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20.04.2017 | Bilanzierung | Im Fokus | Onlineartikel

Erstmalige Durchführung von Bilanzanalysen nach dem BilRUG

Autor:
Prof. Dr. Ludwig Hierl

Einige Unternehmen haben bereits ihre Bilanz 2016 unter erstmaliger Anwendung des Bilanz-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) erstellt. Investoren und Banken sollten die Besonderheiten kennen, um die Entwicklungen nachvollziehen zu können. Ein Gastbeitrag von Ludwig Hierl. 

Ziel einer Bilanz- bzw. Jahresabschlussanalyse ist die Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens. Das hierfür im Regelfall verwendete Instrument ist eine Kennzahlenanalyse. Anstelle auf pauschale Richtwerte zurückzugreifen, sollten bei der Interpretation von Kennzahlen Längsvergleiche mit den Daten der letzten Jahre sowie Quervergleiche mit Wettbewerbern erfolgen. Bei den nun verfügbaren Jahresabschlüssen für das Geschäftsjahr 2016 müssen erstmalig die sich aus dem BilRUG ergebenden Änderungen beachtet werden. Ansonsten sind Fehlinterpretationen bei den Vorjahresvergleichen fast schon vorprogrammiert. Die Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) sind dabei deutlich gravierender als auf die Bilanz. Auch Banken müssen sich mit den Auswirkungen des BilRUG auf die Bilanzen ihrer Unternehmenskunden verstärkt befassen, vor allem mit Blick auf die laufende Ertragslage der Unternehmen sowie die Risiken im Kreditgeschäft.

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Das BilRUG – Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz

Nachfolgend zeigen wir zunächst im Überblick die wichtigsten Änderungen im Rahmen des Einzelabschlusses auf.Die Schwellenwerte „Bilanzsumme“ und „Umsatzerlöse“ zur Ermittlung der Größenklassen nach § 267 HGB für Kapitalgesellschaften und …

 

Bilanziell ist vor allem zu berücksichtigen, dass nun gemäß § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens sowie entgeltlich erworbene Geschäfts- oder Firmenwerte ein Abschreibungszeitraum von zehn Jahren vorgesehen ist. Sofern die Schätzung einer voraussichtlichen Nutzungsdauer im anzustrebenden Regelfall möglich ist, ist davon (weiterhin) abzuweichen.

Neuregelungen in der GuV 

Innerhalb der GuV erfolgten insbesondere eine Neudefinition der Umsatzerlöse sowie ein Wegfall des außerordentlichen Ergebnisbereichs. Gemäß § 277 Abs. 1 HGB sind als Umsatzerlöse nun auch solche Erlöse auszuweisen, die nicht aus der typischen Geschäftstätigkeit stammen, wie beispielsweise Erlöse aus der Vermietung beziehungsweise Verpachtung von Produkten, aus der Überlassung von Mitarbeitern oder aus dem Betrieb einer Kantine. Durch den Einbezug dieser zuvor in den sonstigen betrieblichen (oder außerordentlichen) Erträgen ausgewiesenen Erlöse verbessern sich die Umsatzerlöse und damit alle absoluten und relativen Erfolgsgrößen, die darauf basieren. Die Streichung der außerordentlichen Positionen führt einerseits zu einer Straffung der GuV-Gliederung, andererseits aber auch zu einem Anstieg der betrieblichen Aufwendungen und Erträge.

EBIT verändert sich 

Sofern es bislang beispielsweise gelang, Aufwendungen als außerordentlich einzustufen, verschlechtert sich bei der nun erforderlichen Neuzuordnung das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern).  Das EBIT kann sich allerdings auch verbessern, beispielsweise durch Erträge aus der Veräußerung von Anlagevermögen. Diese wurden bislang in der betrieblichen Praxis zum Teil dem außerordentlichen Ergebnis zugeordnet und sind nun als sonstige betriebliche Erträge zu kontieren. Selbst eine Zurechnung zu den Umsatzerlösen ist im Ausnahmefall möglich, wenn die Vermögensgegenstände trotz ihres Ausweises im Anlagevermögen regelmäßig veräußert werden, so dass sie als Produkte einzustufen sind. Dies wird beispielsweise bei Leasing- oder Immobiliengesellschaften zu prüfen sein.

Weniger Unterlagen für die Analyse verfügbar  

Für externe Stakeholder ergibt sich mit dem BilRUG als Vorteil, dass gemäß § 325 Abs. 1 HGB der festgestellte oder gebilligte Jahresabschluss, der Lagebericht und der Bestätigungs- beziehungsweise Versagensvermerk gemeinsam offenzulegen sind. Es ist nicht mehr zulässig, zunächst ungeprüfte und damit fehleranfälligere Jahresabschlüsse einzureichen. Ergeben sich später Änderungen beim Abschluss, sind diese gemäß neu eingefügtem § 325 Abs. 1b HGB ebenfalls offenzulegen. Nachteilig ist, dass aufgrund der Erhöhung der Schwellenwerte und damit der Grundlage für die größenabhängigen Erstellungs-, Prüfungs- und Offenlegungspflichten für Einzel- und Konzernabschlüsse, tendenziell weniger Unterlagen für die Abschlussanalyse zur Verfügung stehen. Gemildert werden die negativen Transparenzauswirkungen der Anhebung der Schwellenwerte dadurch, dass sich einerseits wie oben beschrieben die Umsatzerlöse erhöhen und andererseits durch den nun vorzunehmenden Einbezug von aktiven latenten Steuern sowie von aktiven Unterschiedsbeträgen aus der Vermögensverrechnung auch die Bilanzsummen ansteigen dürften. Reine Investment- beziehungsweise Beteiligungsgesellschaften (so genannte Holdings) dürfen zudem gemäß § 267a Abs. 3 HGB die größenabhängigen Erleichterungen für Kleinstkapitalgesellschaften nicht mehr in Anspruch nehmen.

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