die Herrschaft der Dynastie der Plantagenets sowie ihrer Nebenlinien (1154–1485) bilden den Hintergrund für Handlung und Herrschaftsstrukturen. Auch einige historische Persönlichkeiten lassen sich mit fiktiven Figuren aus der von George R. R. Martin erschaffenen Fantasywelt vergleichen. Die Parallelen werden besonders deutlich, wenn man einen einzigen Aspekt als Vergleichsfolie untersucht, wie etwa den Herrscherhof. Ob im „realen“ Mittelalter oder in der fiktiven Welt von Westeros, der Hof übt dieselben zentralen Funktionen aus: So ist er nicht nur Medium der Selbstdarstellung/Repräsentation, sondern gleichzeitig höchste politische Entscheidungsinstanz, Sozialverband und Kommunikationszentrum. Schlüsselbegriffe der historischen Forschung wie Macht oder kommunikative Strukturen sind deshalb gut geeignet, um sich der fiktiven Hofgesellschaft von Königsmund analytisch zu nähern.
Jörg Schwarz

Open Access

Medievalismus ohne Mittelalter? Die Anachronie der Bilder in Game of Thrones
Zusammenfassung
Das mittelalterlich anmutende Design von Game of Thrones, seine Ansprüche und Wirkungsweisen wurden schon von unterschiedlichsten wissenschaftlichen Perspektiven aus in den Blick genommen. Einem Aspekt galt bislang aber kaum Aufmerksamkeit; der Frage nach der Rolle historischer Kunst in der Serie. Man würde eine Fokussierung auf mittelalterliche Settings und Artefakte erwarten. Doch bedient sich Game of Thrones des Motiv- und Stilrepertoires des gesamten Spektrums der Kunstgeschichte. Was auf den ersten Blick als beliebiger Eklektizismus erscheint, der historische Logik zugunsten visueller Effekte bricht, erweist sich bei eingehenderer Analyse durchaus als Strategie. Am einzelnen Beispiel lässt sich hinter den Sprüngen durch die Epochen das Kalkül erkennen, die Imagination historischer Ferne an die Lebenswelt der Gegenwart zu knüpfen und auf diese Weise rezeptiv aufzuschließen. Einerseits werden Zitate der Moderne in die historisierten Settings implantiert, umgekehrt populäre Motive mittelalterlicher Kunst, wie der Teppich von Bayeux, benutzt, um historische Plausibiliät und Identifikation zu generieren. Die jüngere Bildwissenschaft hat gezeigt, dass die Verschichtung unterschiedlicher Zeitebenen eine alte Technik des neuzeitlichen Bildes ist. Über die Anachronie von Bildern kann zeitliche Distanz ebenso erlebbar gemacht, wie das Vergangene mit der Gegenwart in Bezug gesetzt und damit andere Möglichkeiten rezeptiver Wirkung erzeugt werden, als es über rekonstruktive Bilder von Vergangenheit möglich wäre.
Lukas Madersbacher

Open Access

Alter Wein in neuen Schläuchen? Zu Techniken und Funktionen der Filmmusik von Ramin Djawadi in Game of Thrones
Zusammenfassung
Es besteht wohl kein Zweifel, dass die Filmmusik des Komponisten Ramin Djawadi am weltweiten Erfolg der Serie Game of Thrones einen erheblichen Anteil hat. Djawadi gelang es, eine ideal auf die vielschichtige Phantasiewelt der Serie abgestimmte Klangwelt zu kreieren, die die zahlreichen Unwägbarkeiten und überraschenden Wendungen der Handlungsfolgen musikalisch reflektiert. Seine epische, stark emotionale und vor allem unglaublich bildhafte Tonsprache zeichnet sich, neben allen innovativen Aspekten im Sound Design, durch einen Rückgriff auf Kompositionstechniken aus, deren Ursprünge weit in die Musikgeschichte zurückreichen. In dem Beitrag werden die wesentlichen Techniken der Filmmusik, wie das Underscoring, die Mood-Technik und vor allem die subtile Leitmotivtechnik betrachtet, die sich durch sämtliche Staffeln hindurchzieht und mit deren Hilfe der hochkomplexen Handlung eine Einheit und ein innerer Zusammenhalt gewährt wird. Insbesondere eingegangen wird auf die Titelmusik sowie auf die Szene Light of the Seven, die zur ersten Szene des Finales der sechsten Staffel The Winds of Winter erklingt und die auch ein deutliches Beispiel dafür ist, wie die Wahrnehmung der Zuschauer mithilfe der Musik geleitet werden kann.
Monika Fink

A World of Ice and Fire aus sprach- und literaturwissenschaftlicher Perspektive

Frontmatter

Open Access

Language of Dominance, Language of Resistance: Cersei Lannister’s and Arya Stark’s Discursive Strategies Compared
Abstract
Fictional dialogue contains evidence about the conversational and rhetorical strategies that contribute to characterisation and plot development. Through their words, fictional characters not only create their identities, but also express the set of values they are meant to represent, since dialogues are constructed following the conventions of the community that produces and forms the audience of the fictional product. This paper analyses utterances and dialogue sequences by Cersei Lannister and Arya Stark, with a special attention to how they engage with their gender and related issues, showing the differences and similarities between these two iconic female characters.
Gabriella Mazzon

Open Access

‘Rare but there’: On subtleties and saliencies of (pseudo-)archaisms in Game of Thrones scripted dialogues
Abstract
This paper is going to carve out to what extent the use of morpho-syntactical as well as lexico-conceptual archaisms is frequent or salient in the Game of Thrones series dialogue transcripts and what kind of (pseudo-)archaisms the screenplay writers were working with in order to add a ‘pseudo-medieval feel’ to the discourse on screen. By making use of the corpus tool Sketch Engine, I shall demonstrate that archaisms and particularly pseudo-archaisms in Game of Thrones may not be particularly frequent token-wise, but are highly salient, despite their presence being subtle and impalpable. Their function as pseudo-medieval landmarks, however, will be shown to be cohesive throughout the scripted dialogues in the Game of Thrones series.
Monika Kirner-Ludwig

Open Access

„If you think this has a happy ending, you haven’t been paying attention”. – Der Widerspruch von Serialität und Finalität bei Game of Thrones
Zusammenfassung
Das Serienfinale von Game of Thrones wurde von Kritikerinnen und Kritikern und Fans gleichermaßen überwiegend negativ aufgenommen. Hierfür wurden vor allem handwerkliche Fehler der Showrunner verantwortlich gemacht sowie die fehlende Vorlage von George R. R. Martin. Diese Erklärung scheint aber zu kurz gegriffen. Vielmehr zeigt das Serienfinale grundlegende Probleme im Verhältnis von Serialität und Finalität auf, die gerade durch die Erwartung von Komplexitätssteigerung im Quality-TV noch multipliziert werden. Neben diesen strukturellen Gründen scheint es aber vor allem das Vorführen des eigenen Publikums zu sein, das entgegen der Konventionen der Serie dazu gebracht wurde, auf ein Happy End zu hoffen, nur um umso mehr enttäuscht zu werden. Dies wird ausführlich am Beispiel der Figur Daenerys Targaryen analysiert, die von der Serie zunächst als Heilsbringerin inszeniert wird, nur um ein umso tragischeres Ende zu finden. Dass dabei diese positive Inszenierung immer schon fragwürdig war, wurde vom Publikum lange Zeit ignoriert. Abschließend stellt der Beitrag die Frage, ob das Verschwinden von Game of Thrones aus dem öffentlichen Diskurs nicht auch in dem nicht-reproduzierbaren Ereignischarakter der Serie selbst begründet liegt.
Tobias Unterhuber

Open Access

Sprachvarietäten in Game of Thrones
Wieso klingt die deutsche Synchronfassung anders?
Zusammenfassung
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, warum die deutsche Synchronfassung der ersten Staffel der Serie Game of Thrones anders klingt als das englische Original. Die Frage bezieht sich dabei auf die realen diatopischen und diastratischen englischen Sprachvarietäten, die in der Serie als Varietäten der fiktiven Common Tongue neu verankert werden, und darauf ob bzw. inwieweit diese in der deutschen Synchronfassung als Varietäten der Gemeinen Zunge vorkommen. In einem ersten Schritt werden dazu die Eigenschaften und Auswirkungen der im Original vorkommenden Sprachvarietäten analysiert, indem die Charaktere in vier Gruppen aufgeteilt werden. Auf diese Analyse folgen eine Diskussion der aktuellen Translationsstrategien im Umgang mit (vor allem diatopischen) Sprachvarietäten bei der Synchronisation sowie eine vergleichsbasierte Analyse ihres Vorkommens in der deutschen Synchronfassung der Staffel. Abschließend wird eine neue Translationsstrategie für die Synchronisation von Sprachvarietäten in Fantasyfilmen und -serien vorgeschlagen.
Christina Scharf

A World of Ice and Fire aus rechtswissenschaftlicher Perspektive

Frontmatter

Open Access

Vom Tyrann(inn)enmord zur Sezession des Nordens: Die Allgemeine Staatslehre in Game of Thrones
Zusammenfassung
Die Allgemeine Staatslehre und die Kultserie Game of Thrones verbindet mehr, als man von einer altehrwürdigen Wissenschaft annehmen würde, auch wenn es für Fiktionales in der Staatstheorie – von „Politeia“ bis Thomas Hobbesʼ „Leviathan“– längst prominente Beispiele gibt. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich jedoch verschiedene maßgebliche Themen, Handlungsabläufe und auch das Finale der komplexen Serie als eine Reihe illustrativer Lehrbeispiele darüber, wie staatliche Ordnungen entstehen und zerfallen, Staatsformen sich wandeln und welche Auswirkungen das Fehlen einer „geschriebenen“ Verfassung hat. Vor dem Hintergrund aktueller Sezessionsbestrebungen in Europa und weltweit erhebt sich etwa die Frage, ob sich die Sezession des Nordens als legitimer Versuch, das äußere Selbstbestimmungsrecht eines unterdrückten Volks zu verwirklichen, deuten lässt. Ist das tragische Ende von Daenerys Targaryen ein legitimer Tyranninnenmord, nachdem ihr Widerstand gegen Sklaverei und das Regime einer anderen Tyrannin in einen Gewaltexzess gemündet hatte, der, verbunden mit ihrem Anspruch auf Weltherrschaft, alles andere als Freiheit und Grundrechte erwarten ließ? Und wird Westeros am Ende zu einer Demokratie, bloß weil – statt der bisherigen Erbmonarchie – eine Wahlversammlung den neuen König bestimmt? Diesen und anderen ausgewählten Problemstellungen geht der Beitrag nach und bemisst diese an den staatstheoretischen Erkenntnissen der Gegenwart.
Anna Gamper

Open Access

„Ein Lannister begleicht immer seine Schulden“: Was bedeutet dieses Motto aus schuldrechtlicher Sicht?
Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird der inoffizielle Familienwahlspruch „Ein Lannister begleicht immer seine Schulden“ aus privatrechtlicher Sicht betrachtet. Zwar mag die Familie Lannister den Ausspruch inflationär verwenden, aber von der wohl reichsten und ältesten Dynastie in Westeros kommend, hat er dennoch eine starke Symbolwirkung. Das Haus Lannister kann es sich leisten, sich aus (fast) jeder Situation herauszukaufen. Der Wahlspruch soll somit die Liquidität der Familie widerspiegeln, sodass man einem Lannister ohne Sorge Kredit gewähren können sollte. Doch wie verhält es sich aus rechtlicher Sicht, wenn etwa Tyrion, gefangen im Mondtor auf der Burg Hohenehr, das Familienmotto als Bekräftigung seines Schuldversprechens heranzieht? Man könnte zunächst an eine rechtsgeschäftliche Garantie denken, wonach der Versprechende für den zugesagten Erfolg einsteht und bei Ausbleiben auf volle Genugtuung haftet. Will Tyrion damit darüber hinaus aussagen, dass seine Familie für ihn einsteht, so muss man zwischen einer Verwendungszusage und einer Leistungsgarantie unterscheiden. Des Weiteren ist jener Fall zu würdigen, in dem z. B. Tywin Lannister, Oberhaupt des Hauses und Lord von Casterlystein, verspricht, für die Schulden seiner Kinder einzustehen, könnte es sich dabei doch möglicherweise um eine persönliche Kreditsicherheit handeln, die freilich ihrerseits rechtlich einzuordnen ist.
Simon Laimer, Susanna Eder

A World of Ice and Fire aus sozialwissenschaftlicher Perspektive

Frontmatter

Open Access

The Great Educators? The Societal Relevance of Game of Thrones from an International Relations’ Perspective
Abstract
What impact does Game of Thrones (GoT) have on International Relations (IR) as a discipline and how can IR contribute to a more nuanced understanding of the dynamics in Westeros? Research has shown that this epos has a pedagogical, an interpretative and an explanatory function. The series allows scholars to teach IR theories more effectively and enjoyably, it helps us to better understand contemporary political and societal phenomena, and political activists can utilize GoT to cause change in real-world. This article has two aims: first, it summarizes these three strands of research and by doing so, explains the developments in Westeros from an International Relations’ perspective. Second, it addresses a fourth aspect of GoT that has not been seriously considered yet: its educational function. Game of Thrones conveys key concepts of IR to ordinary people without the need of academics as intermediaries. GoT is able to condition the way ordinary human beings and political decision-makers think. Consequently, the epos has a constitutive effect on the behavior of these individuals. Hence, the creators are great educators because they are more successful than most academics in making central concepts and insights of IR known to a broader public.
Franz Eder

Open Access

Game of Thrones und die Ästhetik der Macht
Zusammenfassung
Ein soziologischer Blick auf den Publikumserfolg von Game of Thrones legt nahe, dass dieser nicht an einer Widerspiegelung aktueller gesellschaftlicher Realitäten liegt, sondern in der spezifischen Form der literarischen Fiktion und filmischen Inszenierung. Die Ästhetik der Macht als künstlerische Gestaltung oder, im ursprünglichen Wortsinn, Versinnlichung eines der bedeutendsten und wirkmächtigsten sozialen Phänomene in der Form einer Fantasy Fiction stellt das eigentliche Faszinosum der Serie dar. Gewalt oder Nacktheit entfalten erst in diesem Kontext ihre Wirkungen. Einen wesentlichen Anteil an der Erzeugung von Spannung hat die Darstellung der Vielschichtigkeit der Macht als soziales Phänomen. Die Serie greift dabei auf Metaphern wie die von Drachen zurück, die kulturgeschichtlich mit Unzähmbarkeit und Übermacht fundamentaler Kräfte verbunden sind. Drachen und Ungeheuer aller Art in Träumen, Märchen, in Literatur und Filmen stellen ein Faszinosum dar, gerade weil sie die in der Sphäre der Wirklichkeit verdrängten Kräfte ästhetisch appräsentieren und damit eine „erlösende“ Wirkung erzielen. Die gelungene Gestaltung des Spannungsfeldes von Chaos und Ordnung mit Stilmitteln tief verwurzelter kultureller Metaphern ist ein entscheidender Faktor der faszinierenden Wirkung auf ein weltweites Publikum.
Helmut Staubmann

Open Access

„Das Volk … interessiert mich nicht“. Wirtschafts- und sozialhistorische Betrachtungen von Game of Thrones
Zusammenfassung
Dieser Beitrag liefert einen kursorischen Überblick über die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Welt von Game of Thrones. Dabei stellt sich die Welt von Westeros als agrarisch und ständisch dar, die Welt von Essos als von Handel, Sklaverei und Plünderungen geprägt. Die Sicht der Elite auf das einfache Volk ist zudem stark funktional, Menschen sind Manövriermasse für die Zwecke der Mächtigen. Ökonomische Verhältnisse stehen in der Serie allerdings auch klar im Hintergrund. Etwas fundiertere Darstellungen finden sich nur in Bezug auf das Finanzwesen und insbesondere der Blick auf Lebensrealitäten der einfachen Bevölkerung ist von starken Stereotypen geprägt. Dabei wird viel Potenzial vergeben, die Relevanz von sozialen Verhältnissen für historische Umwälzungen zu thematisieren.
Andreas Exenberger

A World of Ice and Fire aus psychologischer und theologischer Perspektive

Frontmatter

Open Access

Fernsehserien als Spiegel der Gesellschaft – Psychoanalytische Überlegungen zu Game of Thrones
Zusammenfassung
Nachdem sich die sozialwissenschaftliche Analyse des Unterhaltungsfilms lange Zeit in Geiselhaft einer kritisch-negativistischen Perspektive befunden hat, erwacht neuerdings im Zusammenhang mit der Entstehung des Quality-TV ein unvoreingenommeneres Interesse an Film und Fernsehen. Die vermutlich schon seit Anbeginn der Menschheit existierende Faszination für fiktionale Geschichten und Erzählungen, die sich auch in audiovisuellen Medien transportieren lassen, liegt begründet in einer Reihe von psycho-sozialen Funktionen, die diese für Individuen wie auch Kollektive erfüllen (Eskapismus, Katharsis, Edukation, Transformation, Identität). Am Beispiel von Game of Thrones lässt sich zeigen, dass Fernsehserien auch eine unbewusste Tiefendimension haben, die mehr oder weniger kollektivierte Phantasien über die Verfasstheit der Gesellschaft einfangen und widerspiegeln, aber auch herausfordern. Anhand der Topographie von Game of Thrones mit den drei zentralen Lokalitäten Westeros, Essos und dem Norden wird gezeigt, dass diese die Elemente von Angst, Verdrängung und Hoffnung repräsentieren, wobei die unerwarteten Brüche und Schocks in der Serienhandlung, darunter insbesondere das Finale, diese gesellschaftliche Phantasie auch hinterfragen und die Zuschauer auf sich selbst zurückwerfen.
Gerald Poscheschnik

Open Access

„There is ice and there is fire“ – Religion und Identität in Game of Thrones
Zusammenfassung
Populäre Kultur, wie sie in Serien produziert wird, scheint auf den ersten Blick von geringem Interesse für die Wissenschaft zu sein, speziell für manche Bereiche der Theologie. Auch umgekehrt gibt es wohl wenig Beziehung und Interesse von Seiten der populären Kultur in Richtung theologischer Wissenschaft. Wie die Autorinnen im Beitrag zeigen wollen, stellen aber Serien wie Game of Thrones bzw. die literarische Vorlage A Song of Ice and Fire erkenntnistheoretische Grundlagen zur Verfügung, indem für jeden Menschen relevante Fragen verhandelt werden: Wer bin ich? Für wen halten mich die anderen? Was macht religiöse Menschen aus? In welchen Formationen treten Religionen auf? Inwiefern tragen Religionen zu einem gelingenden Leben bei? Wo zeigen sich die Abgründe der Religionen? Die populäre Kultur bietet ein großes Spektrum an Quellen und Inhalten, die Auskunft über das mögliche Selbstverständnis von Menschen geben und Auseinandersetzung in Gang bringen kann. Serien oder Bücher bilden einen Mikrokosmos, in dem sich gesellschaftliche und religiöse Entwicklungen abzeichnen. Der vorliegende Beitrag möchte diesen Mikrokosmos ausloten und die Frage stellen, welche Erkenntnisse mit Blick auf religiöse Identitäten von Personen und Gruppen gewonnen werden können. Die Autorinnen verstehen die Medien der populären Kultur, in diesem Fall Game of Thrones bzw. A Song of Ice and Fire, als Möglichkeit zur kritischen und kriteriengeleiteten Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und religiösen Werten und Normen.
Anna Kraml, Martina Kraml
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Metadaten
Titel
„Beyond the Wall”: Game of Thrones aus interdisziplinärer Perspektive
herausgegeben von
Prof. Dr. Anna Gamper
Univ.-Prof. Dr. Thomas Müller
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-36145-7
Print ISBN
978-3-658-36144-0
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-36145-7

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