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04.10.2019 | Big Data | Im Fokus | Onlineartikel

Mit Datenmobilität zum Erfolg

Autor:
Andreas Burkert
5 Min. Lesedauer

Die Digitalisierung verschärft den Wettbewerb. Nur wer das Datensammeln, -aufbereiten und -qualifizieren beherrscht, kann mit datengetriebenen Geschäftsmodellen erfolgreich durchstarten. Das gilt derzeit vor allem für die Automobilbranche.

Ein Automobil ausschließlich als Produkt zu verstehen, wird dem Zeitgeist in keiner Form mehr gerecht. Wer so handelt, wird die Branche vermutlich in große Schwierigkeiten bringen. Der Weg vom Automobilproduzenten hin zum Mobilitätsanbieter führt ausschließlich über das Sammeln, Auswerten und Qualifizieren von Daten. Davon ist auch Professor Dr. Kortus‐Schultes überzeugt. Für die Springer-Publikation Innovative Produkte und Dienstleistungen in der Mobilität zeigt er in Kapitel Das Auto als weiteres ‚device‘ in der Cloud. Big Data, Geschäftsmodelle und Kooperationen in neuen/neuartigen Ökosystemen auf, welche Hürden Unternehmen bewältigen müssen. 

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Datengetriebene Geschäftsmodelle rund um das vernetzte Auto

Vernetzung und Automatisierung und die mit ihnen verbundene enorme Verarbeitung personenbezogener Daten führen dazu, dass viele neue Geschäftsmodelle entstehen, die gerade durch die Verarbeitung dieser Daten ermöglicht werden.

Seiner Ansicht nach beflügeln technischer Fortschritt, geänderte Kundenwünsche und neue Anbieter die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle in der Automobilbranche. Dabei sind "das mobile Internet, Smartphones und Social Media die Treiber neuartiger Kundenwünsche von Autofahrern". Und durch das Vernetzen und die mit ihnen verbundene enorme Verarbeitung personenbezogener Daten entstehen viele neue Geschäftsmodelle, die gerade durch die Verarbeitung dieser Daten ermöglicht werden. "Der Autokäufer erwirbt nicht mehr nur die 'Sache' Auto, sondern Fahrerlebnisse und Mobilitätslösungen im weitesten Sinne inklusive Kommunikation, Entertainment und weitere Dienstleistungen", schreibt Springer-Autor Benedikt Buchner in Datengetriebene Geschäftsmodelle rund um das vernetzte Auto. aus dem Buch Grundrechtsschutz im Smart Car. Im Fokus stehen qualifizierte Daten.

Lukrative datengetriebene Geschäftsmodelle

Denn damit sind nicht nur lukrative datengetriebene Geschäftsmodelle möglich, "sondern unumgänglich", erzählt Clemens Wasner. Der Gründer und Geschäftsführer der auf KI-spezialisierten EnliteAI ist davon überzeugt, "dass sich dadurch auch die Automobilbranche aus ihrer Sinnkrise auf dem Weg zum Mobilitätsanbieter retten kann". Wasner glaubt, dass sich dank Big Data wie auch Verfahren der künstlichen Intelligenz mittel und langfristig Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit absichern lassen. 

Wie erfolgreich bereits heute datengetriebene Geschäftsmodelle sind, zeigt eine aktuelle Studie der Information Services Group. Die Analysten haben ermittelt, dass der Markt für Data-Analytics- und Big-Data-getriebene Modelle in 2017 um 24 Prozent zugenommen hat. Bis zum Jahr 2020 wird sogar ein Umsatzvolumen von rund 36 Milliarden Euro erwartet. Wohlgemerkt allein in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist es gerechtfertigt, von einem regelrechten Boom zu sprechen. 

Allerdings muss auch darauf hingewiesen werden, dass die Digitalisierung den Wettbewerbsdruck erhöht. Zu diesem Ergebnis kommt der Wirtschaftsverband Bitkom in einer aktuellen Studie, für die 606 deutsche Unternehmen aus sämtlichen Branchen befragt wurden. So sagen zwei Drittel (65 Prozent) der Unternehmen ab 20 Mitarbeiter aus allen Branchen, dass IT- und Internet-Unternehmen in ihren Markt drängen, im vergangenen Jahr waren es erst 57 Prozent. Aber auch Unternehmen anderer Branchen werden durch die Digitalisierung plötzlich zu direkten Wettbewerbern – das erleben 60 Prozent der Unternehmen (2018: 53 Prozent). Und 42 Prozent räumen ein, dass ihnen Wettbewerber aus der eigenen Branche, die frühzeitig auf Digitalisierung gesetzt haben, nun voraus sind (2018: 37 Prozent)

Data Driven im internationalen Wettbewerb

Die Umfrage zeigt, dass Unternehmensdaten zunehmend an Bedeutung gewinnen. Das Zauberwort lautet dabei Data Driven. Dazu erklärt Michele Savino, Business Analyst Marketing & Digital Interaction von Swisscom: "Vor allem jene Unternehmen, die einen erhöhten Druck in ihrer Wertschöpfung spüren, machen sich Gedanken über datengetriebene Geschäftsmodelle". Stark betroffen ist der produzierende Sektor, da er einem internationalen Wettbewerb ausgesetzt ist, der sehr preissensitiv ist. Der entscheidende Wettbewerbsfaktor ist der erfolgreiche Umgang mit den eigenen Unternehmensdaten.

Die materiellen Ertragsquellen führender Technologieanbieter, wie beispielsweise Amazon, Google und Alibaba, sind nicht Produkte oder Dienstleistungen, sondern Plattformen, die die Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen erlauben. Dazu gehört jeweils eine Vielzahl von Geschäftsmodellen, die Traffic und damit Wertschöpfung auf den Plattformen generieren. Plattform-basierte Geschäftsmodelle gestatten es den beteiligten Akteuren, in kollaborativer Zusammenarbeit Ökosysteme zu schaffen, um Wachstum durch bisherige Branchen – und Firmen – grenzen sprengende Angebote zu realisieren".  In: Das Auto als weiteres ‚device‘ in der Cloud. Big Data, Geschäftsmodelle und Kooperationen in neuen/neuartigen Ökosystemen

"Maschinendaten, Marketinginformationen oder HR-Daten, die heute dank digitaler Technologien in großen Mengen angehäuft werden, dienen Unternehmen als Grundlage für interne Prozessoptimierungen, verbesserte Kundenerlebnisse und neue Geschäftsmodelle – jedoch nur, wenn sie ins Zentrum der eigenen Wertschöpfung gestellt werden". Doch warum agieren viele Unternehmen beim Einsatz entsprechender Big-Data-Techniken noch derart zurückhaltend? Aufschluss liefert dazu auch die Bitkom-Studie. So sehen drei Viertel (74 Prozent) den Datenschutz als größte Hürde. Damit ist Datenschutz nicht nur der am häufigsten genannte Grund, im Zeitverlauf fühlen sich immer mehr Unternehmen durch ihn behindert.

Datenschutz als Bremsklotz der Innovationen

Vor einem Jahr hatten erst 63 Prozent Datenschutz als Technologie-Hürde genannt, 2017 sogar nur 45 Prozent. "Wir sollten aufpassen, dass wir in Deutschland nicht irgendwann den im internationalen Vergleich besten Datenschutz haben, aber mangels innovativer Geschäftsmodelle und veralteten Technologien keine wettbewerbsfähigen Unternehmen mehr", so Bitkom-Präsident Achim Berg: "Für die datengetriebene Wirtschaft brauchen wir eine in sich konsistente Datenpolitik, die nicht alle Daten über einen Kamm schert. Wir brauchen eine neue Balance zwischen Schutz der Privatsphäre und der Nutzung von Daten".

Für Wasner hingegen mag die Datenschutz-Grundverordnung DSGVO "für den Business to Customer Bereich gewisse Einschränkungen mit sich bringen. Aber nur daran wird bei uns kein Unternehmen scheitern", erzählt er uns im Interview. Mittelfristig sieht er durch die europäischen Datenschutzbestimmungen sogar einen Wettbewerbsvorteil gegenüber angloamerikanischen und chinesischen Unternehmen. "Denn diese werden früher oder später auch ihre Datenschutzgesetze auf den Stand der Zeit anpassen müssen. Wer also jetzt dies bei seinen Datensammlungs- und Verarbeitungssystemen vorsieht, wird sich mit einem internationalen Roll-out um einiges leichter tun".

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