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Über dieses Buch

In diesem Buch erfahren Sie, was Biosphere Reserves eigentlich sind?! Warum wurden sie gegründet? Wie werden sie verwaltet? Und was haben sie mit Nachhaltigkeit zu tun? Angesprochen sind alle, die in diesem Bereich arbeiten oder forschen, diese führen und verwalten, sowie Politikerinnen, Politiker oder Wirtschaftstreibende die sich mit Wegen zur Nachhaltigkeit beschäftigen. Sie werden überrascht sein über die Vielfalt der Fragestellungen und Probleme, vor allem aber über die Strategien und Lösungen, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz erarbeitet wurden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Frontmatter

Kapitel 1. Das Weltnetz der Biosphere Reserves (UNESCO WNBR) im Spiegel des Nachhaltigkeitskonzeptes: Stand und Perspektiven

Zusammenfassung
UNESCO Biosphere Reserves sind Modellregionen nachhaltiger Entwicklung. Die Bezeichnung greift auf einen Begriff zurück, der im 19. Jahrhundert forstwirtschaftlich geprägt und konnotiert wurde und mit der Veröffentlichung des Brundtland-Reports (1984) zu einem entwicklungstheoretischen Paradigma wurde. Auch wegen seiner Unschärfe war der Terminus Nachhaltigkeit einem steten Diskurs und daraus folgend einer Weiterentwicklung unterworfen.
Axel Borsdorf, Michael Jungmeier

Biosphärenparke, -regionen, -reservate, -gebiete in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Frontmatter

Kapitel 2. Synopsis der Biosphere Reserves in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Zusammenfassung
Die UNESCO Biosphere Reserves (BR) in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz unterliegen den UNESCO-Kriterien, die zur Antragsstellung, zur Anerkennung und zur Evaluierung herangezogen werden. Darauf aufbauend haben Deutschland und Österreich Kriterienkataloge entwickelt. Diese Kriterienkataloge werden vorgestellt und die Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich behandelt. Die Kriterien sind nicht nur zur Antragsstellung, sondern auch bei der 10-jährigen Evaluierung von Bedeutung. Anhand ausgewählter Beispiele aus öffentlich zugänglichen Evaluierungsberichten werden Maßnahmen dargestellt, die zur Umsetzung der drei miteinander verbundenen Funktionen zur Erhaltung der Biodiversität, zur ökologischen, sozial nachhaltigen und kulturellen Entwicklung sowie zur logistischen Unterstützung eingesetzt werden. Die Umsetzung in jedem BR ist abhängig von den naturräumlichen Gegebenheiten wie von den ökonomischen, sozialen und kulturellen Aspekten, die jeweils unterschiedliche Managementmaßnahmen erfordern.
Valerie Braun, Adelheid Humer-Gruber, Kati Heinrich, Hubert Job

Kapitel 3. Agenda 2030 und Lima-Aktionsplan – Anpassung der Biosphere Reserves für die Zukunft

Zusammenfassung
In den letzten vier Jahrzehnten hat sich das UNESCO-Programm Man and the Biosphere (MAB) und damit auch sein Weltnetz der Biosphere Reserves (WNBR) kontinuierlich weiterentwickelt und sich entsprechend den geänderten globalen nachhaltigkeitspolitischen Grundsätzen angepasst. Zwar gilt die Sevilla-Strategie mit ihren verpflichtenden Rahmenbedingungen (Statutory Framework; UNESCO 1996) weiter, mit dem Aktionsplan von Madrid (UNESCO 2008) und zuletzt der MAB-Strategie 2015–2025 mit dem zugehörigen Aktionsplan von Lima (LAP) 2016–2025 (UNESCO 2016a, 2016b, 2017a) ist das Konzept der UNESCO Biosphere Reserves (BR) aber zuletzt in der Substanz neu aufgestellt worden. Besonders sichtbar wird dies anhand des 2013 angelaufenen Prozesses der Qualitätssicherung im WNBR (Exit / Excellence Strategy). Der Artikel beschreibt zunächst inhaltliche und formale Anpassungen des MAB-Programms von seiner Gründung bis heute und gibt dann einen Überblick über die im Rahmen der Umsetzung der Agenda 2030 und des aktuellen Lima-Aktionsplans notwendigen Aufgaben für die BR und die dafür verantwortlichen Stakeholder in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die Zusammenschau von LAP-Maßnahmen und Zuständigkeiten, die auf einem vom deutschen MAB-Nationalkomitee 2017 verabschiedeten Positionspapier aufbaut (MAB Deutschland 2017), wurde im vorliegenden Artikel auf die Umsetzung des LAP in Österreich fokussiert.
Günter Köck, Arne Arnberger, Lutz Möller

Kapitel 4. Das MAB-6-Projekt der UNESCO: Von der Ökosystemforschung zum MAB Biosphere Reserve

Zusammenfassung
Die UNESCO lancierte 1971 das Programm Man and the Biosphere (MAB) mit dem Ziel, Interaktionen des Menschen mit seiner Umwelt besser zu verstehen. Im Rahmen des MAB wurde zur Umsetzung der Programmziele zudem das Konzept des Biosphere Reserve (BR) entwickelt. Im Rahmen des MAB-6-Projektes zu Gebirgsräumen wurden zwischen 1973 und 1991 im schweizerischen, österreichischen und deutschen Alpenraum in neun Testgebieten interdisziplinäre Forschungsprojekte zu Mensch-Umwelt-Beziehungen durchgeführt. Während diese Projekte der Ökosystemforschung wesentliche Impulse geben konnten, wurde die Überführung von MAB-Testgebieten in BR nur in Berchtesgaden vollzogen. Somit hat sich eine Absicht des MAB-Programms, wissenschaftliche Grundlagen für den Aufbau von BR zu nutzen, nicht durchgesetzt, ebenso wie auch in späteren Versuchen in diese Richtung (BRIM, GLOCHAMORE). Biosphäre 4.0 könnte für die Schweiz, Österreich und Deutschland Anlass sein, die nächsten Entwicklungsschritte der BR durch ein neues MAB-Forschungsprogramm mit dem Fokus auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformationsprozesse zu unterstützen.
Thomas Scheurer

Kapitel 5. Das Biosphere Reserve-Konzept in Deutschland, Österreich und der Schweiz – Paradigmatische Entwicklung und zukünftige Herausforderungen im Spannungsfeld von Regionalentwicklung und globaler Nachhaltigkeit

Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird das Biosphere Reserve-Konzept von Deutschland, Österreich und der Schweiz im Spiegel der paradigmatischen Entwicklung und zukünftiger Herausforderungen im Spannungsfeld von Regionalentwicklung und globaler Nachhaltigkeit beleuchtet. Die Entwicklung in der Naturschutzpolitik Europas und ihr Niederschlag in der Biosphere Reserve-Politik dieser drei Länder lassen sich über die seit den 1960er-Jahren chronologisch in Erscheinung getretenen Paradigmen Segregativer Naturschutz, Integrativer Naturschutz und Gesamtheitlicher Naturschutz gliedern. Zum einen werden in diesem Beitrag diese Paradigmen beleuchtet und zum anderen diskutiert, inwiefern diese paradigmatische Entwicklung bis heute in der Realität ihren Niederschlag gefunden hat. Dabei zeigte sich unter anderem, dass alle drei Länder hinsichtlich der Umsetzung des eingeforderten gesamtheitlichen Naturschutzverständnisses vor großen zukünftigen Herausforderungen stehen, zumal in den beleuchteten Biosphere Reserves allenfalls erste Ansätze der Umsetzung erkennbar sind.
Norbert Weixlbaumer, Thomas Hammer, Ingo Mose, Dominik Siegrist

Kapitel 6. Akzeptanz, Identifikation und Engagement: Ergebnisse und Implikationen aus einer Bevölkerungsumfrage in acht UNESCO Biosphere Reserves in der Schweiz, Deutschland und Österreich

Zusammenfassung
In acht UNESCO Biosphere Reserves (BR) in Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde mittels quantitativer Umfragen untersucht, wie Akzeptanz, Identifikation und Engagement hinsichtlich der BR in der lokalen Bevölkerung ausgeprägt sind. Wir diskutieren die Ergebnisse und Unterschiede zwischen den BR. Auf dieser Grundlage erörtern wir Handlungsansätze für das Management von BR, um Akzeptanz, Identifikation und Engagement in der Bevölkerung zu fördern. Darüber hinaus beschreiben wir, welche Lern- und Informationsprozesse während der Projektdurchführung zwischen und in den beteiligten BR-Managements entstanden sind und es wird beleuchtet, wie das gesamte Projekt den internationalen MAB-Kontext ergänzen kann.
Eike von Lindern, Rebecca Knoth-Letsch, Volker Häring, Christine Klenovec, Marcel Hunziker, Astrid Wallner, Florian Knaus

Kapitel 7. Netzwerk Biosphere Reserves – Einblicke in die Innovationspotentiale der Peripherie am Beispiel Entlebuch (Schweiz) und Großes Walsertal (Österreich)

Zusammenfassung
Schutzgebiete in ländlichen Räumen tragen dazu bei, Naturschutzziele zu erreichen, den grand challenges wie dem Klimawandel entgegenzutreten sowie den Übergang hin zu einer postfossilen Gesellschaft zu gestalten. Gleichzeitig kämpfen sie damit, wirtschaftliches Wachstum und erhöhte Lebensqualität zu verknüpfen. Biosphere Reserves (BR) versuchen diese Dichotomie zu überwinden, indem sie unter anderem Innovationen fördern wollen. Diese sollen anschließend im globalen Schutzgebietsnetz Verbreitung finden.
Dieser Beitrag untersucht, wie Innovationen bzw. innovative Betriebe und Projekte in BR regional eingebettet sind. Mittels sozialer Netzwerkanalyse und leitfadengestützter Interviews werden zwei periphere BR aus Österreich (Großes Walsertal) und der Schweiz (Entlebuch) miteinander verglichen. Die Ergebnisse kategorisieren verschiedene Innovationstypen und zeigen, dass BR als Plattform für neue Ideen, als Instrument zur Förderung von Projekten und Produkten sowie als Vermittler zwischen Akteuren und Skalen fungieren können.
Armin Kratzer

Globale Ziele – regionale Umsetzung

Frontmatter

Kapitel 8. SCiENCE_LINKnockberge – kooperativ Forschen, Lehren und Lernen

Zusammenfassung
Der Beitrag beschreibt anhand der Forschungskooperation SCiENCE LINKnockberge, wie der Kärntner Teile des Biosphärenparks Salzburger Lungau & Kärntner Nockberge seinen Forschungs- und Bildungsauftrag durch eine Zusammenarbeit mit der Universität Klagenfurt in die Praxis umsetzt. Anhand von konkreten Bespielen und Interviews mit Vertretenden des Biosphärenparks einerseits und Forschenden und Studierenden der Universität andererseits, werden die Konzeption und Entwicklung der Zusammenarbeit vorgestellt und reflektiert. Dabei werden Erfolge und Herausforderungen sichtbar. Die Kooperation SCiENCE LINKnockberge erweist sich als lebendiger Experimentier-, Lern- und Forschungsraum mit dem Potential, durch nachhaltig synergetischen Austausch von verschiedenen Wissensformen zu einer „Landschaft des Wissens“ heran zu wachsen.
Julia Falkner, Franz Rauch

Kapitel 9. Akzeptanzfördernde Faktoren im Biosphärengebiet Schwäbische Alb – Ein Fallbeispiel für eine gelingende Integration von Mensch und Biosphäre

Zusammenfassung
Die Kluft zwischen theoretischem Anspruch von UNESCO Biosphere Reserves (BR) und konkreter praktischer Ausgestaltung vor Ort ist oft erheblich und das Ziel als Modellregionen zu fungieren kann nicht immer erreicht werden. Eines der Gebiete, welches den Weg vom Spannungsfeld zwischen ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Interessen hin zu einer Modellregion für nachhaltige Entwicklung gut bewältigt, ist das Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Greifswald hat die Auswertung leitfadengestützter Interviews mit einer breiten Palette von Akteurinnen und Akteuren im BR Schwäbische Alb diesen Eindruck belegt. Die Ergebnisse deuten auf eine bemerkenswert hohe Akzeptanz im BR Schwäbische Alb sowie eine wahrgenommene Aufwertung der Region hin. In dem Artikel werden neben weiteren Ergebnissen insbesondere die Faktoren diskutiert, die zu diesen Entwicklungen im BR Schwäbische Alb geführt haben. Des weiteren wird der Frage nachgegangen, ob – und wenn ja welche – dieser Faktoren übertragbar sind und als Lernmodell für andere Regionen dienen können.
Uta Johanna Runst, Susanne Stoll-Kleemann

Kapitel 10. Am Rand großer Städte – Urbane Biosphere Reserves zwischen Konzept und Umsetzung

Zusammenfassung
Biosphere Reserves (BR) in unmittelbarer Nähe zu Großstädten gehen mit spezifischen Herausforderungen einher. Dabei können peri-urbane BR sehr heterogene Funktionen erfüllen, vom Schutz der Natur über Naherholung bis hin zu innovativen Potenzialen sozial-ökologischer Transformation. Das besondere Konfliktrisiko peri-urbaner BR ist gleichzeitig nicht zu übersehen.
Dieser Artikel gibt einen Überblick über Diskussionsstränge zur Anwendbarkeit des BR-Konzepts im urbanen Kontext und arbeitet Chancen und Grenzen anhand von zwei Fallbeispielen (Wienerwald, Grüngürtel São Paulo) hinsichtlich deren Funktionen, Governance-Strukturen und konkreten Aktivitäten heraus.
Ute Ammering, Martin Coy, Lukas Kindl, Armin Kratzer, Tobias Töpfer, Neli Aparecida de Mello-Théry

Kapitel 11. Bürgerbeteiligung und Sozialkapital in Schutzgebieten: Resultate einer Studie im Biosphärenpark Großes Walsertal

Zusammenfassung
Sowohl das in einer Region vorhandene Sozialkapital als auch das freiwillige Engagement seiner Einwohnerinnen und Einwohner sind ein fruchtbarer Humus für die Regionalentwicklungsprojekte in Großschutzgebieten. Dies gilt insbesondere für Bergschutzgebiete, wo nur begrenzt finanzielle Ressourcen zur Verfügung stehen. Nachhaltige Entwicklungsprozesse verlangen aber nach einer kontinuierlichen Einbindung lokaler Stakeholder und der lokalen Bevölkerung. In diesem Kapitel wird gezeigt, wie dies im UNESCO Biosphärenpark Großes Walsertal, Vorarlberg, Österreich gelingen kann.
Falk Borsdorf

Kapitel 12. Der Biosphärenpark Großes Walsertal aus dem Blickwinkel seiner Bewohnerinnen und Bewohner

Zusammenfassung
In einem Biosphere Reserve ist es von großer Bedeutung, den vor Ort lebenden Menschen die Möglichkeit zur Partizipation und zur Mitgestaltung der zukünftigen Entwicklung ihrer Region zu geben. In der Region Großes Walsertal (Vorarlberg), der im Jahr 2000 von der UNESCO das Prädikat Biosphere Reserve verliehen wurde, wird die ansässige Bevölkerung immer wieder aktiv in konkrete Projekte miteinbezogen. Dies erfolgte auch 2005 anlässlich des fünfjährigen Jubiläums der Auszeichnung als Biosphärenpark in Form einer großangelegten sozialwissenschaftlichen Haushalts- / Bewohnerbefragung. Um das Meinungsbild auch im Zeitvergleich zu analysieren, wurde 2014 eine weitere Befragung der Bewohnerinnen und Bewohner des Tales durchgeführt. Beide Erhebungen ergaben unter anderem hinsichtlich der Akzeptanz des Biosphärenparks und der Partizipationsbereitschaft der einheimischen Bevölkerung bemerkenswert positive Ergebnisse.
Peter Alexander Rumpolt

Kapitel 13. Grenzen überwinden – Herausforderungen und Potenziale bei der Weiterentwicklung des Biosphärenreservates Pfälzerwald-Nordvogesen

Zusammenfassung
Im Jahr 1958 wurde als einer der ersten Naturparke in Deutschland der Naturpark Pfälzerwald gegründet, der 1992 als UNESCO Biosphere Reserve (BR) anerkannt wurde. Sechs Jahre später, 1998, wurde schließlich aus den Naturparken Pfälzerwald und Nordvogesen das grenzüberschreitende deutsch-französische Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen, das als Modellregion für nachhaltige Entwicklung zum Erhalt und zur Entwicklung natürlicher Ressourcen beitragen soll. Seitdem wurden und werden regelmäßig gemeinsame Projekte der deutschen und französischen Verwaltungen initiiert, die dem – wenn auch mitunter vagen und vielgestaltigen – Nachhaltigkeitsgedanken verschrieben sind. Der Beitrag beleuchtet zum einen, wie mit dem Handlungsprogramm für die Jahre 2019 bis 2028 ein angepasstes Entwicklungskonzept in umfangreicher Abstimmung entsteht. Zum anderen wird anhand des EU-Projektes LIFE Biocorridors, das auf einen grenzüberschreitenden Biotopverbund mit weitreichenden Maßnahmen abzielt, dargestellt, wie gemeinsame deutsch-französische Anstrengungen umfängliche Aushandlungsprozesse erfordern, um so eine gemeinsame „Sprache“ zu finden.
Florian Weber, Friedericke Weber

Kapitel 14. Biosphere Reserves als Reallabore für ein nachhaltiges Management von nicht einheimischen Pflanzenarten

Zusammenfassung
Die Diskussion über nicht einheimische Arten (Neobiota) und deren Management in Umwelt- und Naturschutz ist häufig geprägt durch eine prinzipielle Ablehnung des Fremden. Hieraus leitet sich nicht selten eine Bekämpfung der Arten im Biotopmanagement und in der Ökosystemrenaturierung ab. In diesem Kapitel soll diese Problematik beleuchtet werden und ein wertfreier Blick auf nicht einheimische Pflanzenarten, v. a. im Hinblick auf mögliche Ökosystemleistungen und das forstliche Management geworfen werden. Biosphere Reserves (BR), die dem Ziel einer nachhaltigen Landschaftsentwicklung und Landnutzung verpflichtet sind, eignen sich als Reallabore für einen zukunftsweisenden Umgang mit nicht einheimischen Arten. Als Fallbeispiel wird das BR Valle del Ticino in Norditalien herangezogen, wo sich die aus Nordamerika stammenden Baumarten Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina Ehrh.) und Robinie (Robinia pseudoacacia L.) stark in den Hartholz-Auenwäldern ausgebreitet haben.
Stefan Zerbe, Peter Annighöfer, Inga Mölder, Heike Schneider, André Terwei, Christian Ammer

Kapitel 15. Der Weg vom Réserve de Biosphère Parc Suisse zum UNESCO Biosphärenreservat Engiadina Val Müstair: eine basisdemokratische Herausforderung

Zusammenfassung
Der Schweizerische Nationalpark wurde 1979 von der UNESCO zum ersten Biosphere Reserve der Schweiz erklärt. Er ist per Gesetz ein Reservat, in dem die Natur vor allen menschlichen Eingriffen geschützt wird, die menschliche Nutzung ist ausgeschlossen. Die Schaffung der mit der Sevilla-Strategie geforderten Pflege- und Entwicklungszone war eine Herausforderung. Die Bevölkerung musste jetzt einbezogen und überzeugt werden. Mit dem neu geschaffenen Naturpark Biosfera Val Müstair unternahm man 2010 erfolgreich den ersten Schritt, 2016 folgte die Gemeinde Scuol. Die UNESCO Biosfera Engiadina Val Müstair wurde 2017 anerkannt. Der Mensch ist integriert und die Grundlagen für eine weitere Entwicklung sind geschaffen.
Flurin Filli, Angelika Abderhalden

Kapitel 16. Aus der Region heraus entstanden – das Biosphärengebiet Schwarzwald

Zusammenfassung
Das ganz im Südwesten von Baden-Württemberg gelegene Biosphärengebiet Schwarzwald erhielt im Juni 2017 die UNESCO-Anerkennung. Der sich über sieben Jahre hinziehende Weg dorthin war begleitet von einem intensiven Diskussions- und Beteiligungsprozess, der vom Ansatz her beispielgebend sein könnte und auch vom MAB ICC gelobt wurde. Damit folgte das Verfahren den Vorgaben der Sevilla-Strategie von 1995, dem Madrider Aktionsplan von 2008 und dem Aktionsplan von Lima 2015, auch wenn die Verfahrensstrategie nicht einem in jedem Detail vorgezeichneten Plan folgte. Der Weg war keineswegs konfliktfrei, doch führte er letztlich zum Erfolg.
Werner Konold

Kapitel 17. Nachhaltigkeit messen – Praktische Erfahrungen und Herausforderungen im Aufbau eines Biosphere Reserve Integrated Monitoring (BRIM) im Biosphärenpark Salzburger Lungau & Kärntner Nockberge

Zusammenfassung
Monitoring von Entwicklungen und Trends in Biosphere Reserves (BR) ist nicht nur ein formelles Erfordernis, sondern auch eine Notwendigkeit, um ein Verständnis über die Wirkung von Interventionen für eine nachhaltige Entwicklung zu gewinnen und dies im Management in Handlungen umzusetzen. Hierfür schlägt das MAB-Programm ein integriertes Biosphere Reserve Integrated Monitoring (BRIM) vor. Dieser Beitrag diskutiert die Ausgangslage und Anforderungen für ein integriertes Monitoring in BR und die Ergebnisse einer pilothaften Umsetzung im Biosphärenpark Salzburger Lungau & Kärntner Nockberge in Österreich.
Das schlanke System aus 12 Kernindikatoren in den vier Dimensionen (Ökologie, Wirtschaft, Gesellschaft, Management) eignet sich zur Umsetzung auf BR-Ebene und kann flexibel angepasst werden. Dennoch wird klar, dass die Herausforderung im Monitoring weniger in der Entwicklung der Indikatoren als in der Operationalisierbarkeit auf der Ebene des BR liegt. Die Ergebnisse des Pilotprojektes geben hilfreiche Erkenntnisse aus der Praxis für die Entwicklung und Umsetzung integrierter Monitoringansätze in Biosphärenparks.
Michael Huber, Tobias Köstl

Kapitel 18. Welchen Beitrag kann ein Biosphere Reserve zur Umsetzung der SDG leisten? Einsichten und Aussichten aus der UNESCO Biosphäre Entlebuch

Zusammenfassung
Mit der MAB-Strategie 2015–2025, der Lima-Deklaration 2016 und dem Lima-Aktionsplan 2016–2025 sollen sich UNESCO Biosphere Reserves (BR) zu Modellen der Umsetzung der Sustainable Development Goals 2015–2030 (SDG) entwickeln. Sie sollen eine Vorbildfunktion übernehmen, indem sie aufzeigen, was und wie sie auf lokaler Ebene zur Erreichung der globalen Ziele Nachhaltiger Entwicklung beitragen. Bisher fehlen jedoch Hinweise, zu welchen SDG mit ihren 169 Unterzielen Biosphärenreservate (BR) überhaupt beitragen können und sollen. Ebenso stellt sich die Frage, ob die SDG wirklich einen sinnvollen Zielrahmen für BR hergeben. Diese Unklarheiten waren Ausgangslage für ein Projekt in der UNESCO Biosphäre Entlebuch. Darin wurden im Rahmen kriterienbasierter Experteneinschätzungen alle 169 SDG-Unterziele dahingehend beurteilt, inwieweit diese für BR in Westeuropa allgemein und speziell für das BR Entlebuch relevant sind, ob die relevanten Unterziele mit Maßnahmen schon abgedeckt sind und ob Anpassungsbedarf bei den Zielen und Maßnahmen besteht. Die Ergebnisse sind vielfältig: Zwei Drittel der 169 SDG-Unterziele haben für BR keine oder eine nur geringe Bedeutung, und auf nur einen Drittel können BR direkt einwirken; indirect (z.B. über Kooperationen mit anderen Akteuren oder Ausbildung) haben sie jedoch bei gewissen Unterzielen weitere Einflussmöglichkeiten. Am Beispiel des BR Entlebuch zeigte sich, dass es noch weniger Unterziele sind, die in der praktischen Umsetzung eines BR eine wichtige Rolle spielen. Aus den Resultaten lässt sich folgern, dass sich die 169 SDG-Unterziele nicht als einziger Zielrahmen für BR eignen. Die allgemein formulierten 17 SDG können hingegen gut als Orientierungsrahmen für BR dienen. Sie erlauben es, eine globale Perspektive auf lokaler Ebene einzubringen und dazu beizutragen, den Zielrahmen wie auch die Maßnahmen eines BR kritisch zu beurteilen.
Thomas Hammer, Florian Knaus, Annette Schmid

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