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07.02.2019 | Bilanzierung | Im Fokus | Onlineartikel

Banken kämpfen mit niedrigen Zinsen und Margendruck

Autoren:
Angelika Breinich-Schilly, Christian Kemper

In der Finanzbranche fallen die ersten Ergebnisse des Geschäftsjahrs 2018 zum Teil enttäuschend aus. Den Instituten fehlt es häufig an Erträgen aus traditionellen Segmenten. Hier sind gute Ideen für neue Wachstumsfelder gefragt.
 

Die vergangenen zwölf Monate haben Spuren hinterlassen in den Bilanzen vieler Finanzinstitute hierzulande. Das schwierige Marktumfeld mit anhaltend niedrigen Zinsen, steigenden Kosten und hartem Margendruck belasten die Geschäftsergebnisse führender Häuser mehr oder weniger stark. 

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Als eines der ersten Institute verkündete die Deutsche Bank Anfang Februar ihre vorläufigen, noch nicht testierten Zahlen für das vierte Quartal 2018 und für das gesamte vergangene Geschäftsjahr. Die Erträge betrugen im Gesamtjahr 25,3 Milliarden Euro, was einem Rückgang von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Konzerngewinn nach Steuern stiegt 2018 auf 341 Millionen Euro nach einem Nettoverlust von 735 Millionen Euro im Jahr 2017. Das Ergebnis vor Steuern betrug 1,3 Milliarden Euro und stieg damit gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent. 

"Erreicht haben wir diesen Gewinn vor allem aufgrund unserer Disziplin und Umsetzungsstärke", betont Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Sein Sparprogramm konnte er mit einem Rückgang der Kosten um fünf Prozent in den vergangenen zwölf Monaten auf nun 22,8 Milliarden Euro sogar unterbieten. Im Zuge dessen mussten jedoch viele Mitarbeiter das Geldhaus verlassen. Die Zahl der Vollzeitstellen ist zum Jahresende 2018 um 6.000 auf rund 91.700 gesunken. "Wir starten so mit besseren Voraussetzungen in eine neue Phase für unsere Bank", verspricht Sewing. 2019 werde es darum gehen, nicht nur die Disziplin zu wahren, sondern auch die Erträge zu steigern. Zu den Gerüchten um eine mögliche Fusion mit der Commerzbank, äußerte sich Sewing zum Zeitpunkt der Präsentation der Bilanzzahlen nicht. Die Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2018 und des Berichts nach Form 20-F ist für den 22. März 2019 vorgesehen.

Comdirect investiert in Wachstum

Für die Commerzbank-Tochter Comdirect fiel das Geschäftsjahr 2018 deutlich unerfreulicher aus, als geplant. So fiel das Konzernergebnis um rund 25 Prozent auf 70,7 Millionen Euro. Der Überschuss sank entsprechend um 30 Prozent auf 50,3 Millionen Euro. Als Grund für den Rückgang nannte Vorstandschef Arno Walter steigende Kosten insbesondere für die Kundengewinnung und technologische Innovationen. "Wir haben die Investitionen für Wachstum und Weiterentwicklung deutlich erhöht und haben trotzdem ein ordentliches Ergebnis erzielt", betonte Walter Ende Januar in Frankfurt am Main. 

Erstmals Zahlen der ING Holding Deutschland

Erstmals veröffentlichte die ING Holding Deutschland Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr. Das Institut erzielte inklusive der Daten des Baufinanzierers Interhyp und weiterer Holdinggesellschaften einen Vorsteuerergebnis von 1,322 Milliarden Euro. Betrachtet man die Zahlen der alten ING Diba AG, so steigerte die Bank das Ergebnis vor Steuern 2018 auf 1,280 Milliarden Euro von 1,269 Milliarden Euro im Vorjahr. Diese Zahlen wurden, so hieß es bei der Bekanntgabe am Donnerstag in Frankfurt, "letztmalig aus Gründen der Vergleichbarkeit" erhoben. Das Kreditvolumen stieg 2018 auf insgesamt 35,9 Milliarden Euro von 30,7 Milliarden Euro im Vorjahr und blieb damit größter Wachstumstreiber des Instituts. 

Insgesamt verzeichneten alle Geschäftsbereiche eine positive Entwicklung. Zu den besten Sparten zählten die Girokonten mit einem Plus von 18 Prozent auf nun 2,5 Millionen sowie die Interhyp Finanzierungen, die um elf Prozent auf 22 Milliarden Euro wuchsen. Die deutsche Tochter des niederländischen Bankkonzerns, der nur noch rechtlich mit dem Zusatz Diba firmiert, freute sich insgesamt über einen Zuwachs von bereinigt 200.000 neuen Kunden und steigerte damit deren Zahl auf insgesamt 9,3 Millionen. 

ING setzt auf Plattformidee

Künftig will sich das Geldhaus vor allem verstärkt auf den hart umkämpften Markt für kleinere und mittlere Geschäftskunden sowie die weitere Digitalisierung konzentrieren, erklärte Deutschlandchef Nick Jue. "Wir sehen in Deutschland noch viel Potenzial", ergänzte sein Kollege und Deutschland-Finanzchef Remco Nieland. Und das liege vor allem im Mobile Banking - egal, ob für Privat- oder Firmenkunden. Deshalb wolle man als Unternehmen noch agiler werden und rücke unter anderem den Plattformgedanken stärker in den Fokus. So sollen ING-Kunden in Zukunft etwa "hoch individualisierte Angebote" aus dem eigenen Haus, aber auch von Drittanbietern erhalten und das über alle digitalen Kanäle hinweg. Beispielsweise entwickele die Bank derzeit exklusive und neuartige Versicherungsprodukte gemeinsam mit der Axa-Gruppe, die noch 2019 marktreif sein sollen. Ebenfalls im laufenden Jahr will das Institut Kunden außerdem ermöglichen, ein Konto komplett über die App zu eröffnen.

Kunden auf Augenhöhe begegnen

"Der Individualität des Kunden muss heute in weit größerem Ausmaß entsprochen werden – und das durchaus nicht nur, weil der Gesetzgeber es fordert, die Kunden erwarten es", beschreiben Rolf Bögli und Anja Hochberg die aktuelle Situation der Banken. "Sie wollen eine merklich andere Bank. Eine Bank, die ihnen entgegenkommt und auf Augenhöhe begegnet, die sich für sie und ihr ganz persönliches Wohlergehen interessiert, nicht nur für Anzahl und Umfang der Transaktionen und die daraus resultierenden Einnahmen", erklären die Springer-Autoren im Buchkapitel "Herausforderungen und Chancen im Private Banking – Regulatorische Rahmenbedingungen und Kundenbedürfnisse im Wandel" (Seite 545).

Die Bank, die diesem Bedürfnis am besten entspricht, wird im Privatkundengeschäft ihre Stellung ausbauen. Im Private Banking war dies in gewisser Weise gang und gäbe, aber die Krise hat diesen Anspruch der vermögenden Kundschaft nochmals deutlich unterstrichen", meinen Bögli und Hochberg.



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