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17.05.2021 | Bilanz | Nachricht | Onlineartikel

Europas Banken erleiden Gewinneinbußen

Autor:
Swantje Francke
3 Min. Lesedauer

Die Kostenschraube bei Europas Banken bleibt weiter in Bewegung, nachdem das vergangene Jahr jedem zehnten Institut Verluste beschert hat. Einen Überblick über die wichtigsten Kennzahlen aus 2020 liefert der aktuelle European Retail Banking Radar 2021.

Das Pandemiejahr 2020 hat bei Europas Banken auf die Gewinne gedrückt. Wie aus der Erhebung des European Retail Banking Radar 2021 hervorgeht, fuhr jede zehnte Bank Verluste ein. Im Durchschnitt belief sich der Gewinnrückgang pro Kunde auf 30 Prozent zum Vorjahr, ergab die jährlich durchgeführte Auswertung der Unternehmensberatung Kearney. Sie basiert auf Daten von 89 Privatkundenbanken in 22 Ländern, davon 51 Banken in Westeuropa und 38 Banken in Osteuropa. 

"Es besteht kein Zweifel, dass die Pandemie erhebliche Auswirkungen auf die Banken hatte. Die Folgen waren aber weniger schwerwiegend als noch im Vorjahr prognostiziert. Dafür verantwortlich sind die Hilfsprogramme und die Lehren, die aus der Finanzkrise gezogen wurden", erläutert Studienautorin Daniela Chikova. Dennoch erhöht sich der Druck auf die Banken, ihre Kosten noch weiter zu senken. Um die Rentabilität zu steigern und zur Performance von Vor-Covid-Zeiten zurückzukehren, müssten laut Kearney innerhalb von drei bis fünf Jahren die Kosten um 35 bis 45 Milliarden Euro gesenkt werden.

Kostendruck der Banken steigt

An Ursachen für Performanceverluste mangelte es den europäischen Banken 2020 nicht:

  • die Risikovorsorge stieg gemessen am Umsatz 2020 im Durchschnitt auf 14 Prozent und damit auf das höchste Niveau seit der globalen Finanzkrise,
  • insgesamt erzielten 70 Prozent der Banken einen durchschnittlichen Gewinn pro Kunden von unter 100 Euro; im Vorjahr war dies nur bei 40 Prozent der Banken der Fall,
  • die Einnahmen der Geschäftsbanken schrumpften in 19 der 22 analysierten Länder verglichen mit 2019, wobei die britischen Banken mit zehn Prozent den höchsten Rückgang verzeichneten.

Zugleich unterzogen sich viele Banken seit den letzten fünf Jahren schon weitreichender Sparprogramme. Im gesamten Bankensektor sank die Anzahl der Mitarbeiter um neun Prozent und die Anzahl der Filialen schrumpfte um 19 Prozent. Betrachtet man die Performance einzelner Banken genauer, dann trennten sich die obersten 20 Prozent von 16 Prozent ihrer Mitarbeiter, reduzierten die Anzahl ihrer Filialen um 26 Prozent und verbesserten ihre Cost-Income-Ratio (Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag als Kennzahl für Rentabilität und Kosteneffizienz) von 65 auf 60 Prozent. Bei den unteren 20 Prozent der Banken stieg die Cost-Income-Ratio von 53 auf 68 Prozent - eine deutliche Leistungsschwäche.

Deutsche Banken leiden an hohen Kosten

Das Schlusslicht in puncto Profitabilität bilden im europäischen Vergleich die deutschen Geldhäuser. Hohe Kosten verhagelten deren Cost-Income-Ratio zum wiederholten Mal. Diese liegt nun wieder bei über 70 Prozent. "Trotz einer stabilen Ertragsentwicklung auch im Pandemiejahr 2020 bekommen die deutschen Banken ihre Kosten nicht nachhaltig in den Griff", fasst Daniela Chikova das unbefriedigende Abschneiden zusammen. Dagegen schnitt Deutschland zumindest beim Gewinn pro Kunden mit einem Rückgang von 25 Prozent etwas besser ab als der europäische Durchschnitt (30 Prozent).

Ein positiveres Bild geben die deutschen Institute im Hinblick auf notleidende Kredite ab. Durch die positive konjunkturelle Lage der vergangenen Jahre mussten die deutschen Institute die geringsten Vorsorgen im europäischen Vergleich bilden. Obwohl die Banken in der Krise nun ihre Rückstellungen verdoppelten, sind deutlich weniger Kreditverluste privater Haushalte als im übrigen Europa zu erwarten.

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