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04.04.2018 | Biomasse | Im Fokus | Onlineartikel

Flüssige Biobrennstoffe durch Politik beschränkt

Autor:
Frank Urbansky

Biomasse zu Brennstoffen zu verarbeiten war einmal ein Königsweg der Energiewende. Doch der ist lange versperrt. Zwar sollen neue Biokraftstoffe Abhilfe schaffen. Doch deren Ressourcen sind begrenzt.

Technische Möglichkeiten, die umstrittenen Biokraftstoffe der ersten Generation zu ersetzen, gibt es viele. "Eine weitere Möglichkeit der Konkurrenz zu Nahrungsmittel auszuweichen ist die Produktion von Biomass-to-Liquid- (BtL) Kraftstoffen. Dabei wird Biomasse – z. B. aus Durchforstungsholz, Grünschnitt oder Kurzumtriebsplantagen – durch Pyrolyse zu Synthesegas und dieses mittels Fischer-Tropsch-Reaktion zu Kraftstoff umgewandelt. Dieser besteht wie bei den verwandten Gas-to-Liquid- und Coal-to-Liquid-Kraftstoffen aus Alkanen und kann als sehr reiner Kraftstoff angesehen werden", beschreiben dies auf Seite 154 ihres Buchkapitels Alternative Dieselkraftstoffe die Springer Vieweg-Autoren Jürgen Krahl, Axel Munack und Helmut Tschöke.

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Alternative Dieselkraftstoffe

Mittel- bis langfristig wird eine Erschöpfung fossiler Primärenergiequellen, insbesondere Erdöl, eintreten, die durch den weltweit steigenden Energieverbrauch noch beschleunigt werden wird. Es gilt daher, über alternative Energien intensiv nachzudenken.


Dabei sind diese technologischen Möglichkeiten einfach notwendig, sollen denn flüssige Brennstoffe im Wärmemarkt oder in der Mobilität weiterhin eine Rolle spielen. Neben der Tank-Teller-Diskussion wird die Biomasse, die extra zu Energiezwecken angebaut wird, auch von der Theorie der indirekten Landinanspruchnahme (iluc) angegriffen. Die besagt zusammengefasst folgendes: Eine Stück Land, das zuvor einen Wald beherbergte, kann selbst bei regelmäßiger Bepflanzung in absehbarer Zeit nicht die CO2-Potenziale binden wie zuvor der Wald.

EU setzt engen Rahmen

Beide Theorien haben die Gesetzgebung der Europäischen Union (EU) in Bezug auf Biokraftstoffe in den letzten Jahren geprägt. Dazu eine Betrachtung der derzeitigen Nutzung: Im Verkehrssektor werden Diesel bis zu sieben Prozent und Benzin fünf bis zehn Prozent Biokraftstoffe beigemischt. Insgesamt kommt man damit auf einen durchschnittlichen Verbrauch von etwa fünf Prozent. Die EU will nun die Anrechnung von strombasierten Kraftstoffen mit einem Faktor von fünf – entweder direkt als Strom oder als Power to Liquid (PtL) – deutlich verbessern. Auch Einspareffekte im Raffinierungsprozess sollen anrechenbar sein. Ähnliches gilt für Kraftstoffe aus Abfall- und sonst nicht verwertbaren Reststoffen. Deren Grundstoffbasis ist jedoch deutlich begrenzt und wird größtenteils schon genutzt.

Nach Berechnungen deutscher Biokraftstoffverbände würde dann nur noch ein Anteil von zwei Prozent Bioanbaumasse für den Verkehr, also Bioethanol als Beimischung für Benzin und verestertes Rapsöl (FAME) für Diesel als sogenannte Biokraftstoffe der ersten Generation genutzt. Das ist mehr als eine Halbierung und stellt den einstigen Bioenergiepionier Deutschland und seine Biokraftstoffindustrie vor große Probleme.

CO2 als Kopplungsprodukt fällt weg

Aber auch technisch ist dieser politische Ansatz nicht sehr weit gedacht. Die fortschrittlichen Biokraftstoffe wie PtL benötigen etwa massenhaft CO2. Das fällt als Gärkohlensäure etwa in Ethanolraffinerien an und könnte gleich an Ort und Stelle verarbeitet werden. Fällt die Ethanolproduktion jedoch aus, gibt es auch den Grundstoff für den Biokraftstoff der zweiten Generation nicht oder er muss unter finanziell und technisch großen Aufwendungen aus der Luft abgespalten werden.

Im Wärmemarkt hingegen haben flüssige Biokraftstoffe nie eine große Rolle gespielt. Das für Diesel im Straßenverkehr angewandte FAME kommt hier in nur geringen Mengen zum Einsatz. So dient es in Baden-Württemberg der Erfüllung des Erneuerbaren-Wärme-Gesetzes (EWärmeG), das für Bestandssanierungen den Einsatz von 15 Prozent regenerative Energien vorsieht. In anderen Bundesländern gibt es keine vergleichbaren Regelungen.

Volkswirtschaftlich wird mit der Politik der EU, die Deutschland ja verfolgen muss, eine riesige Chance vergeben. Denn die Infrastruktur für flüssige Biokraftstoffe steht, sowohl in der Erzeugung, der Lagerung und der Auslieferung. Für alle anderen Brennstoffe – etwa Wasserstoff oder Strom – müsste diese neu aufgebaut oder deutlich ausgeweitet werden. "Werden Biokraftstoffe wie Biomass-to-Liquid (BTL) in Raffinerieprozesse integriert, kann die bestehende Mineralölinfrastruktur für die Speicherung verwendet werden", bringen auf Seite 183 ihres Buchkapitels Speicherbedarf im Verkehrs- und Chemiesektor die Springer Vieweg-Autoren Michael Sterner, Fabian Eckert, Hans-Martin Henning und Tobias Trost Buchkapitel diesen Vorteil auf den Punkt.

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