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2022 | Buch

Bildjournalismus und Pressefotografie

Geschichte, mediale Formate, Analysen. Eine Einführung

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Über dieses Buch

Der Band ist ein Überblickswerk über die Geschichte und Entwicklung der (Presse)Fotografie von ihren Anfänge bis zur heutigen Digitalisierung sowie über die wichtigsten Publikationsformen (Zeitschriften) in Deutschland. Darüber hinaus bietet er grundlegende Ansätze und methodische Hinweise zur Analyse von Fotografien.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Zur Entwicklung der Fotografie
Zusammenfassung
Als offizielle Geburtsstunde der Fotografie (‚phos‘ griechisch: Licht; ‚graphein‘: schreiben) – in Form der sogenannten Daguerreotypie – gilt, zumindest aus französischer Sicht, der 19. August 1839, auch wenn ihr unzählige Experimente vorausgegangen sind und sich etliche Pioniere an der Fixierung von Licht und an der mechanischen Reproduktion von Bildern versucht haben, wie sie wiederholt in umfassenden Historiografien zur Fotografie beschrieben sind. Im für die Fotogeschichte turbulenten Jahr 1839 präsentierte in Paris, in der französischen Akademie der Wissenschaft, der Sekretär Francois Arago (1786–1853) die Erfindungen des Malers Louis Jacques Mandé Daguerre (1787–1851), die dieser zusammen mit seinem Landsmann, dem Chemiker, Joseph-Nicéphore Niépce (1765–1833), seit etwa 1826 gemacht hatte, den Akademie-Mitgliedern und indirekt der französischen Öffentlichkeit – nur Mitglieder durften dort reden. Arago verlas ein Gutachten des Malers Paul Delaroche (1797–1856) über die außerordentliche Qualität dieser epochalen Erfindung.
Hans-Dieter Kübler
Kapitel 2. Forschungen zur Pressefotografie
Zusammenfassung
Was Fotojournalismus ist, erschließt sich im alltäglichen Verständnis und Umgang gewissermaßen von selbst. Allerdings kursieren auch Synonyme wie Pressefotografie, Bildjournalismus, Fotoreportage, Reportagefotografie, Bildberichterstattung u. a., so dass ständig (neue) Definitionen und terminologische Abgrenzungen gefordert werden. Sie halten meist nicht sehr lange und können keine normative Bestimmtheit beanspruchen.
Hans-Dieter Kübler
Kapitel 3. Frühe Bildpublizistik
Zusammenfassung
Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts suchten findige Publizisten ihre Produkte durch Illustrationen anschaulicher und attraktiver zu machen und entwickelten in Europa mit ihnen (Vor)Formen populärer Massenpresse. Da sie zugleich billig feilgeboten wurden, hießen sie bald Pfennig-Magazine (penny magazines). Anders als hochwertige Bücher richteten sie sich an ein breites Publikum, nicht mehr nur an eine wissenschaftliche und/oder betuchte Elite, und mit ihrer periodischen Erscheinungsweise verkörperten sie bald eine kontinuierliche, öffentliche Illustration bzw. Bildpublizistik. Ausdrücklich wendeten sie sich „an jeden“, gemeint ist, an das gebildete Bürgertum, später an die entstehende Arbeiterklasse, um „gemeinnützige Kenntnisse“ zu verbreiten, und zwar in gefälliger, unterhaltender Form, aber ja nicht sollte „das Gebiet der Politik und der religiösen Schaulust“ betreten werden.
Hans-Dieter Kübler
Kapitel 4. Presseboom um die Jahrhundertwende
Zusammenfassung
Einen ersten Boom erzeugten die ökonomischen, technologischen und sozialen Entwicklungen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auch bei den gedruckten Medien, insbesondere bei der aktuellen und populären Presse: Nach der wirtschaftlichen Depression Anfang der 1890er Jahre setzte im Deutschen Reich im Frühjahr 1895 generell ein „furioser wirtschaftlicher Aufschwung ein, der eine bis 1913 anhaltende Hochkonjunkturperiode eröffnete“ (Wehler 1995, 595). Nur unterbrochen von geringfügigen Einbrüchen in den Jahren 1901/02 und 1907/08, wurden die beiden Vorkriegsjahrzehnte zu den „goldenen Jahren“, die von einer „global triumphierenden privatkapitalistischen Industrialisierung und einem beispiellos prosperierenden Welthandel“ geprägt waren (Ebd.). Wachstumsmotoren waren vor allem die Elektrotechnik, die Großchemie und der modernisierte wie diversifizierte Maschinenbau. Entsprechend steigerte sich der Wohlstand, sowohl aufseiten des Industrie- und Banken-Kapitals, wo allein für das Aktienkapital ein Zuwachs von hundertvierzig Prozent zu verzeichnen war (Ebd. 599), als auch – trotz der bestehenden drastischen sozialen Schichtung – bei einem Großteil zumal der mittleren und oberen Einkommensklassen des Bürgertums.
Hans-Dieter Kübler
Kapitel 5. Die Entdeckung der Fotografie als publizistisches Medium
Zusammenfassung
Im Jahr 1914, mit dem unverantwortlich herbeigeführten Ausbruch des 1. Weltkrieges, endete das „lange 19. Jahrhundert von 1789 bis 1914“, „das seit der in den 1780er Jahren einsetzenden industriellen und politischen ‚Doppelrevolution‘ Europa einen universalhistorisch einmaligen Evolutionsschub, den ungeahnten Wohlstandsanstieg industrialisierender Gesellschaften und die Vorherrschaft über die gesamte nichtwestliche Welt gebracht hatte“ (Wehler 2003, 3). Dieser katastrophale Flächenbrand erwies sich als der „große Transformator“, „der innerhalb kürzester Zeit einen tieferen Einfluss auf alle beteiligten Völker, auf ihre Wirtschaft und Sozialstruktur, ihre Staatsverfassung und Innenpolitik, ihre Mentalität und Wertewelt ausübte als jedes andere Großereignis seit 1789, vielleicht sogar seit der protestantischen Reformation des 16. Jahrhunderts“ (Ebd.).
Hans-Dieter Kübler
Kapitel 6. Im Entstehen: die mediale Moderne
Zusammenfassung
Als die „goldenen“ gelten die Jahre nach Kriegsende bis zur Großen Depression 1929 und haben sich so in das kollektive, kulturhistorische Gedächtnis eingeprägt: Sie waren es nicht nur wegen vieler neuer kultur- und kunstgeschichtlicher Strömungen, die in Epochenbezeichnungen wie Avantgarde, künstlerische Moderne, Expressionismus, Dadaismus, neue Sachlichkeit (Bauhaus) gefasst werden, nicht nur wegen turbulenter Lebenslust, hedonistischem Überschwang, sensationeller Mode- und Tanzstile und anderer Trends, sondern auch in ökonomischer Hinsicht (Wehler 2003, 252 ff.): Eingerahmt von zwei Wirtschaftskrisen, der horrenden Inflation 1923 und der massiven, mehrjährigen Weltwirtschaftskrise mit beispielloser Depression und Deflation seit dem Börsensturz in den USA am „Schwarzen Freitag“, dem 24. Oktober 1929, der sich in Deutschland jedoch schon im harten Winter 1928/29 ankündigte und im Februar bereits drei Millionen Arbeitslosen zeitigte, setzte – nach Währungsreform und Dawes-Plan 1924 – vollends im Frühjahr 1925 ein mächtiger Konjunkturboom ein, wie er bislang nur in den zwei Vorkriegsjahrzehnten erreicht worden war – ein Aufschwung, der auch von kurzen Stagnationen und einem plötzlichen Börsensturz im Mai 1927 nicht nachhaltig beeinträchtigt wurde: Kapitalrenditen und Reallöhne erhöhten sich enorm, sozialpolitische Maßnahmen und Wohnraumbeschaffungen flankierten die positive Entwicklung.
Hans-Dieter Kübler
Kapitel 7. Totalitäre Ideologie und Repression. Bildpublizistik im NS-Regime
Zusammenfassung
Weltwirtschaftskrise, Inflation und Arbeitslosigkeit, Erosion der Weimarer Institutionen, Misstrauen gegen die bzw. Diffamierung der Demokratie, der so genannten „Systemzeit“, die Etablierung des autoritären Präsidialsystems, der Niedergang des Liberalismus und der stetig wachsende Wählerzustrom zur NSDAP verschlissen nicht nur die Wirtschaftskraft der großen Verlage, sie unterminierten auch das publizistische Selbstverständnis und zermürbten republikanische Auffassungen unter den Intellektuellen. Hingegen ermutigten sie die sich verbreitenden antidemokratischen und extremistischen Neigungen, mindestens eine resignierende Anpassungsbereitschaft oder die verzweifelte Hoffnung auf ein wie auch immer geartetes Ende des Schlamassels.
Hans-Dieter Kübler
Kapitel 8. Innovative Entwicklungen des Bildjournalismus im Ausland
Zusammenfassung
Selbstverständlich entstanden in Europa vor und während des Faschismus in Deutschland sowie in den USA – auch mit gewissen Verzögerungen – ähnliche fotografische Presseprodukte. Während der NS-Zeit in Deutschland verlagerten sich infolge der rechtlichen Restriktionen und ideologischen Verzerrungen solche Entwicklungen in diese Länder, die deutschen Beispiele oft als Vorreiter aufgreifend. Im Nachkriegsdeutschland wurde an diese Errungenschaften wieder angeknüpft. Mit der Herrschaft des Nationalsozialismus und seiner Verfolgung der Juden wanderten viele Fotografen und -reporter, die vielfach jüdischer Herkunft waren, nach England, Frankreich und in die USA aus. Fast alle Mitarbeiter des Deutschen Photodienstes (Dephot) verließen Deutschland.
Hans-Dieter Kübler
Kapitel 9. Bildpublizistik in Deutschland
Zusammenfassung
Die Trümmerlandschaft in Deutschland unmittelbar nach dem Krieg bewegte viele Fotografen dazu, die dokumentarischen Traditionen der Sozialfotografie der zwanziger Jahre aufzugreifen und authentisch, aber auch ohne falsches Pathos, die zermürbende, zugleich anklagende Wirklichkeit abzubilden und mit den Heimkehrenden oder Verbliebenen neue Orientierungen in den Ruinen zu erkunden. Auch amerikanischen Fotografen, die als Besatzer und Reporter in ihre Zone gekommen waren, wollten neben der ungeheuren Zerstörung auch den Informationshunger und die bald wieder auflebende Dynamik der Besiegten zeigen: In Blätter unter amerikanischer Aufsicht – wie die Neue Zeitung und heute – arbeiteten herausragende Vertreter wie Robert Capa, 1945 in Berlin stationiert, Henri Cartier-Bresson, Herbert List und Ernst Haas, die alle später für die Agentur Magnum tätig wurden (von Brauchitsch 2012, 164).
Hans-Dieter Kübler
Kapitel 10. Bildtheorie und -analyse
Zusammenfassung
Anfangs kursierte bei der Erfindung bzw. der ersten Popularisierung der Fotografie ein naiver Realismus über ihre Abbildfähigkeit, damals im gefeierten Kontrast zur Malerei und Zeichnung: „Diese Lichtzeichnungen oder Abdrücke jeder Schattennuancierung der Gegenstände sind in sich selbst so vollkommen, wie man sie in einer gewöhnlichen Darstellung durch Pinsel oder Griffel nie erreichen kann; sie sind die Natur und der Gegenstand selbst, soweit es im Bild möglich ist“, jubelte etwa der (Hamburger) Correspondent am 29. November 1839 (zit. nach Stiegler 2006, 18), also drei Monate nach der Patent-Anmeldung Daguerres. Immerhin lässt selbst diese Hommage eine zaghafte Relativierung hinsichtlich der Bildlichkeit („soweit es im Bild möglich ist“) erkennen. Massiv kritisierte hingegen der Lyriker Charles Baudelaire (1821–1867) 20 Jahre später beispielsweise die Fotografie als „eine neue Industrie“, die nicht wenig dazu beigetragen hat, „[…] auch den letzten Rest an göttlicher Inspiration im französischen Geist zu beseitigen“.
Hans-Dieter Kübler
Kapitel 11. Digitale Fotografie. Transformationen und Spekulationen
Zusammenfassung
Gründlich, bisweilen auch kontrovers wird nach wie vor diskutiert, ob die mit der Digitalisierung verbundenen Transformationen der Fotografie grundsätzlich neu, mindestens so einschneidend sind, wie die Erfindung der Fotografie selbst war oder ob sie nur prinzipielle Eigenschaften des fotografischen Bildes, die immer schon bestehen, so hervorheben oder verschärfen, dass sie trotz ihrer (unmerklichen) Kontinuität nunmehr nicht mehr ignoriert werden können. Festmachen lässt sich dieser Disput an der angenommenen oder infrage gestellten Abbildlichkeit des Bildes, also daran, ob und inwieweit eine Fotografie die aufgenommene Wirklichkeit wiedergibt oder nicht, allenfalls selektiv (oder konstruktiv) repräsentiert.
Hans-Dieter Kübler
Backmatter
Metadaten
Titel
Bildjournalismus und Pressefotografie
verfasst von
Hans-Dieter Kübler
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-35292-9
Print ISBN
978-3-658-35291-2
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-35292-9