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27.06.2016 | Big Data | Im Fokus | Onlineartikel

Der kluge Weg zur Industrie 4.0

Autor:
Andreas Burkert
3 Min. Lesedauer

Damit die Industrie bei der Digitalisierung nicht den Anschluss verliert, muss das produzierende Gewerbe von den Digital-Pionieren lernen. Und auch über pay per use nachdenken.

Vom ersten mechanischen Webstuhl bis zur 4. Industriellen Revolution waren es nur wenige Gedankenschritte. Doch erst heute könnte die vollkommene Automation gelingen. Die dafür notwendige digitale Infrastruktur ist technisch ausgereift. Das beweisen die großen Digital-Pioniere wie Google, Apple, Amazon, Facebook oder Microsoft. Sie nutzen die durchgängige Digitalisierung sämtlicher Prozesse für gänzlich neue Geschäftsmodelle, und sie verdienen mit Daten der Kunden Geld. Und darin sieht Professor Michael Schenk, Leiter des Fraunhofer IFF in Magdeburg, eine der ganz großen Chancen für kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland.

"Hersteller werden zu Dienstleistern und Kunden zu Datenproduzenten", erklärt Schenk die Entwicklung anlässlich der 19. IFF-Wissenschaftstage, die soeben in Magdeburg stattfanden. Zwei Tage lang diskutierten dort rund 400 Experten aus Wirtschaft und Forschung darüber, wie produzierende Unternehmen und die Logistikbranche die Herausforderungen der Digitalisierung und Industrie 4.0 bewältigen. Ein bedeutendes Vorhaben: Immerhin steht "die Wirtschaft mit Einzug der Industrie 4.0 vor einem grundlegenden Paradigmenwechsel", so Schenk.

Der kluge Umgang mit der Digitalisierung

So standen auch die Folgen der Digitalisierung der Wirtschaft für den Maschinen- und Anlagenbau, die Prozessindustrie und die Logistikbranche im Mittelpunkt des Kongresses. Vorgestellt wurden nicht nur neue Lösungen und Technologien für die Industrie 4.0. Insbesondere der Umgang mit der Digitalisierung, ihren Chancen und Möglichkeiten, die sie für die Unternehmen bietet, wurde zentral diskutiert. So steht außer Frage, dass die Digitalisierung und umfassende Vernetzung der Unternehmen, Produktionssysteme und Produkte im Zuge der Industrie 4.0 es erlauben, "Erfolgsrezepte der Internetkonzerne auf die produzierende Wirtschaft zu übertragen".

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Und statt des einmaligen Verkaufs eines Produkts beobachten die Forscher des Fraunhofer IFF bereits jetzt den Trend hin zu einem "pay per use"-Modell. So würden beispielsweise Industrieunternehmen ihre Produkte künftig eher vermieten und sich nur die tatsächliche Nutzung bezahlen lassen. Laut dem IFF liegt der Mehrwert für den Kunden bei der Kosten- und Risikoreduzierung. Die Anbieter wiederum würden von den erhobenen Betriebsdaten der vernetzten Produkte profitieren. Sie erhalten unter anderem für ihre Geschäftsentwicklung wertvolle Marktinformationen und können Serviceintervalle und die Qualität ihrer Produkte optimieren.

Für KMU ist Industrie 4.0 auch eine Kostenfrage

Allerdings ist der Weg dorthin schwierig und oftmals ein gewagter Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Innovationsdruck. "Die Hürde, die viele Unternehmen bei der Einführung von Technologien für die digitalisierte, vernetzte Produktion überwinden müssen, ist zum Teil hoch", wissen die Forscher. Zwar können produzierende Unternehmen bei erfolgreicher Digitalisierung der Logistik- und Produktionsprozesse signifikant Kosten sparen.

Doch "die Implementierung dieser Konzepte stellt vor allem Klein- und Mittelunternehmen  vor  existentielle  Herausforderungen, ausgelöst  durch  die  hohen  nötigen  Investitionskosten für die Anschaffung geeigneter Technologien", erklären die Springer-Autoren Selim Erol, Andreas Schumacher und Professor Wilfried Sihn in ihrem Kapitel "Auf dem Weg zur Industrie 4.0 – ein dreistufiges Vorgehensmodell". Und noch etwas sehen die Automatisierungsexperten: "Neben hohen Investitionskosten und nötigen organisationalen Strukturänderungen werden auf operationaler Ebene weitere Herausforderungen und Probleme sichtbar". Ihren Untersuchungen zufolge zeigen "erste Projekterfahrungen im Bereich der Industrie 4.0, dass Unternehmen Probleme haben, die neuartigen Visionen und Konzepte mit der eigenen strategischen Ausrichtung des Unternehmens zu vereinbaren“.

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