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Über dieses Buch

In diesem Buch werden Lebensgeschichten von sogenannten Aussteigerinnen und Aussteigern aus der extremen Rechten erstmals basierend auf den Annahmen der interpretativen Sozialforschung mit einer biografieanalytischen und geschlechterreflektierenden Haltung untersucht. Der Gewinn einer verlaufstheoretischen Perspektive auf die Lebensgeschichten zeigt sich in den Ergebnissen der Biografieanalysen, die eine Verknüpfung zu den Typen biografischer (Ver)wandlungen aufweisen und damit eine neue Sichtweise auf Zuwendungs- und Distanzierungsprozesse von der extremen Rechten ermöglichen. Die rekonstruktive Fotoanalyse erweitert die Erkenntnisse über die Herstellung von Geschlecht in rechtsextremen Interaktionsräumen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Als deutsche Soziologin mit einer Familiengeschichte, in der sich die Verwobenheit in die nationalsozialistische Vergangenheit widerspiegelt, ist die Auseinandersetzung mit dem historischen Nationalsozialismus wie auch mit dem gegenwärtigen Rechtsextremismus für mich persönlich bedeutungsgeladen. Die wissenschaftliche Zuwendung stellt dabei nur einen Teilbereich dar, in dem mich das Thema berührt. Auch meine eigene Geschichte trägt ihren Anteil an der Initiierung meines Forschungsinteresses, das von dem Bestreben geleitet ist, Wissen über rechtsextreme Erscheinungsformen zu generieren, um darauf aufbauend Rechtsextremismus mit einem erweiterten Handlungsrepertoire entgegentreten zu können.
Johanna Sigl

Kapitel 2. Methodologische Rahmung und methodisches Vorgehen

Zusammenfassung
Das empirische Kernstück dieser Arbeit bilden die biografischen Fallrekonstruktionen und Globalanalysen einzelner Biografien von sogenannten AussteigerInnen aus der extremen Rechten. Das ihr zugrunde liegende, fallrekonstruktive Vorgehen in der Auswertung nach Gabriele Rosenthal (1995/2014) steht in der Tradition der sozialkonstruktivistischen Biografieforschung und wird im Folgenden näher expliziert. Darüber hinaus sind an mehreren Stellen in kleinerem Umfang weitere interpretative Analysen in die Arbeit eingeflossen, die zu einer Erweiterung des Analyserahmens führen: Dies ist zum einen die rekonstruktive Analyse von Fotografien, die einen Aufmarsch der extremen Rechten dokumentieren und die mit der leitenden Frage nach der Herstellung und Bedeutung von Geschlecht in den abgebildeten Interaktionsprozessen ausgewertet wurden (Kap. 5).
Johanna Sigl

Kapitel 3. Forschungsstand: Rechtsextremismus und Distanzierungsprozesse geschlechterreflektierend gerahmt

Zusammenfassung
Die im nun folgenden Kapitel geleistete Aufbereitung des Forschungsstandes einschließlich der Forschungsdesiderate geschieht unter einer ersten Einbeziehung der empirischen Ergebnisse meiner Forschungsarbeit. Darüber hinaus bilden begriffsgeschichtliche Annäherungen, der Rückgriff auf theoretische Bezüge sowie die Darstellung und Analyse der gegenwärtigen Praxis im Feld der Ausstiegsbegleitung die inhaltliche Grundlage der vorliegenden Auseinandersetzung.
Johanna Sigl

Kapitel 4. Ausstieg und Distanzierungsprozesse: Ein Überblick über den Forschungsstand und das Forschungsfeld

Zusammenfassung
Die deutsche Forschungslandschaft zu Fragestellungen des Ausstiegs und der Distanzierung von der extremen Rechten ist nach wie vor übersichtlich (Möller/Schuhmacher 2007a, 2007b, Welp-Eggert 2006, Rommelspacher 2006). Sie speist sich zum einen aus empirischen und dabei tendenziell qualitativen Studien, zum anderen gibt es ein weiteres Feld von publizierenden PraktikerInnen, die ihre Erfahrungen aus der Arbeit in der Distanzierungsbegleitung für den darüber hinaus gehenden Diskurs nutzbar machen und damit zu der Fundierung des Forschungsfeldes beitragen (Jende/Drudel 11 e.V. 2014, Koch/Pfeiffer 2009, ZDK 2007, Borstel 2011b). Als Schnittpunkt dieser Felder kann eine praxisbegleitende Evaluationsforschung angesiedelt werden, die durch die Evaluation unterschiedlicher Praxisprojekte der Distanzierungsbegleitung ebenfalls zu einer Erweiterung des Wissensstands beiträgt.
Johanna Sigl

Kapitel 5. Fotoanalyse: Die Bedeutung vergeschlechtlichter Interaktionen in extrem rechten Räumen

Zusammenfassung
Öffentlich sichtbaren Inszenierungen in der extremen Rechten wird nur wenig Aufmerksamkeit zuteil. Dabei sind Aufmärsche und Kundgebungen symbolpolitisch hoch aufgeladene Räume. Es sind Orte, an denen extrem rechte Politik gesellschaftlich sichtbar gemacht werden soll und ihre Botschaften und Darstellungen, auch über die konkrete Situation hinaus, durch mediale und dabei auch selbst organisierte Berichterstattung verbreitet wird (vgl. Schreckenberg/Sturm 2009: 95).
Johanna Sigl

Kapitel 6. Falldarstellungen und Globalanalysen: Lebensgeschichten von ehemals organisierten rechtsextremen AktivistInnen

Zusammenfassung
Das folgende Kapitel bildet den empirischen Schwerpunkt der Arbeit. Die Darstellung der analysierten Biografien folgt der Logik der Typenbildung, wie sie im Methodenkapitel (Kap. 2) dargelegt ist und im Anschluss an die Darstellung der empirischen Analysen im Ergebniskapitel diskutiert wird (Kap. 7). So werden unter dem Gliederungspunkt 6.1 die Biografien dargestellt, deren Distanzierung von der extremen Rechten als familiale Emanzipation und gleichzeitige gesellschaftliche Konsolidierung verstanden werden kann.
Johanna Sigl

Kapitel 7. Theoretische Verallgemeinerung, Kontrastierung und Diskussion der Ergebnisse

Zusammenfassung
Die fallrekonstruktive Untersuchung der Lebensgeschichten von Aussteigern und Aussteigerinnen hatte zum Ziel, die biografische Genese der Verläufe der Zuwendung zur extremen Rechten und der ihr folgenden Distanzierung zu rekonstruieren. Dafür wurde entsprechend einer biografietheoretischen und prozesssoziologischen Perspektive (siehe Kap.1) nicht einfach danach gefragt, warum jemand „zu einem/einer AussteigerIn geworden ist“, sondern die Fragestellung fokussierte darauf, in welchen kollektiv- und lebensgeschichtlichen Situationen und vor dem Hintergrund welches kollektiv- und lebensgeschichtlichen Verlaufes es zu einer Hinwendung und zu einer Distanzierung von der extremen Rechten kam (vgl. Rosenthal/Bogner 2014). Die im vorangegangenen Kapitel ausführlich dargestellten und damit in ihrem Entstehungsprozess intersubjektiv nachvollziehbaren biografischen Rekonstruktionen bilden die Grundlage, auf der im Folgenden als theoretische Verallgemeinerung der Ergebnisse eine Typologie der Distanzierungsverläufe vorgestellt wird.
Johanna Sigl

Kapitel 8. Fazit

Zusammenfassung
In der vorliegenden Untersuchung stehen die Lebensgeschichten von sogenannten AussteigerInnen aus der extremen Rechten im Fokus der Analyse. Neben der grundsätzlichen Forschungsfrage, in welchen kollektiven und individuellen Erfahrungsräumen sich Zuwendungs- und Distanzierungsprozesse von der extremen Rechten vollziehen, wurden des Weiteren die Bedeutungen der Geschlechterinszenierungen und -interaktionen innerhalb der extremen Rechten und die möglichen Transformationen im Verlauf der Distanzierung rekonstruiert. Mit diesen Fragestellungen und der methodischen Anlage dieser Untersuchung habe ich bewusst einen anderen Weg eingeschlagen, als ihn die Mehrheit der sozialwissenschaftlichen Studien zu AussteigerInnen wählt.
Johanna Sigl

Backmatter

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